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DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR HAUSWIRTSCHAFT e.V.

 
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Junges Forum - Beirat für Nachwuchsarbeit in der dgh

Kolloquium 2007

Schnittstelle Haushalt: Wohnen, Gesundheit, Ernährung, Ökonomie und Technik.

Junge Haushaltswissenschaftler diskutieren an der Universität Hohenheim auf dem 15. Kolloquium des JUNGEN FORUMS eine breite Palette an Facetten wissenschaftlicher und praktischer Projekte von Teilnehmern vieler unterschiedlicher Hochschulen.

Am letzten Oktoberwochende kam das JUNGE FORUM der dgh an der Universität Hohenheim zusammen, um sich der Thematik "Schnittstelle Haushalt" zu widmen. Es wurde der Haushalt, sowohl der hauswirtschaftliche Dienstleistungsbetrieb aber auch der private Haushalt, als Schnittstelle betrachtet, um die Versorgung der Mitglieder zu gewährleisten. Theoretische Konzepte und praxisnahe Projekte zeigten wie die Bedürfnisse der Mitglieder eines Haushaltes durch mannigfaltige Tätigkeiten befriedigt werden. Eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren beeinflusst Haushalte, was bei den Vorträgen des Kolloquiums wieder einmal mehr deutlich wurde: Neun Referentinnen und Referenten präsentierten Projekte die durch ein "Call for Paper" und einen sich anschließenden Review-Prozess durch promovierte Mitglieder des JUNGEN FORUMS, ausgewählt wurden. Am Institut für Haushalts- und Konsumökonomik der Universität Hohenheim, dem als Gastgeber hier nochmals gedankt werden soll, folgten im Anschluss an die Vorträge interessante und angeregte Diskussionen. Diese wurden auch beim Rahmenprogramm, einem gemeinsamen Abendessen mit Spezialitäten schwäbischer Küche und einer Führung durch das Schloss Hohenheim als krönenden Abschluss weiter verfolgt. Die ausformulierten Paper der Beiträge des Kolloquiums werden in Kürze im "Jahrbuch Junge Haushaltswissenschaft 2007" veröffentlicht.

Zu Anfang stellten die Teilnehmer sich die Frage wie Haushalte entstehen: im Vortrag von Dipl. oecotroph. Kathrin Turnwald von der Universität Bonn, wurde der Prozess der Haushaltsgründung theoretisch analysiert und praktische Problembewältigungen konnten aufgezeigt werden. Obschon fast jeder Mensch in seinem Leben einen Haushalt gründet, wodurch grundlegende Entscheidungen getroffen werden, die zur Bewältigung von Alltags- und Daseinskompetenzen von Nöten, wird der Gründung keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Nach einer definitorischen Abgrenzung des Begriffes der Haushaltsgründung wurden theoretische Konzepte erläutert die zur Erklärung von Gründungsprozessen beitragen können um im weiteren Verlauf Problembereiche und Kompetenzen im Rahmen der Haushaltsgründung zu diskutieren.

Das nächste Referat lieferte einen Beitrag über die Bewertung von Haushaltsarbeit. Hierzu hat Dipl. oec. troph. (FH) Yvonne Rüger die Berechnung des Wertes der Haushaltsarbeit in Finnland und Deutschland verglichen. Die während eines Aufenthaltes am nationalen finnischen Verbraucherforschungsinstitutes entstandene Diplomarbeit vergleicht die Satellitensysteme der Haushaltsproduktion, als Methode zu deren Bewertung. Die zu Grunde liegenden Bewertungskonzepte wurden analysiert, gegenübergestellt und anhand der angewandten Methoden in den einzelnen Berechnungsschritten miteinander verglichen. Darüber hinaus wurde ein einheitliches Bewertungskonzept entwickelt, so dass nach einer Neuberechnung die Ergebnisse für beide Länder vergleichbar wurden.

Die Diplomarbeit von Dipl.-Ing. (FH) Andrea Sauter (Hochschule Albstadt-Sigmaringen) widmete sich einer Untersuchung zur Lagerung von Lebensmitteln in privaten Haushalten. Dazu wurden die Methoden Interview und Beobachtung miteinander kombiniert um einen speziellen Augenmerk auf die Lagerung von offenen, frischen und leicht verderblichen Lebensmitteln bzw. Lebensmittel aus geöffneter Verpackung zu werfen. Hierzu wurde die Platzierung bzw. Lagerung der Lebensmittel im Kühlschrank untersucht. Die Befragung zeigte Wissensdefizite auf, das praktische Verhalten war jedoch tendenziell besser. Besonderes Interesse erregten die durch Fotos dokumentierten Fallbeispiele in anschaulicher Weise: Positive wie auch Negative Exempel verdeutlichten die Brisanz der Thematik.

Nach der Thematik im kühlen Bereich der Haushaltstechnik diskutierten die Teilnehmer intelligente Gartechnologien. Hierzu erläuterte Dipl. oec. troph. Wolfgang Schmidberger seine theoretischen Überlegungen zur Übertragbarkeit des Konzeptes der Intelligenz von Mensch auf die Maschine, um weiterhin im praktischen Teil konkrete Lösungen zu erarbeiten, wie logische Entscheidungsprozesse bei der thermischen Speisenbereitung von Gargeräten selbst übernommen werden können. Auch wenn Haushaltsgeräte der Zukunft intelligent wirken, kann Ihnen keine echte künstliche Intelligenz zugewiesen werden, jedoch tragen autonome Regelsysteme dazu bei Nährstoffe zu schonen, den Energiebedarf zu senken und den Menschen im Haushalt zu unterstützen.

Auch der nächste Beitrag von M. Sc. Andrea Bieberstein von der Universität Kiel widmete sich der Ernährung: geschlechtspezifische Unterschiede im Konsumverhalten von Lebensmittel. Verschiedene Ansätze zur Thematik mit einem Fokus auf Unterschieden in Risikowahrnehmung und Risikoakzeptanz wurden vorgestellt, um mögliche Erklärungsansätze zu liefern. In der Literatur auffindbare Hypothesen wurden vorgestellt und kritisch beleuchtet, um Stärken und Schwächen der Konsum- bzw. Risikoforschung bezüglich der Untersuchung geschlechtspezifischer Unterschiede zu herauszustellen.

Der letzte Beitrag am Freitag handelte ebenfalls von Lebensmitteln, und zwar von deren Einkauf im Internet. Ulrike Graf, Susan Manz und Claudia Schütz von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften berücksichtigten bei ihrer Untersuchung besonders die Benutzergruppe der Senioren. Dazu wurden qualitative Interviews mit Online-Shopping-Anbietern von Lebensmitteln sowie der Benutzergruppe der Senioren durchgeführt. Die Anbieterseite zeigte geringes Interesse an der Erschließung des Marktes für Senioren. Auf der Seite der Senioren lag die Akzeptanz auch auf einem geringen Niveau. Als Gründe hierfür wurden neben Sicherheitsbedenken der Senioren besonders auch die soziale Interaktion beim Einkauf hervorgehoben.

Der zweite Tag des Kolloquiums, traditionell der Samstag, begann mit dem Vortrag von Dipl. oec. soc. Stefanie Heyer von der Universität Hohenheim. Mit Hilfe haushaltsökonomischer Konzepte sollten Erklärungsansätze für die Produktion von Gesundheit im Familienzusammenhang geliefert werden. Austauschprozesse im Haushalt und dessen familiären Zusammenhang wird ein Einfluss auf die Gesundheit zugeschrieben. Hierzu wurden vier ökonomische Modelle erläutert, welche die Betrachtung von Gesundheit als Teil eines individuellen Humankapitals betrachten, welcher durch die Haushaltsmitglieder beeinflusst wird.

Das Thema der privaten Altersvorsorge bei jungen Akademikern und die Einflussfaktoren für die Auseinandersetzung damit erläuterte M. Sc. Alena Schuster von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. In der an der TU München entstandene Forschungsarbeit wurden problemzentrierte Interviews mit Berufseinsteigern und jungen Berufstätigen geführt. Es sollte der Stellenwert privater Altersvorsorge herausgestellt sowie Faktoren zur Beschäftigung mit der Thematik und zum tatsächlichen Ergreifen konkreter Maßnahmen eine Rolle spielen, ermittelt werden. Es wurde herausgefunden, dass die finanziellen Mittel oft fehlen, obschon Problembewusstsein vorhanden ist.

Der letzte Beitrag des Kolloquiums 2007 handelte von Chancen zur Verbesserung der Berufssituation von Frauen in Guatemala durch hauswirtschaftliche Weiterbildung. Dipl. oec. troph. (FH) Christine Bach hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Fachhochschule Münster in Zusammenarbeit mit einer guatemaltekischen Radioschule ein Konzept zur Entwicklung von Studienmodulen im Bereich Hauswirtschaft und Ernährung erstellt. Diese Module sind an Lernsituationen des hauswirtschaftlich beruflichen Alltag angepasst und beinhalten die Berufsfelder "Küche und Service", "Reinigung und Textil" sowie "Betreuung". Teilnehmerinnen wird so die Möglichkeit geboten fachliche Kompetenz, Selbstvertrauen, Lern- und Entscheidungsfähigkeit sowie Teamfähigkeit zu erwerben.

Ebenso wieder mit im Programm waren Berufsfeldvorträge durch zwei erfahrene Mitglieder des JUNGEN FORUMS, wodurch den Teilnehmenden ein Eindruck skizziert wurde, wie die Praxis von Absolventen aussehen kann: Dr. Pia Köhler vom baden-württembergischen Ministerium für Ernährung und ländlichen Raum erläuterte ihren Werdegang und ihre Tätigkeitsfelder, ebenso wie Helge Hüllen von der JOMO GV Beratungs - und Software GmbH & Co. KG.

Einen Schwerpunkt der Mitgliederversammlung des Beirates JUNGES FORUM stellten die Vorbereitungen zum Welthauswirtschaftskongresses an welchem sich das JUNGE FORUM mit der Organisation einer Pre-Kongress-Tour für jüngere Teilnehmer in den Kongress beteiligen wird. Weiterhin stand die Planung der Aktivitäten für das nächste Jahr auf der Tagesordnung.

Stefan Wahlen
Markus Draaken
(Vorstandsmitglieder Junges Forum)

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