Junges Forum - Beirat für Nachwuchsarbeit in der dgh
Kolloquium 2000
Kolloquium, Workshop und Mitgliederversammlung des JUNGEN FORUMS
Spektrum der Ökotrophologie
Am 17. und 18. November 2000 fand in den Räumen des Instituts für landwirtschaftliche Betriebslehre in Bonn das 8. Kolloquium mit Workshop und Mitgliederversammlung des Jungen Forums der dgh statt. Aus diesem Anlass trafen sich 36 Mitglieder und Interessierte in Bonn, um sich unter dem Motto "Spektrum der Ökotrophologie" zu informieren, auszutauschen und angeregt zu diskutieren. Wie es das Thema versprach, waren die beiden Tage ausgesprochen facettenreich und informativ: Am Freitag boten vier Referentinnen Einblick in sehr unterschiedliche ökotrophologische Themenbereiche, und am folgenden Samstag stellten sich die Teilnehmer im Rahmen eines Workshops dem Thema "Ökotrophologie - Eine zukunftsfähige Disziplin?". Ich will hier zunächst die Vorträge wiedergeben und anschließend vom Workshop berichten.
I. Die Vorträge mit anschließender Frage- und Diskussionsrunde
Vier Referentinnen präsentierten vier unterschiedliche Bereiche:
Silke Mardorf (Justus-Liebig-Universität Gießen) berichtete über ein laufendes Projekt des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Privathaushalts zur Armutsprävention, Monika Heinis (aid) informierte über den aid, Angelika Sennlaub (ebenfalls Justus-Liebig-Universität Gießen) stellte ihr Dissertationsvorhaben mit dem Titel "Familiales Wohnen mit ‘Commons’ - Zumutung oder Zukunftschance?" vor, und Annegret Schade (Hochschule Anhalt) erläuterte das an ihrer Hochschule entwickelte und durchgeführte Konzept zur Beratung und Schulung hauswirtschaftlicher Kräfte zur Verbesserung ihrer Berufschancen.
Ansätze für Bildungs- und Beratungsarbeit von Haushalten in prekären Lebenslagen (Silke Mardorf)
Zur Zeit findet in Gießen am Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Privathaushalts (Prof. Uta Meier) ein Forschungsprojekt mit dem Titel "Haushaltsführung im Versorgungsverbund der Daseinsvorsorge - Stärkung von Haushaltsführungskompetenz durch Aufzeigen von Alternativen" statt.
Das Projekt wird seit einem Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BmFSFJ) durchgeführt; die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre. Die Arbeitsgruppe hat sich das Ziel gesetzt, praktizierte Handlungsmuster wirtschaftlich und sozial benachteiligter Haushalte zu typisieren und darauf aufbauend mit Hilfe der von Prof. Rosemarie von Schweitzer (erem.) entwickelten Haushaltsanalyse einen präventiven Ansatz zu entwickeln, um Haushalten, die sich nahe der Armutsgrenze befinden, Hilfestellung durch Bildungs- und Beratungsangebote zu geben und ein Abrutschen in die Armut zu vermeiden.
Silke Mardorf stellte sehr plastisch zwei Haushalte vor, die bereits befragt worden sind, und rief damit allgemeine Betroffenheit hervor: Wenn auch den meisten Teilnehmern ähnliche Fälle aus der Literatur bekannt sind, sind konkrete Berichte dennoch erschütternd.
Aus diesem Grund verlief die anschließende Diskussion ausgesprochen lebhaft. Die größte Schwierigkeit sahen die Teilnehmer darin, die Zielgruppe mit Bildungs- und Beratungsmaßnahmen zu erreichen. Als ein erfolgversprechender Weg wurde das Einschalten von "Vermittlungsstellen" zur Hilfeplanung angesehen.
Der aid stellt sich vor: Vom Marshallplan zum Medienprofi
(Monika Heinis)
Der aid ist vor 50 Jahren im Rahmen des Marshallplans gegründet worden, um im Nachkriegsdeutschland die Bevölkerung über richtiges Ernährungsverhalten zu informieren und die landwirtschaftliche Produktion mit Hilfe von Information und Beratung zu steigern. Der Name aid steht dabei zum einen für Auswertungs- und Informationsdienst, zum anderen für Hilfe nach dem engl. "aid". Dieses Ziel ist im Wesentlichen innerhalb der vergangenen 50 Jahren gleichgeblieben: Wenn auch heute in Deutschland kein Hunger mehr herrscht, besteht doch nach wie vor die Notwendigkeit, die Vielzahl von Informationen und neuen Erkenntnissen zu sichten und auszuwerten, um Verbraucher, Landwirte und Multiplikatoren wie z.B. Lehrer zu informieren und ihnen entsprechendes Material zur Verfügung zu stellen. Dieses Material ist heute allerdings nicht mehr kostenlos, seit 1996 wird eine Schutzgebühr für die Medien erhoben, denn vorher gab es die verschiedenen Materialien "zwar ohne Kosten, aber häufig auch umsonst" (Heinis).
Der Vortrag von Monika Heinis bot einen gelungenen Einblick in ein mögliches Arbeitsfeld für Ökotrophologen.
Familiales Wohnen mit ‘Commons’ - Zumutung oder Zukunftschance? (Angelika Sennlaub)
Dieser Beitrag beschäftigte sich mit der Problematik des heutigen Ideals von Familienwohnen: Bei Bevölkerung und Politik herrscht das Ideal des freistehenden Einfamilienhauses am Stadtrand vor, obwohl dieses Einfamilienhaus sowohl den neuen Anforderungen an familiales Wohnen widerspricht (Wandel der Familien) als auch ökologischen Notwendigkeiten (Flächen- und Energieverbrauch). Eine Möglichkeit, dem zu begegnen und Wohnen in der Stadt attraktiv zu gestalten bei gleichzeitiger Beachtung des Nachhaltigkeitsgedankens kann das Wohnen mit 'Commons' sein. Der Begriff der 'Commons' (vgl. engl.: gemeinsam) geht zurück auf Scherhorn, der damit an die Tradition gemeinsamer Ländereien erinnert, der Allmenden. Im Zusammenhang mit Wohnen wird der Begriff ausgeweitet auf gemeinsam genutzte Flächen, Aktivitäten und Technik, zunächst unabhängig von der Frage des Besitzes. Die Frage der 'Commons' gerade für Familien zu diskutieren ist besonders interessant, da es für andere Gruppen der Bevölkerung verschiedene Konzepte des Wohnens mit gemeinsamen Flächen, Gütern oder Aktivitäten gibt, wie zum Beispiel für ältere Menschen das Betreute Wohnen oder für Ein-Eltern-Familien wohnen mit gemeinsamen Möglichkeiten der Kinderbetreuung - für Familien dagegen gibt es nur sehr zögerlich Ansätze in diese Richtung, obwohl hier sicherlich Bedarf besteht.
Hier sind allerdings eine Reihe von Fragen zu klären: Wie verhalten sich 'Commons' zum Anspruch der Privatheit, inwieweit verändern sie das Bild der Rolle der Mutter? Für welche Familientypen kommen solche Wohnformen in Frage und welche Organisationsstruktur wäre sinnvoll? Eine Fülle von Diskussionsstoff, der von den Teilnehmern der Tagung angeregt aufgegriffen wurde.
Beratung hauswirtschaftlicher Betriebe bei der Einführung neuer Konzepte - dargestellt am Beispiel eines Beratungs- und Schulungskonzeptes zur Einführung von Qualitätsmanagement
(Annegret Schade)
Die Qualität von hauswirtschaftlichen Leistungen in hauswirtschaftlichen Dienstleistungsbetrieben gewinnt immer mehr an Bedeutung. Aus diesem Grund startete vor drei Jahren ein transnationales Projekt, an dem sich Deutschland, die Niederlande und Finnland beteiligten. Für Deutschland war die Hochschule Bernburg unter der Leitung von Prof. Margot Steinel vertreten. Das Projektziel bestand darin, die Berufschancen für hauswirtschaftliche Mitarbeiterinnen zu verbessern, indem sie zum Qualitätsmanagement geschult werden sollten. Vor diesem Hintergrund entwickelten die Beteiligten einen Rahmen für ein europäisches Schulungskonzept, der länderspezifisch gefüllt und umgesetzt werden kann. In Deutschland wurde innerhalb dieses Rahmens die "Zusatzqualifizierung 'Qualitätsmanagement in Großhaushalten' zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen für hauswirtschaftliche Mitarbeiterinnen" entwickelt. Die Qualifizierung wird berufsbegleitend durchgeführt und ist darauf angelegt, das erlernte theoretische Wissen parallel zur Schulung umzusetzen, indem in den jeweiligen Betrieben ein Qualitätsmanagementsystem aufgebaut und ein Handbuch erstellt wird. Die ersten Qualifizierungsmaßnahmen sind bereits abgeschlossen.
Annegret Schade, die an der Entwicklung des Konzeptes beteiligt gewesen ist und die ersten Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt hat, stellte dieses sehr umfangreiche und beeindruckende Konzept vor und rief damit reges Interesse bei den Teilnehmern der Tagung hervor.
II. Workshop: "Ökotrophologie - eine zukunftsfähige Disziplin?".
Wie es der Tradition des Jungen Forums entspricht, fand am zweiten Tagungstag ein Workshop statt.
Eine Einführung in die Thematik leistete Dr. Rainer Hufnagel.
Verstehende und erklärende Sozialwissenschaften (Rainer Hufnagel)
Haushaltstheorie als Disziplin in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist im besonderen Maß von den dort festzustellenden paradigmatischen Differenzen betroffen. Ein grundlegender methodischer Unterschied wird mit "verstehend" versus "erklärend" umschrieben. Ziel des Vortrags von Rainer Hufnagel war es, diese Unterschiede herauszuarbeiten, um die Kommunikation unter Haushaltswissenschaftlerinnen und Haushaltswissenschaftlern zu erleichtern.
Er erläuterte ausführlich die Herangehensweisen der verstehenden Sozialwissenschaften - Hermeneutik - und der erklärenden Sozialwissenschaften - Axiomatik - und zeigte Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf. Der wesentliche Unterschied liegt danach in der Frage des Sinns: Während der Gegenstand hermeneutischer Wissenschaften ein sinnhaftes, soziales Verstehen ist, ist im Sinne der Axiomatik "Sinn" nicht objektiv erklärbar und kann damit nicht Gegenstand von Wissenschaften sein. Diese Diskrepanz in Vorgehen und Verständnis ist die Ursache für ein gegenseitiges Nicht-Verstehen, das sich leicht ausweitet zu einer gegenseitigen Nicht-Akzeptanz. Rainer Hufnagel stellte in seinem Vortrag die provokante These auf: "Wissenschaftler reden aneinander vorbei, weil sie wissenschaftliche Theorien, in denen der andere steht, nicht kennen. Insbesondere bezieht sich das auf das Postulat der Adäquanz einerseits und die Rolle endogener Entitäten andererseits" (Hufnagel). Diese Gedanken lösten eine angeregte Diskussion aus, in deren Mittelpunkt das Bedürfnis nach mehr Akzeptanz oder Verständnis der verschiedenen Parteien füreinander stand.
Im Anschluß an diese Diskussion stellten verschiedene Studienstandorte ihr bisheriges Lehrangebot und geplante Veränderungen vor unter dem Motto:
Versuch einer inhaltlichen Bestandsaufnahme des Fachs Ökotrophologie an Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland
Hier wurden die Hochschulen aus Bernburg, Bonn, Fulda, Gießen, Hohenheim, Kiel, Osnabrück und Weihenstephan vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass die Angebote sowohl in Inhalt wie auch in Organisation stark variieren. Die Vor- und Nachteile einer solchen Vielfalt wurden intensiv diskutiert, und wir planen, einen eigenständigen kurzen Bericht zu diesem Thema zu veröffentlichen.
III. Neuer Vorstand
Während der Mitgliederversammlung des Jungen Forums, dem inzwischen 40 Ökotrophologinnen und Ökotrophologen angehören, wurde ein neuer Vorstand gewählt: Esther Hansch und Sabine Holland standen nach vierjähriger Tätigkeit nicht mehr zur Verfügung. Statt dessen sind einstimmig Iris Peil (Universität Koblenz-Landau) und Konstantin von Normann (Universität Bonn) in den Vorstand gewählt worden. Dr. Margit Bölts wurde als Vorstandsmitglied bestätigt.
Angelika Sennlaub
Spektrum der Ökotrophologie
Am 17. und 18. November 2000 fand in den Räumen des Instituts für landwirtschaftliche Betriebslehre in Bonn das 8. Kolloquium mit Workshop und Mitgliederversammlung des Jungen Forums der dgh statt. Aus diesem Anlass trafen sich 36 Mitglieder und Interessierte in Bonn, um sich unter dem Motto "Spektrum der Ökotrophologie" zu informieren, auszutauschen und angeregt zu diskutieren. Wie es das Thema versprach, waren die beiden Tage ausgesprochen facettenreich und informativ: Am Freitag boten vier Referentinnen Einblick in sehr unterschiedliche ökotrophologische Themenbereiche, und am folgenden Samstag stellten sich die Teilnehmer im Rahmen eines Workshops dem Thema "Ökotrophologie - Eine zukunftsfähige Disziplin?". Ich will hier zunächst die Vorträge wiedergeben und anschließend vom Workshop berichten.
I. Die Vorträge mit anschließender Frage- und Diskussionsrunde
Vier Referentinnen präsentierten vier unterschiedliche Bereiche:
Silke Mardorf (Justus-Liebig-Universität Gießen) berichtete über ein laufendes Projekt des Lehrstuhls für Wirtschaftslehre des Privathaushalts zur Armutsprävention, Monika Heinis (aid) informierte über den aid, Angelika Sennlaub (ebenfalls Justus-Liebig-Universität Gießen) stellte ihr Dissertationsvorhaben mit dem Titel "Familiales Wohnen mit ‘Commons’ - Zumutung oder Zukunftschance?" vor, und Annegret Schade (Hochschule Anhalt) erläuterte das an ihrer Hochschule entwickelte und durchgeführte Konzept zur Beratung und Schulung hauswirtschaftlicher Kräfte zur Verbesserung ihrer Berufschancen.
Ansätze für Bildungs- und Beratungsarbeit von Haushalten in prekären Lebenslagen (Silke Mardorf)
Zur Zeit findet in Gießen am Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Privathaushalts (Prof. Uta Meier) ein Forschungsprojekt mit dem Titel "Haushaltsführung im Versorgungsverbund der Daseinsvorsorge - Stärkung von Haushaltsführungskompetenz durch Aufzeigen von Alternativen" statt.
Das Projekt wird seit einem Jahr im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BmFSFJ) durchgeführt; die Projektlaufzeit beträgt drei Jahre. Die Arbeitsgruppe hat sich das Ziel gesetzt, praktizierte Handlungsmuster wirtschaftlich und sozial benachteiligter Haushalte zu typisieren und darauf aufbauend mit Hilfe der von Prof. Rosemarie von Schweitzer (erem.) entwickelten Haushaltsanalyse einen präventiven Ansatz zu entwickeln, um Haushalten, die sich nahe der Armutsgrenze befinden, Hilfestellung durch Bildungs- und Beratungsangebote zu geben und ein Abrutschen in die Armut zu vermeiden.
Silke Mardorf stellte sehr plastisch zwei Haushalte vor, die bereits befragt worden sind, und rief damit allgemeine Betroffenheit hervor: Wenn auch den meisten Teilnehmern ähnliche Fälle aus der Literatur bekannt sind, sind konkrete Berichte dennoch erschütternd.
Aus diesem Grund verlief die anschließende Diskussion ausgesprochen lebhaft. Die größte Schwierigkeit sahen die Teilnehmer darin, die Zielgruppe mit Bildungs- und Beratungsmaßnahmen zu erreichen. Als ein erfolgversprechender Weg wurde das Einschalten von "Vermittlungsstellen" zur Hilfeplanung angesehen.
Der aid stellt sich vor: Vom Marshallplan zum Medienprofi
(Monika Heinis)
Der aid ist vor 50 Jahren im Rahmen des Marshallplans gegründet worden, um im Nachkriegsdeutschland die Bevölkerung über richtiges Ernährungsverhalten zu informieren und die landwirtschaftliche Produktion mit Hilfe von Information und Beratung zu steigern. Der Name aid steht dabei zum einen für Auswertungs- und Informationsdienst, zum anderen für Hilfe nach dem engl. "aid". Dieses Ziel ist im Wesentlichen innerhalb der vergangenen 50 Jahren gleichgeblieben: Wenn auch heute in Deutschland kein Hunger mehr herrscht, besteht doch nach wie vor die Notwendigkeit, die Vielzahl von Informationen und neuen Erkenntnissen zu sichten und auszuwerten, um Verbraucher, Landwirte und Multiplikatoren wie z.B. Lehrer zu informieren und ihnen entsprechendes Material zur Verfügung zu stellen. Dieses Material ist heute allerdings nicht mehr kostenlos, seit 1996 wird eine Schutzgebühr für die Medien erhoben, denn vorher gab es die verschiedenen Materialien "zwar ohne Kosten, aber häufig auch umsonst" (Heinis).
Der Vortrag von Monika Heinis bot einen gelungenen Einblick in ein mögliches Arbeitsfeld für Ökotrophologen.
Familiales Wohnen mit ‘Commons’ - Zumutung oder Zukunftschance? (Angelika Sennlaub)
Dieser Beitrag beschäftigte sich mit der Problematik des heutigen Ideals von Familienwohnen: Bei Bevölkerung und Politik herrscht das Ideal des freistehenden Einfamilienhauses am Stadtrand vor, obwohl dieses Einfamilienhaus sowohl den neuen Anforderungen an familiales Wohnen widerspricht (Wandel der Familien) als auch ökologischen Notwendigkeiten (Flächen- und Energieverbrauch). Eine Möglichkeit, dem zu begegnen und Wohnen in der Stadt attraktiv zu gestalten bei gleichzeitiger Beachtung des Nachhaltigkeitsgedankens kann das Wohnen mit 'Commons' sein. Der Begriff der 'Commons' (vgl. engl.: gemeinsam) geht zurück auf Scherhorn, der damit an die Tradition gemeinsamer Ländereien erinnert, der Allmenden. Im Zusammenhang mit Wohnen wird der Begriff ausgeweitet auf gemeinsam genutzte Flächen, Aktivitäten und Technik, zunächst unabhängig von der Frage des Besitzes. Die Frage der 'Commons' gerade für Familien zu diskutieren ist besonders interessant, da es für andere Gruppen der Bevölkerung verschiedene Konzepte des Wohnens mit gemeinsamen Flächen, Gütern oder Aktivitäten gibt, wie zum Beispiel für ältere Menschen das Betreute Wohnen oder für Ein-Eltern-Familien wohnen mit gemeinsamen Möglichkeiten der Kinderbetreuung - für Familien dagegen gibt es nur sehr zögerlich Ansätze in diese Richtung, obwohl hier sicherlich Bedarf besteht.
Hier sind allerdings eine Reihe von Fragen zu klären: Wie verhalten sich 'Commons' zum Anspruch der Privatheit, inwieweit verändern sie das Bild der Rolle der Mutter? Für welche Familientypen kommen solche Wohnformen in Frage und welche Organisationsstruktur wäre sinnvoll? Eine Fülle von Diskussionsstoff, der von den Teilnehmern der Tagung angeregt aufgegriffen wurde.
Beratung hauswirtschaftlicher Betriebe bei der Einführung neuer Konzepte - dargestellt am Beispiel eines Beratungs- und Schulungskonzeptes zur Einführung von Qualitätsmanagement
(Annegret Schade)
Die Qualität von hauswirtschaftlichen Leistungen in hauswirtschaftlichen Dienstleistungsbetrieben gewinnt immer mehr an Bedeutung. Aus diesem Grund startete vor drei Jahren ein transnationales Projekt, an dem sich Deutschland, die Niederlande und Finnland beteiligten. Für Deutschland war die Hochschule Bernburg unter der Leitung von Prof. Margot Steinel vertreten. Das Projektziel bestand darin, die Berufschancen für hauswirtschaftliche Mitarbeiterinnen zu verbessern, indem sie zum Qualitätsmanagement geschult werden sollten. Vor diesem Hintergrund entwickelten die Beteiligten einen Rahmen für ein europäisches Schulungskonzept, der länderspezifisch gefüllt und umgesetzt werden kann. In Deutschland wurde innerhalb dieses Rahmens die "Zusatzqualifizierung 'Qualitätsmanagement in Großhaushalten' zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen für hauswirtschaftliche Mitarbeiterinnen" entwickelt. Die Qualifizierung wird berufsbegleitend durchgeführt und ist darauf angelegt, das erlernte theoretische Wissen parallel zur Schulung umzusetzen, indem in den jeweiligen Betrieben ein Qualitätsmanagementsystem aufgebaut und ein Handbuch erstellt wird. Die ersten Qualifizierungsmaßnahmen sind bereits abgeschlossen.
Annegret Schade, die an der Entwicklung des Konzeptes beteiligt gewesen ist und die ersten Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt hat, stellte dieses sehr umfangreiche und beeindruckende Konzept vor und rief damit reges Interesse bei den Teilnehmern der Tagung hervor.
II. Workshop: "Ökotrophologie - eine zukunftsfähige Disziplin?".
Wie es der Tradition des Jungen Forums entspricht, fand am zweiten Tagungstag ein Workshop statt.
Eine Einführung in die Thematik leistete Dr. Rainer Hufnagel.
Verstehende und erklärende Sozialwissenschaften (Rainer Hufnagel)
Haushaltstheorie als Disziplin in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ist im besonderen Maß von den dort festzustellenden paradigmatischen Differenzen betroffen. Ein grundlegender methodischer Unterschied wird mit "verstehend" versus "erklärend" umschrieben. Ziel des Vortrags von Rainer Hufnagel war es, diese Unterschiede herauszuarbeiten, um die Kommunikation unter Haushaltswissenschaftlerinnen und Haushaltswissenschaftlern zu erleichtern.
Er erläuterte ausführlich die Herangehensweisen der verstehenden Sozialwissenschaften - Hermeneutik - und der erklärenden Sozialwissenschaften - Axiomatik - und zeigte Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf. Der wesentliche Unterschied liegt danach in der Frage des Sinns: Während der Gegenstand hermeneutischer Wissenschaften ein sinnhaftes, soziales Verstehen ist, ist im Sinne der Axiomatik "Sinn" nicht objektiv erklärbar und kann damit nicht Gegenstand von Wissenschaften sein. Diese Diskrepanz in Vorgehen und Verständnis ist die Ursache für ein gegenseitiges Nicht-Verstehen, das sich leicht ausweitet zu einer gegenseitigen Nicht-Akzeptanz. Rainer Hufnagel stellte in seinem Vortrag die provokante These auf: "Wissenschaftler reden aneinander vorbei, weil sie wissenschaftliche Theorien, in denen der andere steht, nicht kennen. Insbesondere bezieht sich das auf das Postulat der Adäquanz einerseits und die Rolle endogener Entitäten andererseits" (Hufnagel). Diese Gedanken lösten eine angeregte Diskussion aus, in deren Mittelpunkt das Bedürfnis nach mehr Akzeptanz oder Verständnis der verschiedenen Parteien füreinander stand.
Im Anschluß an diese Diskussion stellten verschiedene Studienstandorte ihr bisheriges Lehrangebot und geplante Veränderungen vor unter dem Motto:
Versuch einer inhaltlichen Bestandsaufnahme des Fachs Ökotrophologie an Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland
Hier wurden die Hochschulen aus Bernburg, Bonn, Fulda, Gießen, Hohenheim, Kiel, Osnabrück und Weihenstephan vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass die Angebote sowohl in Inhalt wie auch in Organisation stark variieren. Die Vor- und Nachteile einer solchen Vielfalt wurden intensiv diskutiert, und wir planen, einen eigenständigen kurzen Bericht zu diesem Thema zu veröffentlichen.
III. Neuer Vorstand
Während der Mitgliederversammlung des Jungen Forums, dem inzwischen 40 Ökotrophologinnen und Ökotrophologen angehören, wurde ein neuer Vorstand gewählt: Esther Hansch und Sabine Holland standen nach vierjähriger Tätigkeit nicht mehr zur Verfügung. Statt dessen sind einstimmig Iris Peil (Universität Koblenz-Landau) und Konstantin von Normann (Universität Bonn) in den Vorstand gewählt worden. Dr. Margit Bölts wurde als Vorstandsmitglied bestätigt.
Angelika Sennlaub
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