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DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR HAUSWIRTSCHAFT e.V.

 
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Junges Forum - Beirat für Nachwuchsarbeit in der dgh

Kolloquium 1997

5. Kolloquium und Mitgliederversammlung des dgh-Nachwuchses

Junges Forum stößt in Bonn auf große Resonanz

Unter dem Motto „Haushaltswissenschaft in Theorie und Praxis” fand am 21. und 22. November 1997 das fünfte Kolloquium des Jungen Forums der dgh statt. Die Resonanz war sehr gut: Über 30 Teilnehmer kamen nach Bonn.

Acht ReferentInnen kamen, um ihre Arbeitsschwerpunkte und Tätigkeiten zur Diskussion zu stellen. Dazu stand nach jedem Beitrag genügend Zeit zur Verfügung, die auch ausgiebig genutzt wurde.

Haushalts-Unternehmens-Komplexe – Begriff und Quantifizierung
(Esther Hansch)

Zunächst gewährte Esther Hansch von der Universität Bonn mit dem Referat „Haushalts-Unternehmens-Komplexe (HUK): Überlegungen zur Begriffsabgrenzung und zur Quantifizierung” einen Einblick in ihre Arbeiten. Nachdem sie Grundgedanken zur Einführung eines neuen Begriffs nachgezeichnet hatte, stellte sie die Definition des Haushalts-Unternehmens-Komplexes vor. Die Quantifizierung basierte auf dem Mikrozensus, den sie mit seinen Möglichkeiten und Grenzen im Hinblick auf HUK vorstelle. Abschließend fasste Frau Hansch die bisherigen Untersuchungsergebnisse zusammen. Inwieweit die Scheinselbständigkeit auf die steigende Zahl der Selbständigen Einfluss nimmt, wird noch zu klären sein.

Beratungssystem besonders für kleine HUK sinnvoll (Sabine Hadaschik)
Sabine Hadaschik, ebenfalls von der Universität Bonn, führte in ihrem Vortrag das Thema HUK fort. Sie berichtete über das Konzept und die Ergebnisse einer empirischen Studie, bei der vor allem Unternehmerinnen berücksichtigt wurden. Nach der Erfassung soziodemographischer sowie Haushalts- und Unternehmensdaten wurde außerdem das Sozialsystem der HUK untersucht. Dabei spielten besonders räumliche, zeitliche und soziale Verflechtung eine große Rolle. Analysiert wurde auch das Informationsverhalten der Haushalts-Unternehmens-Komplexe, insbesondere hinsichtlich der Kontrolle von Haushalts- und Unternehmensfinanzen. Zusätzlich wurden die Befragten um eine Einschätzung ihrer persönlichen Situation als Selbständige gebeten. Zusammenfassend stellte Frau Hadaschik heraus, dass die Entwicklung eines Analyse- und Beratungssystems speziell für kleine Verbundsysteme aus Haushalt und Unternehmen sinnvoll erscheint.

Verschuldung privater Haushalte in Finnland (Johanna Peltola)
Mit der Verschuldungssituation privater Haushalte in Finnland befasste sich Johanna Peltola, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Helsinki, in ihrem Beitrag “Coping with Debt Adjustment”. Sie stellte einige Gründe, wie Unternehmensaufgabe und Kauf von Wohneigentum, im wirtschaftlichen Kontext dar, um dann das Insolvenzrecht für überschuldete private Haushalte in Finnland zu skizzieren. Den Haushalten bietet sich hier die Möglichkeit, nach siebenjährigem „Wohlverhalten” wieder schuldenfrei zu sein. Wie diese Haushalte, die sich in Maßnahmen des Insolvenzrechts befinden, ihre Schuldensituation in den Griff bekommen, wird Schwerpunkt der weiteren Forschungsaktivitäten von Frau Peltola sein.


Fortbildungsarbeit mit hauswirtschaftlichen Fachkräften (Elisabeth Doll)
Von Elisabeth Doll, die als Bildungsreferentin am Meinwerk-Institut, Paderborn tätig ist, wurde die vielseitige Fortbildungsarbeit mit hauswirtschaftlichen MitarbeiterInnen karitativer Einrichtungen dargestellt. Die von ihr durchgeführten Schulungen umfassen alle hauswirtschaftlichen Bereiche von Ernährung bis hin zu Raumpflege und werden sowohl von Führungskräften als auch von Auszubildenden besucht. In ihrem Vortrag sprach Frau Doll außerdem die Problemlage der Hauswirtschaft in Großhaushalten an, wobei sie das Imageproblem der Berufsgruppe und die Diskrepanz zwischen Ausbildungsinhalten und Praxisanforderungen besonders verdeutlichte. Am Beispiel einiger Stellenanzeigen veranschaulichte sie, daß auch Arbeitgeber z. T. nicht wissen, welches Qualifikationsprofil sie bei welcher Berufsbezeichnung erwarten dürfen.

Haushaltswissenschafliche Paradigmen (Rainer Hufnagel)
Nach diesem praxisbezogenen Beitrag referierte Dr. Rainer Hufnagel von der Universität Hohenheim über „Haushaltswissenschaftliche Paradigmen zwischen Realismus und Relativismus”, wobei er zunächst die Entwicklung von der Moderne zur Postmoderne nachzeichnete. An Beispielen zeigte Herr Hufnagel auf, dass auch in den Haushaltswissenschaften Muster postmoderner Argumentation verwendet werden. Des weiteren wies er auf die Argumente der Gegner des Postmodernismus hin. In Bezug auf die Haushaltswissenschaften lässt sich resümieren, dass trotz der Auseinandersetzungen zwischen Relativismus und Realismus die inhaltliche Forschung nicht vernachlässigt werden darf.

Entwicklung eines Haushaltsführungsbuches (Petra Warnecke)
Die „Entwicklung eines Haushaltsführungsbuches auf empirischer Grundlage – Einfluss der Erkenntnisse auf die heutige Tätigkeit” war Gegenstand des Vortrags von Dr. Petra Warnecke. Auf der Grundlage der Ergebnisse von qualitativen und quantitativen Befragungen wurde eine Testversion des Haushaltsbuches entwickelt, die in der Praxis erprobt und bewertet wurde. Daraus entstand das im Baukastenprinzip gestaltete Neue Haushaltsbuch der dgh, das mit einem Grund- und einem Ergänzungsprogramm viele Wahlmöglichkeiten zur Planung und Kontrolle der Einnahmen und Ausgaben sowie von Geldvermögen und Schulden bietet. Derzeit ist Frau Warnecke als Mitarbeiterin des Dualen Systems Deutschland in der Abteilung Kommunikation und Marketing beschäftigt, wo sie die methodologischen Erkenntnisse nutzen kann, die sie bei der Entwicklung des Haushaltsbuches gewinnen konnte.

Mobilität und Verkehr als Thema der Haushaltswissenschaft
(Thomas Zängler)

Thomas Zängler von der TU München-Weihenstephan machte darauf aufmerksam, dass Mobilität und Verkehr auch für die Haushaltswissenschaft ein Thema ist, da private Haushalte in der Verkehrsstatistik eine bedeutende Rolle spielen und Mobilität für den Haushalt zur Erreichung seiner Ziele einen wesentlichen Bestandteil darstellt. Mit dem Projekt „Mobilität ’97” versucht er, diesen Zusammenhang empirisch herauszuarbeiten. Die Teilnehmer einer repräsentativen Befragung sollten drei Tage lang die zurückgelegten Wege in ein persönliches Wegetagebuch eintragen. In einem zusätzlichen Fragebogen wurden weitere Haushaltsdaten ermittelt. Aufgrund der Datenfülle war die Auswertung noch nicht abgeschlossen.

Informationssystem für eine optimale Ernährung (Susanne Gerhard)
Susanne Gerhard von der TU München-Weihenstephan stellte am PC ihr Informationssystem zur Bestimmung einer optimalen Ernährung (ISBO) vor. Mit dieser Anwendung können individuelle Speisepläne für den privaten Haushalt erstellt werden. Die erforderlichen Daten werden – neben persönlichen Daten des Anwenders – in einer Datenbank verwaltet. Der Speiseplan wird mit der Methode der gemischt-ganzzahligen Optimierung berechnet. Der Benutzer kann zwischen minimalen Lebensmittelkosten oder minimaler Arbeitszeit wählen. Das Informationssystem soll sowohl von Beratungskräften als auch von privaten Haushalten genutzt werden.

Themenvielfalt wird beibehalten
Am Abend des ersten Tages fand die Mitgliederversammlung des Jungen Forums statt. Die Versammlung beschloss, die Themenvielfalt der Kolloquien beizubehalten und keine inhaltlichen Schwerpunkte zu setzen. Auch Referenten aus der Praxis sollten weiterhin ein Forum in der Gruppe haben. Beibehalten wird der informelle Charakter der Kolloquien, um auch noch nicht abgeschlossene Forschung präsentieren oder Vortragsweisen testen zu können.

Karin Vogel und Klaus-Martin Forst

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