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Junges Forum - Beirat für Nachwuchsarbeit in der dgh

Kolloquium 2004

12. Kolloquium des Jungen Forums

Ergebnisse des ersten »Call for Paper«
Am 8. und 9. Oktober 2004 fand in Bonn das 12. Kolloquium des Jungen Forums der dgh statt, zu dem 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland und der Schweiz anreisten.


Schwerpunkt des Kolloquiums war dieses Jahr die Präsentation der Arbeiten aus dem 1. »Call for Paper« des Jungen Forum. Aus den zahlreichen Einsendungen wurden in einem Review-Prozess vier Arbeiten ausgewählt und am Freitag präsentiert.

Silke Mardorf von der Universität Gießen präsentierte die Methoden und Konzepte von Sozialberichterstattung in Form einer empirische Analyse kommunaler Armuts- und Sozialberichte. Ausgangspunkt für dieses Thema war die Erstellung des kommunalen Armutsberichtes für die Stadt Gießen. Als zentrale Probleme und Herausforderungen bei der Erstellung von kommunalen Armuts- und Sozialberichten stellte Silke Mardorf dabei mangelnde Standards, unzulängliche Datenquellen und unterschiedliche Planungsvorraussetzungen fest. Bei der Untersuchung der Methoden und Konzepte von Sozialberichterstattung wurden zunächst haushalts- und sozialwissenschaftlicher Theorien und Konzepte diskutiert darauf aufbauend erfolgte eine empirische Analyse kommunaler Armuts- und Sozialberichte, Abschließend fand eine Theorie-Praxis-Abgleich im Rahmen eines Workshops statt. Ziel war die Entwicklung eines idealtypischen, kommunalen Berichtskonzepts, das interdisziplinäre, theoretische Zugänge integriert und praktisch-sozialplanerischen Anforderungen genügt.

Im zweite Vortrag des Vormittags beschäftigte sich Margot Ringer (Universität Bonn) mit Wirtschafts-informationen aus dem Internet, die anhand der Fleischbranche vorgestellt und qualitativ beurteilt wurden. Hintergrund ist die Schwierigkeit für Unternehmen, die im Internet verfügbaren Informationen möglichst gewinnbringend und effizient zu nutzen. Im Rahmen der vorgestellten Arbeit erfolgt die qualitative Beurteilung anhand der drei Qualitätsdimensionen: anwendungsbezogene Qualität, innere Qualität sowie technische und rechtliche Qualität. Daraus wurden zehn Testkriterien abgeleitet und anhand eines Testbogens 70 Internetseiten von Informationsanbietern für die Fleischbranche getestet und beurteilt. Zusätzlich wurden fünf Expertengespräche geführt, um den von Experten der Fleischbranche subjektiv empfundenen Nutzen des Gebrauchs der Webseiten zu ermitteln. Insgesamt konnte bei der Untersuchung festgestellt werden, dass zeitlich kritische Informationen verstärkt per Internet verteilt werden, teilweise aber in passwort-geschützten Bereichen. Zudem stellt das Internet ein wichtiges Instrument bei der Suche nach Wirtschaftsinformationen und dem Informationsaustausches in der fleischverarbeitenden Branche dar.

Sarah Ihne, Universität Bonn, stellte eine im Auftrag des WDR für die Sendung »ServiceZeit KostProbe« erstellte vergleichende Untersuchung von Frischhalteboxen vor. Dabei wurden die Frischhaltefähigkeit von Kunststoffdosen unterschiedlicher Preiskategorien an Hand von verschiedenen Lebensmitteln, etwa Salat oder gekochten Nudeln unter definierten haushaltsnahen Bedingungen unabhängig voneinander untersucht. Neben dem Frischhaltevermögen wurden auch die Handhabung, Verfärbung und Geruchsannahme geprüft. Trotz der Preislagen zwischen 75 Cent und knapp 30 €, erzielten die Dosen in der Kategorie »Frischhaltefähigkeit gesamt« Ergebnisse zwischen der Note 2,1 bis 2,3. Bezüglich Verfärbung, Geruchsannahme und Handhabung (Öffnen und Schließen der Dosen) schnitten die verschiedenen Dosen jedoch sehr unterschiedlich ab.

Der Freitag schloss mit dem Vortrag von Pia Neumann von der Universität Dortmund ab. Sie stelle eine arbeitswissenschaftliche Studie zu Arbeitszeiten, Tätigkeitsprofilen und zur Arbeitsbelastung in privaten Haushalten vor. Im Rahmen der Studie wurde eine Arbeitsablaufanalyse durchgeführt, bei der die haushälterische Tätigkeit, die Körperstellung und das Tätigkeitselement erfasst wurden. Weiterhin wurde gleichzeitig die Herzfrequenz ermittelt sowie eine Datenermittlung mittels Fragebögen durchgeführt. Bei der Untersuchung zeigte sich für alle 30 Personen ein mittlerer Arbeitsumsatz bei der Hausarbeit von 5,9 kJ/ min. Der mittlere Arbeitspuls lag bei 24,7 1/min. In der Studie wurde weiterhin zwischen halbtags erwerbstätigen Frauen und Ganztagshausfrauen unterschieden. Insgesamt wurde festgestellt, dass körperliche Belastung und Beanspruchung in den letzten Jahrzehnten durch die Technisierung der Haushalte und eine veränderte Organisationsstruktur abgenommen haben, dabei muss aber berücksichtigt werden, dass der Arbeitstag einer Hausfrau in der Regel aus über 12 Stunden besteht, woraus grundsätzlich eine Belastung herrührt.

Abschließend wurden alle Vorträge angeregt diskutiert, insbesondere über die in den einzelnen Untersuchungen verwendeten Methoden. Der Vorstand des Jungen Forums bedankte sich für die rege Teilnahme am 1. »Call for Paper« und betonte die Qualität der eingereichten Beiträge. Als Anregung für die Teilnahme an weiteren »Call for Papers« wurde auf die Bedeutung der präzisen Darstellung der Ergebnisse und deren Diskussion in den Papers hingewiesen.

Im Anschluss an den ersten Tag des Kolloquiums fand die Mitgliederversammlung statt, an der acht Mitglieder teilnahmen. Hinzuweisen ist dabei auf die erfolgreiche Wiederwahl des Vorstands mit Konstantin von Normann, Stefanie Pesch und Angela Schulze-Horsel, die für die nächsten zwei Jahre im Amt bestätigt wurden.

Am zweiten Tag des Kolloquiums fanden zwei Veranstaltungen statt: zunächst ein Workshop zur Gestaltung des Forschungsprozesses für Diplom- und Doktorarbeiten der von Konstantin von Normann eingeführt und moderiert wurde und dann ein Austausch über die Entwicklungen an Standorten mit Studiengängen im Schnittpunkt Ökotrophologie der von Thomas Zängler mit einem zum Studiengang Consumer Science eingeleitet wurde.

Den Workshop zum Forschungsprozess leitete Dr. von Normann mit einem Schema zum Ablauf eines empirischen Forschungsprojektes nach Jürgen Friedrichs ein. Anhand dieses Schemas wurde der Forschungsprozess mit Entdeckungs-, Begründungs- und Verwendungszusammenhang vorgestellt und auf die besondere Stellung der Operationalisierung als zentrale Grundlage für die empirische Studie und für die logische Abfolge der Ergebnisdarstellung eingegangen.
In der anschließenden Diskussion zur Weiterentwicklung des bestehenden Angebotes im Bereich der empirischen Forschung wurden folgende Vorschläge gemacht:

* In modularisierten Studiengängen könnten Module zur wissenschaftlichen Arbeit eingebaut werden
* An den Standorten sollten eigenständige Institute für empirische Forschung entstehen
* Die Betreuung sollte noch stärker individuell erfolgen - hierzu sollten von den Lehrenden konkrete Vorschläge unterbreitet werden
* Angebote sollten über das ganze Studium oder zumindest über mehrere Semester verteilt werden
* Angebote sollten dann wahrgenommen werden können, wenn die Informationen gebraucht werden
* Der Forschungsprozess wird von den Studierenden initiiert und gesteuert
* dazu muss der Studierende auch Betreuung einfordern. Dies sollte den Studierenden schon im ersten Semester deutlich gemacht werden - Schwellenängste müssen abgebaut werden
* Ein Mentorenprogramm könnte dazu beitragen, dass Berührungsängste gar nicht erst entstehen und dass die Studierenden zielgerichteter und schneller arbeiten. Dies gilt sowohl für Diplomanden als auch für Doktoranden

Das Junge Forum spricht sich als Konsequenz des Workshop für eine intensivere und vor allem phasengerechte Ausbildung und Betreuung der Studierenden im Bereich der empirischen Forschung aus: in den ersten Semestern sind Kenntnisse zum Verstehen und Nachvollziehen von Studien Dritter nötig während zur Master- oder Diplomarbeit Kenntnisse in der Durchführung und Auswertung eigener Studien nötig sind. Zudem kann auch ein Mentorenprogramm bei dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Erfahrung in empirischer Forschung junge Studierende begleiten, hilfreich sein.

Thomas Zängler hat im zweiten Beitrag des Tages die Entwicklung des Masterstudiengangs Consumer Science (Verbraucherwissenschaft) an der TU München in Weihenstephan ausführlich vorgestellt. Consumer Science ist ein weltweit aufstrebendes Lehr- und Forschungsgebiet das in Deutschland jetzt erstmalig an der TU München eingeführt wurde. Dort haben zum Wintersemester 40 Studierende ihr Studium aufgenommen.
Die Studieninhalte sind im Einzelnen:

* wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen
* methodische Grundlagen der empirischen Sozialforschung
* Verbraucherverhalten
* Verbraucherpolitik (staatliche und nicht-staatliche)
* Konsumgütermarketing
* Nachhaltiger Konsum

Der Masterstudiengang Consumer Science ist nicht gebührenpflichtig. Es werden lediglich die Beiträge für das Studentenwerk und eine Verwaltungsgebühr erhoben. Zielgruppen des Masterstudiengangs sind Natur- und Ingenieurwissenschaftler (Univ./FH) mit einem (überdurchschnittlichen) Bachelor-, Diplom-, Magister- oder Master-Abschluss, die zusätzlich eine wirtschaftswissenschaftliche Qualifikation auf dem Gebiet der Consumer Science erwerben wollen. Diese Entwicklung wurde trotz Wehmut über das Ende der Ökotrophologie- Ausbildung begrüßt. Besonderen Erklärungs- und Diskussionsbedarf gab es bezüglich der Eignungsfeststellungsverfahren bei denen

* methodische Kompetenz (insbesondere Methoden wissenschaftlichen Arbeitens)
* inhaltliche Kompetenz vor allem auf dem Gebiet des Erststudiums und dessen Verknüpfung mit Consumer Science
* kommunikative Kompetenz (inkl. guten deutschen und englischen Sprachkenntnissen) und
* soziale Kompetenz

geprüft werden.

Hier zeigte sich, dass ein solches Verfahren starke subjektive Elemente enthält. Präzise, nachvollziehbare und allgemein anwendbare Vorgehensweisen würden das Verfahren transparenter machen und sein Akzeptanz erhöhen.

In der anschließenden Diskussion wurde von den Teilnehmern die Entwicklung an der TUM mit der Entwicklung am eigenen Standort kontrastiert. Während das Studium in Bonn noch modularisiert wird, haben Teilnehmer aus Gießen vom aktuell großen Zulauf berichtet und von der erfolgreichen Einführung des Bachelor in Ökotrophologie. Veränderungen hat es auch in Hohenheim gegeben. Die Haushaltswissenschaftler sind neben den Angeboten für wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge aktuell im Life Science Center, im Center of Entrepreneurship sowie im Masterstudiengang Agribusiness vertreten. Interessante Informationen gab es auch aus Wädenswil in der Schweiz: erstmals haben zwei Ökotrophologen aus Wädenswil am Kolloquium teilgenommen. An der dortigen Hochschule sind sie in der Abteilung Facility Management aktiv. Der gleichnamige multidisziplinäre Studiengang kombiniert:

* Wirtschaftswissenschaften
* Human- und Sozialwissenschaften
* Architektur und Ingenieurwissenschaften und
* Haushalt- und Ernährungswissenschaften (Ökotrophologie)

Im Studium sind die Vertiefungen Immobilien, Hospitality und Consumer Affairs wählbar. Neben einem Diplomstudiengang wird dort auch ein Bachelor eingeführt.
Die Diskussion hat abschließend ein weiteres Mal die Breite der bestehenden Angebote aber auch die Innovationsfähigkeit der Aktiven in unserem Studienfeld gezeigt.

Stefanie Pesch, Universität Bonn
Dr. Konstantin von Normann, Theodor Fliedner Stiftung

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