Junges Forum - Beirat für Nachwuchsarbeit in der dgh
Kolloquium 2001
9. Kolloquium mit Workshop
Am 9. Und 10. November fand in Bonn das 9. Kolloquium mit Workshop und Mitgliederversammlung des Jungen Forums der dgh statt, zu dem 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland anreisten.
Einblick in das Spektrum der Ökotrophologie, so hätte die Veranstaltung betitelt sein können, statt dessen hieß sie schlicht "9. Kolloquium mit Workshop". Ziel der Veranstaltung des Jungen Forums als Beirat der dgh ist es, jungen Haushaltswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern bzw. Ökotrophologinnen und Ökotrophologen einen Ort zu bieten, an dem sie sich fachübergreifend austauschen, Kontakte knüpfen und die Spannweite ökotrophologischen Wissens auch nach dem Studium aufrecht erhalten können. Entsprechend spiegeln die Kolloquien nicht wie die der Fachausschüsse ein Fachgebiet wider, sondern einen Ausschnitt aus den vielen verschiedenen möglichen ökotrophologischen Bereichen. Auch dieses Jahr wurden Vorträge aus den unterschiedlichsten Fachgebieten, sowohl aus der Wissenschaft als auch aus der Praxis geboten, die von Studentinnen ebenso wie von "alten Hasen" diskutiert wurden.
Wie immer fand die Veranstaltung nach altbewährten Muster statt: Am Freitag boten vier Vorträge Gelegenheit, in fremde Bereiche zu schnuppern, am Samstag wurde im Rahmen des Workshops das Thema "Verbraucherschutz - Ökotrophologen als Krisenmanager" diskutiert.
I. Vorträge mit Diskussion
Zwei Referenten und zwei Referentinnen präsentierten ihre Arbeitsinhalte: Als erster stellte Matthias Schweitzer, Universität Bonn/Lehrstuhl Professor Kutsch, sein Dissertationsvorhaben mit dem Titel "Diskrepanz zwischen Verbrauchereinstellung und Verbraucherverhalten bei Lebensmittelskandalen" vor. Er will mit seiner Arbeit eine Antwort auf die Frage finden, warum sich die Verbraucher anders verhalten, als es ihrer Einstellung entspricht. Er stützt sich dabei auf sozialpsychologische Ansätze:
· Welche Faktoren schaffen Vertrauen, und welche rufen Misstrauen hervor? (Misstraut wird vor allem Fleisch, Fisch und Eiern.)
· Wie gehen Menschen mit diesem Misstrauen um? (Hier bietet Festingers Theorie der Kognitiven Dissonanz Antworten.)
· Warum kommt es nicht zu Hysterie und der Forderung nach einer radikalen Änderung des Systems? (In diesem Zusammenhang ist das Polyanna-Prinzip hilfreich.)
Konstantin von Normann, ebenfalls Universität Bonn/Lehrstuhl Professor Kutsch, berichtete anschließend von im Rahmen seiner Promotion durchgeführten Untersuchungen. Der Vortrag trug den Titel "Die Deutschen Tafeln als Mittler zwischen Armut und Lebensmittelüberschüssen": Er gab einen Überblick über Geschichte und Vorkommen der Tafeln in Deutschland (z.Zt. etwa 280, überwiegend in Städten, die täglich etwa 160 t Lebensmittel an Bedürftige weitergeben), über Ziele, die mit den Tafeln verfolgt werden (ernährungsbezogene, ökologische, ökonomische, soziale Ziele) und Probleme, die auftreten (Unzuverlässigkeit des Angebots, Umfang usw.). In der Armutsbekämpfung stellen die Tafeln einen wichtigen Bestandteil des deutschen Wohlfahrtmixes dar. Konstantin von Normann legt besonderen Wert auf die Mitarbeiterperspektive, d.h. auf die Motive, in einer Tafel mitzuarbeiten, und auf die Ursachen, längerfristig dabeizubleiben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Männer und Frauen halten sich hier zahlenmäßig die Waage) arbeiten hier überwiegend ehrenamtlich.
Das Ehrenamt war auch Thema im anschließenden Vortrag von Anita Knappe, Hochschule Anhalt (FH)/ Lehrstuhl Prof. Steinel, wobei sie die Blickrichtung von Motiven und Zufriedenheitskomponenten auf den monetären Wert ehrenamtlicher Arbeit lenkte: Sie erläuterte das an ihrer Professur entwickelte "Instrument zur Darstellung des Werts ehrenamtlicher Arbeit". Das Instrument wurde im Rahmen eines Projektes entwickelt und durchgeführt, das seit September 2000 läuft und voraussichtlich im Februar 2002 abgeschlossen sein wird; Projektpartner ist das DRK Bernburg. Zur Zeit ist Anita Knappe damit beschäftigt, die Zeittagebücher der 75 Ehrenamtlichen, die diese ein halbes Jahr lang geführt haben, auszuwerten: Die geleistete Arbeit wird entsprechend verschiedener Modelle bewertet (in- und outputorientierte Methoden wie Opportunitätskostenansatz, Generalisten-/ Spezialistenansatz, angenommener Marktwert).
Abschließend berichtete Dr. Claudia Busch, xx-well.com, Berlin, von der "Entwicklung eines Ernährungschoachs im Internet - Erfahrungsbericht aus einem Internet-Start up". Nachdem die ersten drei Vorträge im wissenschaftlichen Kontext verortet waren, bot sie damit einen anregenden Einblick in die Praxis. xx-well.com ist eine Firma, die im April 2000 gegründet wurde und seit Februar 2001 "online" ist. Sie bietet drei verschiedene Programme an: ein Fitnessprogramm, ein Diätprogramm (im Sinne von Gewichtsreduktion) und ein Ernährungsprogramm. Diese Programm werden entsprechend zwei verschiedener Strategien verkauft: Zum einen an Privatkunden, die entsprechend ihres persönlichen Profils und ihrer Wünsche ein individuell zugeschnittenes Programm erhalten und bei der Durchführung von xx-well.com online begleitet werden; zum anderen an Firmen und Institutionen wie Krankenhäuser, die quasi die Lizenz für das Produkt erwerben damit eine Gruppe von Menschen erreichen wollen. Neben drei Ökotrophologen, die im Ernährungsbereich beschäftigt sind, arbeiten Sportwissenschaftler, Psychologe, Ärzte, Informatiker, Redakteure und Marketingfachleute in der Firma. Claudia Busch bot mit ihrem Vortrag einen Einblick in einen Geschäftsbereich, der zukünftig sicherlich einen größeren Stellenwert einnehmen wird.
Alle Vorträge wurde angeregt diskutiert: Angefangen bei Vor- und Nachteilen von einem Modell der kognitiven Dissonanz im Vergleich zu Totalmodellen und vor allem der Einbeziehung des Alltagsgeschehens in Entscheidungsprozesse, über unterschiedliche Organisationsmodelle von Tafeln und welche Bedürftigen von ihnen erreicht werden, über Chancen und Gefahren einer monetären Bewertung von ehrenamtlicher Arbeit bis hin zu Tipps für online-Rezepte und der Frage des Datenschutzes.
II. Workshop: Verbraucherschutz - Ökotrophologen als Krisenmanager
Der diesjährige samstägliche Workshop fand zu dem Thema "Verbraucherschutz - Ökotrophologen als Krisenmanager" statt. Dahinter stand die Frage: Inwieweit bietet das Studium eine Vorbereitung auf spätere Tätigkeiten im "Krisenmanagement", welche Inhalte sind hilfreich, welche fehlen?
Als Input dienten drei Impulsreferate von in der Praxis stehenden Ökotrophologinnen:
Ina Korndörfer arbeitet in der Rosenheimer Außenstelle der Verbraucherzentrale Bayern; sie ist dort die einzige Mitarbeiterin, und entsprechend berät sie in allen nachgefragten Themenbereichen. Ihre Arbeit erfordert Kenntnisse auf drei Ebenen: fachliches Wissen, Methodenkenntnisse aus Kommunikation und Beratung und Wissen in Verwaltungsarbeit. Die Fragen und Beratungen betreffen schwerpunktmäßig die Bereiche Verbraucherrecht und Versicherungen; Ernährungs- und Umweltinformationen werden nur sehr selten gefordert. Fachlich hat sie daher vom Studium nicht allzu viel verwenden können, denn Verbraucherrecht und Versicherungen werden, wenn überhaupt, im Studium nur gestreift. Profitiert hat sie vor allem von den Kommunikations- und Beratungsseminaren und von Haushaltstechnik. Daneben konnte sie mehr indirekt profitieren, indem sie als Haushaltswissenschaftlerin die jeweiligen Erfordernisse der Haushalte ganzheitlicher begreifen und berücksichtigen kann, als es häufig die Betroffenen selbst tun.
Sonja Redmann ist beim Fisch-Informationszentrum in Hamburg beschäftigt. Das Fisch-Informationszentrum (FIZ) ist die Nachfolgeorganisation der FIMA und quasi die CMA für Fisch. Die FIZ leistet generische PR-Arbeit, d.h. sie macht produkt- und firmenübergreifende PR-Arbeit für Fisch und Fischprodukte. Ihr gehören etwa 47.000 Mitglieder an, neben Unternehmen (Tiefkühl- und Konservenbetriebe, Gaststätten u.a.) auch Verbände und einzelne Mitglieder (Personen). Sonja Redmann ist als Assistentin der Geschäftsführung beschäftigt: Sie ist verantwortlich für die gesamte Öffentlichkeitsarbeit und damit z.B. zuständig für die Pressearbeit, die Organisation von Konferenzen und die Betreuung der Mitglieder; außerdem bearbeitet sie Verbraucheranfragen, erstellt Broschüren und die Homepage. Sie profitiert von vielen Lehrinhalten des Studiums: Lebensmittelkunde, Lebensmittelrecht, Hygiene, Mikrobiologie, Ernährung des Menschen und Marketing sind Fächer, die ihr ein Grundwissen vermittelt haben, das sie jetzt dringend benötigt.
Das dritte Impuls-Referat kam von Sabine Holland, die bei der Nordmilch e.G. in Bremen beschäftigt ist. Die Nordmilch produziert Milch, Milchprodukte und Futtermittel, die an Privathaushalte, Institutionen und industrielle Betriebe verkauft werden. Sie ist mit etwa 4.000 Mitarbeitern in 17 Werken führend in Niedersachsen. Sabine Holland ist als Assistentin und Sekretärin der Geschäftsführung des Bereichs Produktion beschäftigt; der Geschäftsführungsbereich Produktion ist einer unter insgesamt 10 Bereichen wie Verwaltung, Vertrieb oder Qualitätsmanagement/-sicherung. Ihre Arbeitsinhalte sind sowohl fachlicher Art (Investitionsrechnungen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Optimierung von Grenzwerten u.a.) als auch auf der organisatorischen Ebene (Konferenzen organisieren, Termine koordinieren u.a.). Ihr kommen dabei Studieninhalte rund um Lebensmittel (Milch, Rechtsfragen, Hygiene, Mikrobiologie) ebenso zugute wie Kenntnisse im Rechnungswesen; allerdings hätte sie sich mehr Vermittlung von rechtlichen Grundkenntnissen und Grundlagen im Projektmanagement gewünscht.
Bei allen drei Referentinnen wurde eines deutlich: Der größte Vorteil für die Praxis, der im Ökotrophologiestudium liegt, ist der generalistische Ansatz. Weil man mit vielen verschiedenen Inhalten unterschiedlicher Bereiche konfrontiert ist, erwirbt jeder ein breites Grundwissen rund um Sachverhalte, die die Alltagsversorgung der Menschen betreffen, und muss jeder lernen, die Schwellenangst abzubauen, sich neuen Themen zu stellen - vor allem auch, wenn sie nicht vorrangig Interesse wecken, was im Berufsleben immer wieder vorkommt. Fachwissen, worauf in den Hochschulen de Schwerpunkt gelegt wird, konnte dagegen nur zum Teil in die jeweilige Stelle eingebracht werden - in der Diskussion wurde wieder einmal deutlich, dass es weniger wichtig ist, alles zu wissen, als zu wissen, "wo es steht". Daneben wurde klar, wie wichtig eine stärkere Vermittlung von Methodenkenntnissen im Studium wäre: Neben Kommunikation und Beratung, dessen Angebot ausgebaut werden müsste, ist insbesondere die Vermittlung von Präsentationstechniken, Organisationsfähigkeiten und Computerkenntnissen wünschenswert, damit Ökotrophologen als Krisenmanager und Krisenmanagerinnen in Prävention und Reaktion erfolgreich sein können.
III. Mitgliederversammlung
Am Freitag Nachmittag trafen sich die Mitglieder des Jungen Forums zur Mitgliederversammlung.
Es wurden vor allem zwei Inhalte diskutiert:
Erstens wird das Junge Forum ab dem 1. Januar 2002 den Status des "Beirats für Nachwuchsarbeit in der dgh" führen. Aus diesem Grund waren Änderung in der Geschäftsordnung notwendig. Die wichtigsten Änderungen sind:
1. Jedes Mitglied des Jungen Forums muss auch Mitglied der dgh sein (bisher konnten auch Nicht-Mitglieder der dgh Mitglied des Jungen Forums werden). Zu den Veranstaltungen des Jungen Forums sind aber ausdrücklich weiterhin auch Nicht-Mitgleider herzlich willkommen!
2. Die Arbeit des Jungen Forums richtet sich an "Nachwuchs aus Forschung und Praxis" (bisher war allgemein von Nachwuchs die Rede). Damit wird das Junge Forum Wert darauf legen, neben wissenschaftlich tätigen Mitgliedern gezielt Ökotrophologinnen und Ökotrophologen anzusprechen, die in der Praxis stehen, um damit den Dialog zwischen Forschung und Praxis zu fördern.
Zweitens hat sich die Zusammensetzung des Vorstands geändert: Dr. Margit Bölts schied auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus; für sie wurde Dipl. Oec.-troph. Stefanie Scholl gewählt.
Damit bilden die folgenden drei Personen den Vorstand:
Dipl. oec.troph. Konstantin von Normann, Universität Bonn; Dr. oec.troph. Iris Peil, Universität Koblenz-Landau (Vorsitz); Dipl. oec.troph. Stefanie Scholl, Universität Bonn. Interessierte sind ganz herzlich eingeladen, sich bei Fragen oder Informationsbedarf an eine(n) von ihnen zu wenden.
Angelika Sennlaub
Am 9. Und 10. November fand in Bonn das 9. Kolloquium mit Workshop und Mitgliederversammlung des Jungen Forums der dgh statt, zu dem 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland anreisten.
Einblick in das Spektrum der Ökotrophologie, so hätte die Veranstaltung betitelt sein können, statt dessen hieß sie schlicht "9. Kolloquium mit Workshop". Ziel der Veranstaltung des Jungen Forums als Beirat der dgh ist es, jungen Haushaltswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern bzw. Ökotrophologinnen und Ökotrophologen einen Ort zu bieten, an dem sie sich fachübergreifend austauschen, Kontakte knüpfen und die Spannweite ökotrophologischen Wissens auch nach dem Studium aufrecht erhalten können. Entsprechend spiegeln die Kolloquien nicht wie die der Fachausschüsse ein Fachgebiet wider, sondern einen Ausschnitt aus den vielen verschiedenen möglichen ökotrophologischen Bereichen. Auch dieses Jahr wurden Vorträge aus den unterschiedlichsten Fachgebieten, sowohl aus der Wissenschaft als auch aus der Praxis geboten, die von Studentinnen ebenso wie von "alten Hasen" diskutiert wurden.
Wie immer fand die Veranstaltung nach altbewährten Muster statt: Am Freitag boten vier Vorträge Gelegenheit, in fremde Bereiche zu schnuppern, am Samstag wurde im Rahmen des Workshops das Thema "Verbraucherschutz - Ökotrophologen als Krisenmanager" diskutiert.
I. Vorträge mit Diskussion
Zwei Referenten und zwei Referentinnen präsentierten ihre Arbeitsinhalte: Als erster stellte Matthias Schweitzer, Universität Bonn/Lehrstuhl Professor Kutsch, sein Dissertationsvorhaben mit dem Titel "Diskrepanz zwischen Verbrauchereinstellung und Verbraucherverhalten bei Lebensmittelskandalen" vor. Er will mit seiner Arbeit eine Antwort auf die Frage finden, warum sich die Verbraucher anders verhalten, als es ihrer Einstellung entspricht. Er stützt sich dabei auf sozialpsychologische Ansätze:
· Welche Faktoren schaffen Vertrauen, und welche rufen Misstrauen hervor? (Misstraut wird vor allem Fleisch, Fisch und Eiern.)
· Wie gehen Menschen mit diesem Misstrauen um? (Hier bietet Festingers Theorie der Kognitiven Dissonanz Antworten.)
· Warum kommt es nicht zu Hysterie und der Forderung nach einer radikalen Änderung des Systems? (In diesem Zusammenhang ist das Polyanna-Prinzip hilfreich.)
Konstantin von Normann, ebenfalls Universität Bonn/Lehrstuhl Professor Kutsch, berichtete anschließend von im Rahmen seiner Promotion durchgeführten Untersuchungen. Der Vortrag trug den Titel "Die Deutschen Tafeln als Mittler zwischen Armut und Lebensmittelüberschüssen": Er gab einen Überblick über Geschichte und Vorkommen der Tafeln in Deutschland (z.Zt. etwa 280, überwiegend in Städten, die täglich etwa 160 t Lebensmittel an Bedürftige weitergeben), über Ziele, die mit den Tafeln verfolgt werden (ernährungsbezogene, ökologische, ökonomische, soziale Ziele) und Probleme, die auftreten (Unzuverlässigkeit des Angebots, Umfang usw.). In der Armutsbekämpfung stellen die Tafeln einen wichtigen Bestandteil des deutschen Wohlfahrtmixes dar. Konstantin von Normann legt besonderen Wert auf die Mitarbeiterperspektive, d.h. auf die Motive, in einer Tafel mitzuarbeiten, und auf die Ursachen, längerfristig dabeizubleiben. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Männer und Frauen halten sich hier zahlenmäßig die Waage) arbeiten hier überwiegend ehrenamtlich.
Das Ehrenamt war auch Thema im anschließenden Vortrag von Anita Knappe, Hochschule Anhalt (FH)/ Lehrstuhl Prof. Steinel, wobei sie die Blickrichtung von Motiven und Zufriedenheitskomponenten auf den monetären Wert ehrenamtlicher Arbeit lenkte: Sie erläuterte das an ihrer Professur entwickelte "Instrument zur Darstellung des Werts ehrenamtlicher Arbeit". Das Instrument wurde im Rahmen eines Projektes entwickelt und durchgeführt, das seit September 2000 läuft und voraussichtlich im Februar 2002 abgeschlossen sein wird; Projektpartner ist das DRK Bernburg. Zur Zeit ist Anita Knappe damit beschäftigt, die Zeittagebücher der 75 Ehrenamtlichen, die diese ein halbes Jahr lang geführt haben, auszuwerten: Die geleistete Arbeit wird entsprechend verschiedener Modelle bewertet (in- und outputorientierte Methoden wie Opportunitätskostenansatz, Generalisten-/ Spezialistenansatz, angenommener Marktwert).
Abschließend berichtete Dr. Claudia Busch, xx-well.com, Berlin, von der "Entwicklung eines Ernährungschoachs im Internet - Erfahrungsbericht aus einem Internet-Start up". Nachdem die ersten drei Vorträge im wissenschaftlichen Kontext verortet waren, bot sie damit einen anregenden Einblick in die Praxis. xx-well.com ist eine Firma, die im April 2000 gegründet wurde und seit Februar 2001 "online" ist. Sie bietet drei verschiedene Programme an: ein Fitnessprogramm, ein Diätprogramm (im Sinne von Gewichtsreduktion) und ein Ernährungsprogramm. Diese Programm werden entsprechend zwei verschiedener Strategien verkauft: Zum einen an Privatkunden, die entsprechend ihres persönlichen Profils und ihrer Wünsche ein individuell zugeschnittenes Programm erhalten und bei der Durchführung von xx-well.com online begleitet werden; zum anderen an Firmen und Institutionen wie Krankenhäuser, die quasi die Lizenz für das Produkt erwerben damit eine Gruppe von Menschen erreichen wollen. Neben drei Ökotrophologen, die im Ernährungsbereich beschäftigt sind, arbeiten Sportwissenschaftler, Psychologe, Ärzte, Informatiker, Redakteure und Marketingfachleute in der Firma. Claudia Busch bot mit ihrem Vortrag einen Einblick in einen Geschäftsbereich, der zukünftig sicherlich einen größeren Stellenwert einnehmen wird.
Alle Vorträge wurde angeregt diskutiert: Angefangen bei Vor- und Nachteilen von einem Modell der kognitiven Dissonanz im Vergleich zu Totalmodellen und vor allem der Einbeziehung des Alltagsgeschehens in Entscheidungsprozesse, über unterschiedliche Organisationsmodelle von Tafeln und welche Bedürftigen von ihnen erreicht werden, über Chancen und Gefahren einer monetären Bewertung von ehrenamtlicher Arbeit bis hin zu Tipps für online-Rezepte und der Frage des Datenschutzes.
II. Workshop: Verbraucherschutz - Ökotrophologen als Krisenmanager
Der diesjährige samstägliche Workshop fand zu dem Thema "Verbraucherschutz - Ökotrophologen als Krisenmanager" statt. Dahinter stand die Frage: Inwieweit bietet das Studium eine Vorbereitung auf spätere Tätigkeiten im "Krisenmanagement", welche Inhalte sind hilfreich, welche fehlen?
Als Input dienten drei Impulsreferate von in der Praxis stehenden Ökotrophologinnen:
Ina Korndörfer arbeitet in der Rosenheimer Außenstelle der Verbraucherzentrale Bayern; sie ist dort die einzige Mitarbeiterin, und entsprechend berät sie in allen nachgefragten Themenbereichen. Ihre Arbeit erfordert Kenntnisse auf drei Ebenen: fachliches Wissen, Methodenkenntnisse aus Kommunikation und Beratung und Wissen in Verwaltungsarbeit. Die Fragen und Beratungen betreffen schwerpunktmäßig die Bereiche Verbraucherrecht und Versicherungen; Ernährungs- und Umweltinformationen werden nur sehr selten gefordert. Fachlich hat sie daher vom Studium nicht allzu viel verwenden können, denn Verbraucherrecht und Versicherungen werden, wenn überhaupt, im Studium nur gestreift. Profitiert hat sie vor allem von den Kommunikations- und Beratungsseminaren und von Haushaltstechnik. Daneben konnte sie mehr indirekt profitieren, indem sie als Haushaltswissenschaftlerin die jeweiligen Erfordernisse der Haushalte ganzheitlicher begreifen und berücksichtigen kann, als es häufig die Betroffenen selbst tun.
Sonja Redmann ist beim Fisch-Informationszentrum in Hamburg beschäftigt. Das Fisch-Informationszentrum (FIZ) ist die Nachfolgeorganisation der FIMA und quasi die CMA für Fisch. Die FIZ leistet generische PR-Arbeit, d.h. sie macht produkt- und firmenübergreifende PR-Arbeit für Fisch und Fischprodukte. Ihr gehören etwa 47.000 Mitglieder an, neben Unternehmen (Tiefkühl- und Konservenbetriebe, Gaststätten u.a.) auch Verbände und einzelne Mitglieder (Personen). Sonja Redmann ist als Assistentin der Geschäftsführung beschäftigt: Sie ist verantwortlich für die gesamte Öffentlichkeitsarbeit und damit z.B. zuständig für die Pressearbeit, die Organisation von Konferenzen und die Betreuung der Mitglieder; außerdem bearbeitet sie Verbraucheranfragen, erstellt Broschüren und die Homepage. Sie profitiert von vielen Lehrinhalten des Studiums: Lebensmittelkunde, Lebensmittelrecht, Hygiene, Mikrobiologie, Ernährung des Menschen und Marketing sind Fächer, die ihr ein Grundwissen vermittelt haben, das sie jetzt dringend benötigt.
Das dritte Impuls-Referat kam von Sabine Holland, die bei der Nordmilch e.G. in Bremen beschäftigt ist. Die Nordmilch produziert Milch, Milchprodukte und Futtermittel, die an Privathaushalte, Institutionen und industrielle Betriebe verkauft werden. Sie ist mit etwa 4.000 Mitarbeitern in 17 Werken führend in Niedersachsen. Sabine Holland ist als Assistentin und Sekretärin der Geschäftsführung des Bereichs Produktion beschäftigt; der Geschäftsführungsbereich Produktion ist einer unter insgesamt 10 Bereichen wie Verwaltung, Vertrieb oder Qualitätsmanagement/-sicherung. Ihre Arbeitsinhalte sind sowohl fachlicher Art (Investitionsrechnungen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen, Optimierung von Grenzwerten u.a.) als auch auf der organisatorischen Ebene (Konferenzen organisieren, Termine koordinieren u.a.). Ihr kommen dabei Studieninhalte rund um Lebensmittel (Milch, Rechtsfragen, Hygiene, Mikrobiologie) ebenso zugute wie Kenntnisse im Rechnungswesen; allerdings hätte sie sich mehr Vermittlung von rechtlichen Grundkenntnissen und Grundlagen im Projektmanagement gewünscht.
Bei allen drei Referentinnen wurde eines deutlich: Der größte Vorteil für die Praxis, der im Ökotrophologiestudium liegt, ist der generalistische Ansatz. Weil man mit vielen verschiedenen Inhalten unterschiedlicher Bereiche konfrontiert ist, erwirbt jeder ein breites Grundwissen rund um Sachverhalte, die die Alltagsversorgung der Menschen betreffen, und muss jeder lernen, die Schwellenangst abzubauen, sich neuen Themen zu stellen - vor allem auch, wenn sie nicht vorrangig Interesse wecken, was im Berufsleben immer wieder vorkommt. Fachwissen, worauf in den Hochschulen de Schwerpunkt gelegt wird, konnte dagegen nur zum Teil in die jeweilige Stelle eingebracht werden - in der Diskussion wurde wieder einmal deutlich, dass es weniger wichtig ist, alles zu wissen, als zu wissen, "wo es steht". Daneben wurde klar, wie wichtig eine stärkere Vermittlung von Methodenkenntnissen im Studium wäre: Neben Kommunikation und Beratung, dessen Angebot ausgebaut werden müsste, ist insbesondere die Vermittlung von Präsentationstechniken, Organisationsfähigkeiten und Computerkenntnissen wünschenswert, damit Ökotrophologen als Krisenmanager und Krisenmanagerinnen in Prävention und Reaktion erfolgreich sein können.
III. Mitgliederversammlung
Am Freitag Nachmittag trafen sich die Mitglieder des Jungen Forums zur Mitgliederversammlung.
Es wurden vor allem zwei Inhalte diskutiert:
Erstens wird das Junge Forum ab dem 1. Januar 2002 den Status des "Beirats für Nachwuchsarbeit in der dgh" führen. Aus diesem Grund waren Änderung in der Geschäftsordnung notwendig. Die wichtigsten Änderungen sind:
1. Jedes Mitglied des Jungen Forums muss auch Mitglied der dgh sein (bisher konnten auch Nicht-Mitglieder der dgh Mitglied des Jungen Forums werden). Zu den Veranstaltungen des Jungen Forums sind aber ausdrücklich weiterhin auch Nicht-Mitgleider herzlich willkommen!
2. Die Arbeit des Jungen Forums richtet sich an "Nachwuchs aus Forschung und Praxis" (bisher war allgemein von Nachwuchs die Rede). Damit wird das Junge Forum Wert darauf legen, neben wissenschaftlich tätigen Mitgliedern gezielt Ökotrophologinnen und Ökotrophologen anzusprechen, die in der Praxis stehen, um damit den Dialog zwischen Forschung und Praxis zu fördern.
Zweitens hat sich die Zusammensetzung des Vorstands geändert: Dr. Margit Bölts schied auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus; für sie wurde Dipl. Oec.-troph. Stefanie Scholl gewählt.
Damit bilden die folgenden drei Personen den Vorstand:
Dipl. oec.troph. Konstantin von Normann, Universität Bonn; Dr. oec.troph. Iris Peil, Universität Koblenz-Landau (Vorsitz); Dipl. oec.troph. Stefanie Scholl, Universität Bonn. Interessierte sind ganz herzlich eingeladen, sich bei Fragen oder Informationsbedarf an eine(n) von ihnen zu wenden.
Angelika Sennlaub
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