Junges Forum - Beirat für Nachwuchsarbeit in der dgh
Kolloquium 2005
13. Kolloquium des Jungen Forums
Teilnehmerrekord beim 13. Kolloquium des Jungen Forums
mit dem Thema Ökotrophologen in Bildung und Forschung
Mit über 40 Teilnehmer war das 13. Kolloquium des Jungen Forums das in den letzten Jahren erfolgreichste Kolloquium. Großes Interesse bestand vor allem an den berufsbezogenen Themen und der Tätigkeit im Schuldienst und Verwaltungsdienst. Zudem wurden 5 ausgewählte Arbeiten aus dem 2. »Call for Paper« präsentiert.
Das Schwerpunktthema »Ökotrophologen in der Bildung« war eindeutig der Publikumsmagnet der diesjährigen Veranstaltung. Zunächst stellte Frau Dr. Krebs, Geschäftsführerin des VDOe allgemein verschiedene Tätigkeitsfelder für Ökotrophologen vor, wie beispielsweise Wissenstransfer und Weiterbildung, Qualitätsmanagement und Produktentwicklung oder auch Selbstständige Tätigkeiten. Bei der letzten Mitgliederbefragung dominierten die Bereiche Information und Beratung, Lehrtätigkeit und Öffentlichkeitsarbeit/PR mit den Arbeitgebern Fachhochschule/Universität, Lebensmittelindustrie und Pharmaindustrie. Sehr interessant waren die Zahl über die jährlichen Abschlüsse im Bereich Ökotrophologie. So schließen bisher ca. 400 Studierende jährlich ein FH-Studium und ca. 370 Studierende jährlich ein Uni-Studium (Diplom oder Master) in diesem Bereich ab. Der VDOe geht davon aus, dass die Summe der Abschlüsse sich in den nächsten Jahren auf ca. 1000 erhöht. Demgegenüber stehen 2004 ca. 1000 Stellenangebote in der Stellen-Infothek des VDOe. Dabei ist in den letzten Jahren der Anteil der Stellen im Bereich der Pharmaindustrie (rund 150) zugunsten der Lebensmittelindustrie (knapp 300) zurückgegangen. Insgesamt sieht der Arbeitsmarkt für Ökotrophologen recht gut aus, wenn die Arbeitssuchenden räumlich flexibel sind und sich auch in Arbeitsfelder außerhalb der Ernährungsberatung und Ernährungsforschung einarbeiten wollen.
Im Rahmen des Schwerpunktthemas Bildung stellte Herr Dr. Mäueler vom 1957 gegründeten Landesinstitut für Landwirtschaftspädagogik in Bonn die Ausbildung für den höheren agrarwirtschaftlichen Dienst in NRW vor. Ökotrophologen und Agrarwissenschaftler können sich durch dieses zweijährige Referendariat sowohl für den Schuldienst in Fachschulen und Berufskollegs als auch für den höheren agrarwirtschaftlichen Dienst qualifizieren. Die Ausbildung gliedert sich in vier Abschnitte: Pädagogische Grundlagen, Schulprakitsche Ausbildung, Recht und Verwaltung sowie ein Wahlbereich zur vertiefenden Ausbildung z.B. in Hauswirtschaft, Ernährung und Verbraucherfragen. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit der großen Agrarwissenschaftlichen Staatsprüfung. Voraussetzungen für diese Ausbildung ist neben dem Diplom der Nachweis einer praktischen Tätigkeit, im Regelfall durch eine mindestens einjähriges landwirtschaftliches, gartenbauliches oder hauswirtschaftliches Praktikum mit Praktikantenprüfung. Auf Antrag können aber auch Berufsausbildungen anerkannt werden. Die Ausbildung beginnt jeweils am 1. April und 1. Oktober. Der Bewerbungsschluss ist jeweils drei Monate vorher. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite:
http://www.studienseminare-berufskolleg.nrw.de/BO/.
Theresia Jansen von der Arbeitsagentur Bonn stellte neben dem klassischen Lehrerberuf viele weitere Arbeitsmöglichkeiten in der Bildung vor. Dazu gehören die Lehrtätigkeiten an Universität und Fachhochschulen sowie an Schullandheimen. Weiterhin bieten auch die verschiedensten Fortbildungsakademien wie z.B. die Sparkassenakademie Arbeitsmöglichkeiten im Bereich der Bildung. Daneben fällt im weitesten Sinne unter diesen Bereich auch die Tätigkeit als Referent für Bioläden, Energieversorgungsunternehmen, Verbände, Gesundheitsämter sowie Kur- und Reha-Kliniken. Wichtig war der Referentin, dass auch kleine Jobs und Praktika während des Studiums als Berufserfahrungen zu werten sind und diese auch in einer Bewerbung Erwähnung finden sollten.
Abgeschlossen wurde das Schwerpunkthema durch zwei Erfahrungsberichte und die anschließende Diskussion. Julia Spekowius berichtete von ihren Erfahrungen nach dem Lehramtsstudium der Haushaltswissenschaften an der Universität Münster. Obwohl sie bereits während ihres Studiums sowohl ein Blockpraktikum als auch während eines Semesters je einen Tag in der Woche in einer Schule hospitiert hatte, empfand Sie das Referendariat an einer Realschule als Sprung ins kalte Wasser. Die Ausbildung im Referendariat ist in NRW in der Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Zweiten Staatsprüfung für Lehrämter an Schulen – OVP geregelt. Danach gliedert sich die Ausbildung in 12 Schulstunden Unterricht pro Woche in der Schule und 7 Stunden im Haupt- und Fachseminar. Die 12 Stunden an der Schule gestalten sich zunächst aus hospitieren, im Sinne von zuhören und beobachten, und später dann aus Unterricht unter Anleitung einer Lehrkraft. Ab dem 2. Halbjahr steht der bedarfsdeckenden Unterricht (bdU) im Rahmen von 6 bis 9 Stunden im Vordergrund, d.h. selbständigem und eigenverantwortlichem Unterricht. Jutta Pechan über den Weg als Seiteneinsteigerin an einem Berufskolleg. Seiteneinsteiger absolvieren eine zweijährigen berufsbegleitender Vorbereitungsdienst, in der sie einmal wöchentlich an Haupt- und Fachseminaren für Referendare teilnehmen sowie eigenständig 18,5 bzw. 21 Schulstunden Unterricht pro Woche erteilen. Jutta Pechan wies dabei insbesondere auf das spezielle Klientel der Schüler an einem Berufskolleg hin, dazu gehören neben beispielsweise Auszubildenden als Bäcker, Fleischer, Köche, Hotel- und Restaurantfachleute auch Jugendliche im Berufsgrundschuljahr (BG) oder die Klassen der Jugendlichen ohne Ausbildung (JA). Viele Jugendliche haben einen Migrationshintergrund, Probleme mit der Sprache, Lese-, Schreib- und Rechenprobleme, und zudem meist keine Motivation und häufige Fehlzeiten. Beide Berichterstatterinnen waren sich in dem Hinweis einig, dass Interessierte an dem Lehrerberuf, auf jeden Fall vorher in einer Schule im Unterricht hospitieren sollten, um sich keine falschen Vorstellungen über den Schulalltag zu machen. Dazu kann man einfach in einer Schule fragen, zum Beispiel bei den Ausbildungskoordinatoren (AKO) für Referendare.
Eine der Arbeiten aus dem »2. Call for Paper« beschäftigte sich in passender Weise mit der beruflichen Situation von Kieler Ökotrophologen. Carsten Haarhaus, Universität Kiel, präsentierte die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung der Absolventen der Jahrgänge 1991 bis 2001. Bei der Auswertung der 274 Antworten (was einer Rücklaufquote von 54,6 % entspricht) zeigt sich, dass 80 % der Absolventen zum Zeitpunkt der Befragung berufstätig waren. Während der beruflichen Integrationsphase finden 54% nach 3 Monaten und 79% nach 6 Monaten eine Beschäftigung. Interessant sind die Ergebnisse bezüglich der Stellenfindung, so haben 45 % ihre Stellen durch Initiativbewerbungen oder Antworten auf Stellenanzeigen gefunden, ca. 30 % durch Kontakte oder Beziehungen, 10 % durch Tätigkeiten vor und während des Studiums und 7 % durch Vermittlung durch die Bundesagentur für Arbeit oder durch Dozenten. Zudem war vielfach eine Entwicklung von der ersten Stelle nach dem Studium und der aktuellen Stelle in Hinsicht auf eine Steigerung der Zufriedenheit festzustellen. Im Verlauf der ersten Stelle nach Studien-Ende zur aktuellen Stelle war vielfach eine Steigerung der beruflichen Zufriedenheit festzustellen. Diese zeigte sich bei den Absolventen der wirtschaftlichen Fachrichtung und bei den männlichen Absolventen stärker. Die durchschnittliche Entlohnung für die aktuelle Vollzeit-Tätigkeit betrug 43.900 € pro Jahr, allerdings bestand zwischen den Fachrichtungen Ernährungswissenschaft (41.700 € pro Jahr) und Haushalts-/ Ernährungsökonomik (47.600 € pro Jahr) ein signifikanter Unterschied (p<0,05).
Die Kollegen Monika Albrecht und Wolfgang Schmidberger der Hochschule Wädenswil aus der Schweiz stellten die ersten Erfahrungen mit dem E-Learning-Projekt Bapoly (Basic Principes of Oecotrophology) vor. Initiiert wurde das Projekt im Rahmen eines nationalen Förderprogramms. Dabei arbeiten drei Hochschulen unter der Leitung der Hochschule Wädenswil zusammen, um hauswirtschaftliche Inhalte internetgestützt zu unterrichten. Die vorgestellten Ergebnisse beziehen sich auf den Online-Kurs »Nichttextile Werkstoffkunde« durch den etwa 30 Lektionen Präsenzunterricht ersetzt werden. Die Evaluierung der durchgeführten Kurse diente in erster Line der Verbesserung des Angebots. Als Datenquelle standen einerseits die Ergebnisse einer Befragung vor und nach dem Online-Kurs zur Verfügung andererseits konnten verschiedenste Daten wie Anzahl der Zugänge und Zugriffe, Anzahl der besuchten Seiten usw. mit Hilfe der verwendeten Internetplattform anonymisiert ausgewertet werden. Aufgrund der Ergebnisse der Evaluierung konnte festgestellt werden, dass eine intensivere Betreuung der Studierenden während der Einführungsphase und in der Zeit der Online-Nutzung notwendig ist. Auch wurde das System des Leistungsnachweises von einer Abschlussprüfung zu einem Punktesystem angepasst, bei dem im Verlauf des Kurses durch Beiträge, Übungsaufgaben und ähnliches Punkte verteilt wurden. Ein positiver Nebeneffekt war, dass den Studierenden die Bedeutung und der Vorteil von Präsenzunterricht deutlich wurde und sie diesen auch in anderen Fächern besser zu schätzten wussten. Ingesamt stellten beide Referenten fest, dass ein erfolgreicher Online-Kurs einen hohen Aufwand für Betreuung und Feedback bedeutet. Der Arbeitsaufwand verschiebt sich von der Vorbereitung hin zur Betreuung. Die Anforderungen welche an Dozierende gestellt werden sind äußerst komplex und dürfen nicht unterschätzt werden, die Möglichkeit Personal einzusparen konnte nicht bestätigt werden.
Am 2. Veranstaltungstag wurden weitere ausgewählte Arbeiten aus dem »Call for Paper« präsentiert. Zunächst präsentierte die Autorin selbst Ergebnisse ihrer Arbeit zum Thema Wirtschaftliche Wirkungen von öffentlichen Förderprogrammen für Existenz- und Unternehmensgründen in Deutschland. Schwerpunkt der Arbeit war ein systematischer Review mit dem die Ergebnisse vorliegender Studien zu diesem Thema nach einem systematischen Schema zusammengefasst wurden und so ein Überblick über die Wirkungen von öffentlichen Fördermaßnahmen gegeben werden konnte. Hingewiesen wurde dabei auf die Problematik der Zuordnung von festgestellten Veränderungen (z.B. die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze) zu einer Ursache (z.B. Gründungsförderung). Um die Förderwirkung zu ermitteln wurde deshalb der Indikator, z.B. Arbeitsplätze zwischen geförderten Gründern und Gründern allgemein verglichen. Die Differenz stellt die mögliche Förderwirkung dar. Diese liegt für den Indikator Arbeitsplätze bei 3 bis 4 Beschäftigten vier Jahre nach der Gründung.
Christine Volk-Uhlmann von der Universität Hohenheim stellte Neue Erkenntnisse bezüglich der Determinanten der Lebensmittelausgaben privater Haushalte auf Basis des Sozio-Ökonomischen Panels vor. Neben dem Einkommen (Engel'sches Gesetz) werden die Lebensmittelausgaben laut Literatur vor allem durch persönliche Präferenzen beeinflusst. Ziel der Arbeit ist es, Variablen zu ermitteln, die Einfluss auf diese Präferenzen haben. Als Datenbasis für diese Untersuchung dient das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP), da es neben den Ausgaben für Lebensmittel sowohl Einstellungs- und Verhaltensvariablen wie auch Daten über den Haushalt enthält. Zur Analyse wurden die Haushaltstypen in zwei Gruppen aufgeteilt, zum einen die Alleinerziehenden und Single-Haushalte und zum anderen die Paare ohne und mit Kindern. Für beide Gruppen wurde eine Korrelations- bzw. eine einfache Regressionsanalyse durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass bei beiden Gruppen ein signifikanter Einfluss auf die Lebensmittelausgaben bei den Variablen Alter und Anzahl der Kinder besteht. Ein relativ geringer negativer Einfluss hat bei den Single-Haushalten auch das Vorhandensein eines Haustieres. Aufgrund der Multikollinearität vieler Faktoren wurde im nächsten Schritt eine Faktorenanalyse durchgeführt. Dabei konnte beispielsweise festgestellt werden, dass der Gesundheitsstatus negativ mit dem Budgetanteil für Lebensmittelausgaben korreliert. Im Fazit stellte die Referentin fest, dass das Sozio-Ökonomische Panel zwar kein Ersatz für die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe als Datenbasis ist, aber eine wichtige Ergänzung darstellt, die ein tiefergehendes Verständnis der Determinanten von Lebensmittelausgaben erlaubt.
Abschließend erläuterte Sarah Ihne, Universität Bonn, die Frage ob total organic carbon (TOC, organischer Gesamtkohlenstoff) zur Bestimmung von Reinigerrückständen in Geschirrspülprozessen geeignet ist. Ziel dieser Forschungsfrage war es, einen einfachen und günstigen Indikator zur Bestimmung von Reinigerrückständen auf gespültem Geschirr zu ermitteln. Die bisherige Methode der Messung von Tensidrückständen auf Oberflächen ist sehr aufwendig und teuer. Der kostengünstig zu bestimmende Indikator TOC wurde unter der Annahme gewählt, dass je höher der Gehalt an TOC im letzten Spülwasser ist, umso höher ist die Menge an Tensidrückständen auf der Geschirroberfläche. In Versuchen wurden Wasserproben zur Bestimmung des TOC in mehreren Durchläufen in 2 Maschinen mit jeweils drei unterschiedlichen Programmen und mit standardisierten Reinigern, Klarspülern und Verschmutzungen genommen. Parallel wurden die Tensid-Rückstände auf dem gespülten Geschirr gemessen. Als Ergebnis musste festgestellt werden, dass zwischen den beiden Messgrößen keine Korrelation bestand, so dass TOC sich nicht als Indikator zur Bestimmung von Reinigerrückständen in Geschirrspülprozessen eignet. Allerdings können anhand von TOC-Messungen Spülprozesse charakterisiert werden, wie beispielsweise die Untersuchung des carry-over-Effektes bei Mehrfunktionsprodukten (beispielsweise Reiniger und Klarspüler in einem Tab).
In der Mitgliederversammlung des Jungen Forums wurde beschlossen, dass das Junge Forum eine eigene wissenschaftliche Reihe herausbringen wird, um die ausgewählten Arbeiten des »Call for Paper« der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Reihe wird voraussichtlich ab 2006 einmal jährlich im DIN A5 Format erscheinen.
Dr. Stefanie Pesch, Vorstandsmitglied Junges Forum
Teilnehmerrekord beim 13. Kolloquium des Jungen Forums
mit dem Thema Ökotrophologen in Bildung und Forschung
Mit über 40 Teilnehmer war das 13. Kolloquium des Jungen Forums das in den letzten Jahren erfolgreichste Kolloquium. Großes Interesse bestand vor allem an den berufsbezogenen Themen und der Tätigkeit im Schuldienst und Verwaltungsdienst. Zudem wurden 5 ausgewählte Arbeiten aus dem 2. »Call for Paper« präsentiert.
Das Schwerpunktthema »Ökotrophologen in der Bildung« war eindeutig der Publikumsmagnet der diesjährigen Veranstaltung. Zunächst stellte Frau Dr. Krebs, Geschäftsführerin des VDOe allgemein verschiedene Tätigkeitsfelder für Ökotrophologen vor, wie beispielsweise Wissenstransfer und Weiterbildung, Qualitätsmanagement und Produktentwicklung oder auch Selbstständige Tätigkeiten. Bei der letzten Mitgliederbefragung dominierten die Bereiche Information und Beratung, Lehrtätigkeit und Öffentlichkeitsarbeit/PR mit den Arbeitgebern Fachhochschule/Universität, Lebensmittelindustrie und Pharmaindustrie. Sehr interessant waren die Zahl über die jährlichen Abschlüsse im Bereich Ökotrophologie. So schließen bisher ca. 400 Studierende jährlich ein FH-Studium und ca. 370 Studierende jährlich ein Uni-Studium (Diplom oder Master) in diesem Bereich ab. Der VDOe geht davon aus, dass die Summe der Abschlüsse sich in den nächsten Jahren auf ca. 1000 erhöht. Demgegenüber stehen 2004 ca. 1000 Stellenangebote in der Stellen-Infothek des VDOe. Dabei ist in den letzten Jahren der Anteil der Stellen im Bereich der Pharmaindustrie (rund 150) zugunsten der Lebensmittelindustrie (knapp 300) zurückgegangen. Insgesamt sieht der Arbeitsmarkt für Ökotrophologen recht gut aus, wenn die Arbeitssuchenden räumlich flexibel sind und sich auch in Arbeitsfelder außerhalb der Ernährungsberatung und Ernährungsforschung einarbeiten wollen.
Im Rahmen des Schwerpunktthemas Bildung stellte Herr Dr. Mäueler vom 1957 gegründeten Landesinstitut für Landwirtschaftspädagogik in Bonn die Ausbildung für den höheren agrarwirtschaftlichen Dienst in NRW vor. Ökotrophologen und Agrarwissenschaftler können sich durch dieses zweijährige Referendariat sowohl für den Schuldienst in Fachschulen und Berufskollegs als auch für den höheren agrarwirtschaftlichen Dienst qualifizieren. Die Ausbildung gliedert sich in vier Abschnitte: Pädagogische Grundlagen, Schulprakitsche Ausbildung, Recht und Verwaltung sowie ein Wahlbereich zur vertiefenden Ausbildung z.B. in Hauswirtschaft, Ernährung und Verbraucherfragen. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit der großen Agrarwissenschaftlichen Staatsprüfung. Voraussetzungen für diese Ausbildung ist neben dem Diplom der Nachweis einer praktischen Tätigkeit, im Regelfall durch eine mindestens einjähriges landwirtschaftliches, gartenbauliches oder hauswirtschaftliches Praktikum mit Praktikantenprüfung. Auf Antrag können aber auch Berufsausbildungen anerkannt werden. Die Ausbildung beginnt jeweils am 1. April und 1. Oktober. Der Bewerbungsschluss ist jeweils drei Monate vorher. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite:
Theresia Jansen von der Arbeitsagentur Bonn stellte neben dem klassischen Lehrerberuf viele weitere Arbeitsmöglichkeiten in der Bildung vor. Dazu gehören die Lehrtätigkeiten an Universität und Fachhochschulen sowie an Schullandheimen. Weiterhin bieten auch die verschiedensten Fortbildungsakademien wie z.B. die Sparkassenakademie Arbeitsmöglichkeiten im Bereich der Bildung. Daneben fällt im weitesten Sinne unter diesen Bereich auch die Tätigkeit als Referent für Bioläden, Energieversorgungsunternehmen, Verbände, Gesundheitsämter sowie Kur- und Reha-Kliniken. Wichtig war der Referentin, dass auch kleine Jobs und Praktika während des Studiums als Berufserfahrungen zu werten sind und diese auch in einer Bewerbung Erwähnung finden sollten.
Abgeschlossen wurde das Schwerpunkthema durch zwei Erfahrungsberichte und die anschließende Diskussion. Julia Spekowius berichtete von ihren Erfahrungen nach dem Lehramtsstudium der Haushaltswissenschaften an der Universität Münster. Obwohl sie bereits während ihres Studiums sowohl ein Blockpraktikum als auch während eines Semesters je einen Tag in der Woche in einer Schule hospitiert hatte, empfand Sie das Referendariat an einer Realschule als Sprung ins kalte Wasser. Die Ausbildung im Referendariat ist in NRW in der Ordnung des Vorbereitungsdienstes und der Zweiten Staatsprüfung für Lehrämter an Schulen – OVP geregelt. Danach gliedert sich die Ausbildung in 12 Schulstunden Unterricht pro Woche in der Schule und 7 Stunden im Haupt- und Fachseminar. Die 12 Stunden an der Schule gestalten sich zunächst aus hospitieren, im Sinne von zuhören und beobachten, und später dann aus Unterricht unter Anleitung einer Lehrkraft. Ab dem 2. Halbjahr steht der bedarfsdeckenden Unterricht (bdU) im Rahmen von 6 bis 9 Stunden im Vordergrund, d.h. selbständigem und eigenverantwortlichem Unterricht. Jutta Pechan über den Weg als Seiteneinsteigerin an einem Berufskolleg. Seiteneinsteiger absolvieren eine zweijährigen berufsbegleitender Vorbereitungsdienst, in der sie einmal wöchentlich an Haupt- und Fachseminaren für Referendare teilnehmen sowie eigenständig 18,5 bzw. 21 Schulstunden Unterricht pro Woche erteilen. Jutta Pechan wies dabei insbesondere auf das spezielle Klientel der Schüler an einem Berufskolleg hin, dazu gehören neben beispielsweise Auszubildenden als Bäcker, Fleischer, Köche, Hotel- und Restaurantfachleute auch Jugendliche im Berufsgrundschuljahr (BG) oder die Klassen der Jugendlichen ohne Ausbildung (JA). Viele Jugendliche haben einen Migrationshintergrund, Probleme mit der Sprache, Lese-, Schreib- und Rechenprobleme, und zudem meist keine Motivation und häufige Fehlzeiten. Beide Berichterstatterinnen waren sich in dem Hinweis einig, dass Interessierte an dem Lehrerberuf, auf jeden Fall vorher in einer Schule im Unterricht hospitieren sollten, um sich keine falschen Vorstellungen über den Schulalltag zu machen. Dazu kann man einfach in einer Schule fragen, zum Beispiel bei den Ausbildungskoordinatoren (AKO) für Referendare.
Eine der Arbeiten aus dem »2. Call for Paper« beschäftigte sich in passender Weise mit der beruflichen Situation von Kieler Ökotrophologen. Carsten Haarhaus, Universität Kiel, präsentierte die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung der Absolventen der Jahrgänge 1991 bis 2001. Bei der Auswertung der 274 Antworten (was einer Rücklaufquote von 54,6 % entspricht) zeigt sich, dass 80 % der Absolventen zum Zeitpunkt der Befragung berufstätig waren. Während der beruflichen Integrationsphase finden 54% nach 3 Monaten und 79% nach 6 Monaten eine Beschäftigung. Interessant sind die Ergebnisse bezüglich der Stellenfindung, so haben 45 % ihre Stellen durch Initiativbewerbungen oder Antworten auf Stellenanzeigen gefunden, ca. 30 % durch Kontakte oder Beziehungen, 10 % durch Tätigkeiten vor und während des Studiums und 7 % durch Vermittlung durch die Bundesagentur für Arbeit oder durch Dozenten. Zudem war vielfach eine Entwicklung von der ersten Stelle nach dem Studium und der aktuellen Stelle in Hinsicht auf eine Steigerung der Zufriedenheit festzustellen. Im Verlauf der ersten Stelle nach Studien-Ende zur aktuellen Stelle war vielfach eine Steigerung der beruflichen Zufriedenheit festzustellen. Diese zeigte sich bei den Absolventen der wirtschaftlichen Fachrichtung und bei den männlichen Absolventen stärker. Die durchschnittliche Entlohnung für die aktuelle Vollzeit-Tätigkeit betrug 43.900 € pro Jahr, allerdings bestand zwischen den Fachrichtungen Ernährungswissenschaft (41.700 € pro Jahr) und Haushalts-/ Ernährungsökonomik (47.600 € pro Jahr) ein signifikanter Unterschied (p<0,05).
Die Kollegen Monika Albrecht und Wolfgang Schmidberger der Hochschule Wädenswil aus der Schweiz stellten die ersten Erfahrungen mit dem E-Learning-Projekt Bapoly (Basic Principes of Oecotrophology) vor. Initiiert wurde das Projekt im Rahmen eines nationalen Förderprogramms. Dabei arbeiten drei Hochschulen unter der Leitung der Hochschule Wädenswil zusammen, um hauswirtschaftliche Inhalte internetgestützt zu unterrichten. Die vorgestellten Ergebnisse beziehen sich auf den Online-Kurs »Nichttextile Werkstoffkunde« durch den etwa 30 Lektionen Präsenzunterricht ersetzt werden. Die Evaluierung der durchgeführten Kurse diente in erster Line der Verbesserung des Angebots. Als Datenquelle standen einerseits die Ergebnisse einer Befragung vor und nach dem Online-Kurs zur Verfügung andererseits konnten verschiedenste Daten wie Anzahl der Zugänge und Zugriffe, Anzahl der besuchten Seiten usw. mit Hilfe der verwendeten Internetplattform anonymisiert ausgewertet werden. Aufgrund der Ergebnisse der Evaluierung konnte festgestellt werden, dass eine intensivere Betreuung der Studierenden während der Einführungsphase und in der Zeit der Online-Nutzung notwendig ist. Auch wurde das System des Leistungsnachweises von einer Abschlussprüfung zu einem Punktesystem angepasst, bei dem im Verlauf des Kurses durch Beiträge, Übungsaufgaben und ähnliches Punkte verteilt wurden. Ein positiver Nebeneffekt war, dass den Studierenden die Bedeutung und der Vorteil von Präsenzunterricht deutlich wurde und sie diesen auch in anderen Fächern besser zu schätzten wussten. Ingesamt stellten beide Referenten fest, dass ein erfolgreicher Online-Kurs einen hohen Aufwand für Betreuung und Feedback bedeutet. Der Arbeitsaufwand verschiebt sich von der Vorbereitung hin zur Betreuung. Die Anforderungen welche an Dozierende gestellt werden sind äußerst komplex und dürfen nicht unterschätzt werden, die Möglichkeit Personal einzusparen konnte nicht bestätigt werden.
Am 2. Veranstaltungstag wurden weitere ausgewählte Arbeiten aus dem »Call for Paper« präsentiert. Zunächst präsentierte die Autorin selbst Ergebnisse ihrer Arbeit zum Thema Wirtschaftliche Wirkungen von öffentlichen Förderprogrammen für Existenz- und Unternehmensgründen in Deutschland. Schwerpunkt der Arbeit war ein systematischer Review mit dem die Ergebnisse vorliegender Studien zu diesem Thema nach einem systematischen Schema zusammengefasst wurden und so ein Überblick über die Wirkungen von öffentlichen Fördermaßnahmen gegeben werden konnte. Hingewiesen wurde dabei auf die Problematik der Zuordnung von festgestellten Veränderungen (z.B. die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze) zu einer Ursache (z.B. Gründungsförderung). Um die Förderwirkung zu ermitteln wurde deshalb der Indikator, z.B. Arbeitsplätze zwischen geförderten Gründern und Gründern allgemein verglichen. Die Differenz stellt die mögliche Förderwirkung dar. Diese liegt für den Indikator Arbeitsplätze bei 3 bis 4 Beschäftigten vier Jahre nach der Gründung.
Christine Volk-Uhlmann von der Universität Hohenheim stellte Neue Erkenntnisse bezüglich der Determinanten der Lebensmittelausgaben privater Haushalte auf Basis des Sozio-Ökonomischen Panels vor. Neben dem Einkommen (Engel'sches Gesetz) werden die Lebensmittelausgaben laut Literatur vor allem durch persönliche Präferenzen beeinflusst. Ziel der Arbeit ist es, Variablen zu ermitteln, die Einfluss auf diese Präferenzen haben. Als Datenbasis für diese Untersuchung dient das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP), da es neben den Ausgaben für Lebensmittel sowohl Einstellungs- und Verhaltensvariablen wie auch Daten über den Haushalt enthält. Zur Analyse wurden die Haushaltstypen in zwei Gruppen aufgeteilt, zum einen die Alleinerziehenden und Single-Haushalte und zum anderen die Paare ohne und mit Kindern. Für beide Gruppen wurde eine Korrelations- bzw. eine einfache Regressionsanalyse durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass bei beiden Gruppen ein signifikanter Einfluss auf die Lebensmittelausgaben bei den Variablen Alter und Anzahl der Kinder besteht. Ein relativ geringer negativer Einfluss hat bei den Single-Haushalten auch das Vorhandensein eines Haustieres. Aufgrund der Multikollinearität vieler Faktoren wurde im nächsten Schritt eine Faktorenanalyse durchgeführt. Dabei konnte beispielsweise festgestellt werden, dass der Gesundheitsstatus negativ mit dem Budgetanteil für Lebensmittelausgaben korreliert. Im Fazit stellte die Referentin fest, dass das Sozio-Ökonomische Panel zwar kein Ersatz für die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe als Datenbasis ist, aber eine wichtige Ergänzung darstellt, die ein tiefergehendes Verständnis der Determinanten von Lebensmittelausgaben erlaubt.
Abschließend erläuterte Sarah Ihne, Universität Bonn, die Frage ob total organic carbon (TOC, organischer Gesamtkohlenstoff) zur Bestimmung von Reinigerrückständen in Geschirrspülprozessen geeignet ist. Ziel dieser Forschungsfrage war es, einen einfachen und günstigen Indikator zur Bestimmung von Reinigerrückständen auf gespültem Geschirr zu ermitteln. Die bisherige Methode der Messung von Tensidrückständen auf Oberflächen ist sehr aufwendig und teuer. Der kostengünstig zu bestimmende Indikator TOC wurde unter der Annahme gewählt, dass je höher der Gehalt an TOC im letzten Spülwasser ist, umso höher ist die Menge an Tensidrückständen auf der Geschirroberfläche. In Versuchen wurden Wasserproben zur Bestimmung des TOC in mehreren Durchläufen in 2 Maschinen mit jeweils drei unterschiedlichen Programmen und mit standardisierten Reinigern, Klarspülern und Verschmutzungen genommen. Parallel wurden die Tensid-Rückstände auf dem gespülten Geschirr gemessen. Als Ergebnis musste festgestellt werden, dass zwischen den beiden Messgrößen keine Korrelation bestand, so dass TOC sich nicht als Indikator zur Bestimmung von Reinigerrückständen in Geschirrspülprozessen eignet. Allerdings können anhand von TOC-Messungen Spülprozesse charakterisiert werden, wie beispielsweise die Untersuchung des carry-over-Effektes bei Mehrfunktionsprodukten (beispielsweise Reiniger und Klarspüler in einem Tab).
In der Mitgliederversammlung des Jungen Forums wurde beschlossen, dass das Junge Forum eine eigene wissenschaftliche Reihe herausbringen wird, um die ausgewählten Arbeiten des »Call for Paper« der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Die Reihe wird voraussichtlich ab 2006 einmal jährlich im DIN A5 Format erscheinen.
Dr. Stefanie Pesch, Vorstandsmitglied Junges Forum
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