Junges Forum - Beirat für Nachwuchsarbeit in der dgh
Kolloquium 1998
6. Kolloquium und Mitgliederversammlung des Jungen Forums
Facetten der Haushaltswissenschaft
Auch in diesem Jahr zeichnete sich das Kolloquium des Jungen Forums der dgh durch eine rege Beteiligung aus: Über 20 Interessierte kamen nach Bonn, um sich zwei Tage über die "Facetten der Haushaltswissenschaft" auszutauschen. Das Motto spiegelt die Themenvielfalt wider, die am 20. und 21. November 1998 angesprochen wurde.
Fünf Referenten präsentierten den Zuhörern auf dem 6. Kolloquium des Jungen Forums der dgh die unterschiedlichsten Themenbereiche der Haushaltswissenschaft. Die abwechslungsreichen Vorträge zeigten verschiedene Perspektiven auf und regten intensive Diskussionen an.
Geld- und Arbeitswirtschaft sowie Wert der hauswirtschaftlichen Leistungen privater Haushalte im Freistaat Sachsen (Iris Peil)
Hintergrund für das von Iris Peil vorgestellte Projekt, das vom Land Sachsen finanziert wurde, war der Neuaufbau der hauswirtschaftlichen Beratung in Sachsen. Hierfür wurden Informationen über die Geld- und Arbeitswirtschaft privater Haushalte in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung benötigt; besonderes Interesse galt den landwirtschaftlichen Privathaushalten.
Die Datenerhebung erfolgte mit Hilfe von Haushaltstagebüchern, in die Zeitaufwand und Ausgaben eingetragen wurden. Diese Daten flossen ein in eine Kosten-Leistungs-Rechnung. Iris Peil ging vor allem auf die Probleme ein, die mit der Anwendung dieses betriebswirtschaftlichen Instruments verbunden waren. Zusätzlich wies sie auf die Schwierigkeiten bei der Auswahl einer repräsentativen Stichprobe hin. Die Ergebnisse insgesamt zeigen, dass sich die sächsischen Haushalte in ihrer Geld- und Arbeitswirtschaft nicht wesentlich vom deutschen Durchschnitt unterscheiden.
Mobilität privater Haushalte im Ballungsraum (Anja Hensel)
Im Mittelpunkt der Dissertation von Anja Hensel, TU München, steht der Konflikt zwischen den Ansprüchen an die Verkehrsinfrastruktur eines Ballungsraums und den Ansprüchen der Bewohner an die Lebensqualität. Zur Beschreibung der Situation wurden verschiedene Verkehrskennziffern, wie zum Beispiel die Tagesverkehrsleistung pro Person oder die Anzahl der Wege, die eine Person pro Tag zurücklegt, vorgestellt. Deren Berechnung basiert auf der Studie "Mobilität 97", die aus dem Kolloquium des vergangenen Jahres bekannt war.
Weiterhin erläuterte Anja Hensel die Begriffe "Verknüpfung" und "Verkettung". Während bei der Verknüpfung nur zwei Haushaltsaktivitäten betrachtet werden, die über Wege verknüpft sind, bilden Verkettungen die Aktivitäten und Wege des gesamten Betrachtungszeitraumes (in der Regel ein Tag) ab. Beide Betrachtungsweisen machen deutlich, daß die Wohnung im Nacheinander der mit Mobilität verbundenen Haushaltsaktivitäten eine zentrale Rolle spielt, da sie im Verlauf des Tages immer wieder aufgesucht wird.
Analyse des Verbrauchs von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder (Sandra Kohler)
Sandra Kohler, ebenfalls TU München, präsentierte die Ergebnisse ihrer Diplomarbeit, die in Zusammenarbeit mit der Marketingabteilung eines Säuglingskostherstellers entstanden ist. Ausgangspunkt war die Frage, welche Kostformen Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 5 bis 24 Monaten täglich gegeben werden und welche die Gründe für die Wahl der Nahrungsmittel sind. Insbesondere für Kleinkinder im zweiten Lebensjahr lagen hierzu bisher wenig Informationen vor.
Als Vorgehensweise wählte Sandra Kohler die schriftliche Befragung; die Eltern wurden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen sowie ein 24-Stunden-Ernährungsprotokoll zu führen. Es wurden u. a. folgende Fragen gestellt: Wann wurde zum ersten Mal Beikost gefüttert? Welche Art der Beikost wurde gewählt und warum? Welche Gründe sprechen aus Sicht der Eltern für oder gegen industriell produzierte Kost? Es zeigte sich, dass der Großteil der Befragten die Kinder den derzeitigen Empfehlungen entsprechend ernährt. Während im ersten Lebensjahr gern auf industriell hergestellte Gläschenkost zurückgegriffen wird, halten die meisten Eltern dies im zweiten Lebensjahr nicht mehr für erforderlich.
Die Stone-Geary-Nutzenfunktion in informationsökonomischer Sicht
(Dr. Rainer Hufnagel)
Dr. Rainer Hufnagel von der Universität Hohenheim stellte zentrale Ergebnisse seiner Habilitationsarbeit vor. Er erläuterte einführend die einzelnen Elemente der Stone-Geary-Nutzenfunktion und ging auf den Begriff der Information aus der Sicht verschiedener Wissenschaftsdisziplinen ein. Am Beispiel eines Konsumenten auf der Suche nach dem günstigsten Preis für ein Gut erweiterte Rainer Hufnagel sukzessive das Suchmodell von Stigler (1961) in der Weise, dass die Suche zunächst auf das preiswerteste Güterbündel und schließlich auf die Alternative des Haushaltshandelns mit den geringsten Kosten der Haushaltsführung ausgedehnt wurde. Bei dieser Erweiterung wird Nutzen durch Information gemessen. Letztendlich impliziert dies, dass eine Veränderung der "Disutility" dem Aufwand zur Ordnungsbildung gegenübersteht. Diese Erkenntnis fließt in eine korrigierende Erklärung der Nutzentheorie ein und eröffnet einen neuen Blick auf den Wirtschaftskreislauf.
Informations- und Kommunikationstechnologie in privaten Haushalten (Claudia Busch)
In ihrem Vortrag stellte Claudia Busch ihr Dissertationsprojekt an der Universität Kiel vor, in dem sie sich mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Privathaushalten auseinandersetzt. Ebenso wie in Unternehmen und Verwaltungen, verbreiten sich Anwendungen dieser Technologien zunehmend auch in Haushalten. Claudia Busch versucht, den Umfang der Verbreitung von digitaler IKT in privaten Haushalten zu prognostizieren. Hierzu wird eine schriftliche Befragung nach der Delphi-Methode durchgeführt, an der Experten aus Forschungs- und Beratungseinrichtungen sowie aus Unternehmen teilnehmen.
Weitere Ziele ihrer Arbeit sind die Identifikation von möglichen zukünftigen Anwendungsproblemen dieser Technologien und von Ansatzpunkten für die haushaltswissenschaftliche Forschung. Bisher wird das Thema Informations- und Kommunikationstechnologie in privaten Haushalten in der Haushaltsökonomik eher als ein Randphänomen behandelt.
Neuer Vorstand wurde gewählt
Am Abend des ersten Tages fand die Mitgliederversammlung des Jungen Forums statt, auf der ein neuer Vorstand gewählt und Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit diskutiert wurden. Nach vierjähriger Mitarbeit schied Dr. Petra Warnecke aus dem Vorstand aus. Die Mitglieder danken ihr auf diesem Wege noch einmal für ihr Engagement für das Junge Forum. Neu in den Vorstand wurde Dr. Margit Bölts gewählt. Sie wird gemeinsam mit Sabine Hadaschik und Esther Hansch in den nächsten zwei Jahren die anstehenden Aufgaben in Angriff nehmen.
Claudia Busch
Esther Hansch
Facetten der Haushaltswissenschaft
Auch in diesem Jahr zeichnete sich das Kolloquium des Jungen Forums der dgh durch eine rege Beteiligung aus: Über 20 Interessierte kamen nach Bonn, um sich zwei Tage über die "Facetten der Haushaltswissenschaft" auszutauschen. Das Motto spiegelt die Themenvielfalt wider, die am 20. und 21. November 1998 angesprochen wurde.
Fünf Referenten präsentierten den Zuhörern auf dem 6. Kolloquium des Jungen Forums der dgh die unterschiedlichsten Themenbereiche der Haushaltswissenschaft. Die abwechslungsreichen Vorträge zeigten verschiedene Perspektiven auf und regten intensive Diskussionen an.
Geld- und Arbeitswirtschaft sowie Wert der hauswirtschaftlichen Leistungen privater Haushalte im Freistaat Sachsen (Iris Peil)
Hintergrund für das von Iris Peil vorgestellte Projekt, das vom Land Sachsen finanziert wurde, war der Neuaufbau der hauswirtschaftlichen Beratung in Sachsen. Hierfür wurden Informationen über die Geld- und Arbeitswirtschaft privater Haushalte in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung benötigt; besonderes Interesse galt den landwirtschaftlichen Privathaushalten.
Die Datenerhebung erfolgte mit Hilfe von Haushaltstagebüchern, in die Zeitaufwand und Ausgaben eingetragen wurden. Diese Daten flossen ein in eine Kosten-Leistungs-Rechnung. Iris Peil ging vor allem auf die Probleme ein, die mit der Anwendung dieses betriebswirtschaftlichen Instruments verbunden waren. Zusätzlich wies sie auf die Schwierigkeiten bei der Auswahl einer repräsentativen Stichprobe hin. Die Ergebnisse insgesamt zeigen, dass sich die sächsischen Haushalte in ihrer Geld- und Arbeitswirtschaft nicht wesentlich vom deutschen Durchschnitt unterscheiden.
Mobilität privater Haushalte im Ballungsraum (Anja Hensel)
Im Mittelpunkt der Dissertation von Anja Hensel, TU München, steht der Konflikt zwischen den Ansprüchen an die Verkehrsinfrastruktur eines Ballungsraums und den Ansprüchen der Bewohner an die Lebensqualität. Zur Beschreibung der Situation wurden verschiedene Verkehrskennziffern, wie zum Beispiel die Tagesverkehrsleistung pro Person oder die Anzahl der Wege, die eine Person pro Tag zurücklegt, vorgestellt. Deren Berechnung basiert auf der Studie "Mobilität 97", die aus dem Kolloquium des vergangenen Jahres bekannt war.
Weiterhin erläuterte Anja Hensel die Begriffe "Verknüpfung" und "Verkettung". Während bei der Verknüpfung nur zwei Haushaltsaktivitäten betrachtet werden, die über Wege verknüpft sind, bilden Verkettungen die Aktivitäten und Wege des gesamten Betrachtungszeitraumes (in der Regel ein Tag) ab. Beide Betrachtungsweisen machen deutlich, daß die Wohnung im Nacheinander der mit Mobilität verbundenen Haushaltsaktivitäten eine zentrale Rolle spielt, da sie im Verlauf des Tages immer wieder aufgesucht wird.
Analyse des Verbrauchs von Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder (Sandra Kohler)
Sandra Kohler, ebenfalls TU München, präsentierte die Ergebnisse ihrer Diplomarbeit, die in Zusammenarbeit mit der Marketingabteilung eines Säuglingskostherstellers entstanden ist. Ausgangspunkt war die Frage, welche Kostformen Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 5 bis 24 Monaten täglich gegeben werden und welche die Gründe für die Wahl der Nahrungsmittel sind. Insbesondere für Kleinkinder im zweiten Lebensjahr lagen hierzu bisher wenig Informationen vor.
Als Vorgehensweise wählte Sandra Kohler die schriftliche Befragung; die Eltern wurden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen sowie ein 24-Stunden-Ernährungsprotokoll zu führen. Es wurden u. a. folgende Fragen gestellt: Wann wurde zum ersten Mal Beikost gefüttert? Welche Art der Beikost wurde gewählt und warum? Welche Gründe sprechen aus Sicht der Eltern für oder gegen industriell produzierte Kost? Es zeigte sich, dass der Großteil der Befragten die Kinder den derzeitigen Empfehlungen entsprechend ernährt. Während im ersten Lebensjahr gern auf industriell hergestellte Gläschenkost zurückgegriffen wird, halten die meisten Eltern dies im zweiten Lebensjahr nicht mehr für erforderlich.
Die Stone-Geary-Nutzenfunktion in informationsökonomischer Sicht
(Dr. Rainer Hufnagel)
Dr. Rainer Hufnagel von der Universität Hohenheim stellte zentrale Ergebnisse seiner Habilitationsarbeit vor. Er erläuterte einführend die einzelnen Elemente der Stone-Geary-Nutzenfunktion und ging auf den Begriff der Information aus der Sicht verschiedener Wissenschaftsdisziplinen ein. Am Beispiel eines Konsumenten auf der Suche nach dem günstigsten Preis für ein Gut erweiterte Rainer Hufnagel sukzessive das Suchmodell von Stigler (1961) in der Weise, dass die Suche zunächst auf das preiswerteste Güterbündel und schließlich auf die Alternative des Haushaltshandelns mit den geringsten Kosten der Haushaltsführung ausgedehnt wurde. Bei dieser Erweiterung wird Nutzen durch Information gemessen. Letztendlich impliziert dies, dass eine Veränderung der "Disutility" dem Aufwand zur Ordnungsbildung gegenübersteht. Diese Erkenntnis fließt in eine korrigierende Erklärung der Nutzentheorie ein und eröffnet einen neuen Blick auf den Wirtschaftskreislauf.
Informations- und Kommunikationstechnologie in privaten Haushalten (Claudia Busch)
In ihrem Vortrag stellte Claudia Busch ihr Dissertationsprojekt an der Universität Kiel vor, in dem sie sich mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in Privathaushalten auseinandersetzt. Ebenso wie in Unternehmen und Verwaltungen, verbreiten sich Anwendungen dieser Technologien zunehmend auch in Haushalten. Claudia Busch versucht, den Umfang der Verbreitung von digitaler IKT in privaten Haushalten zu prognostizieren. Hierzu wird eine schriftliche Befragung nach der Delphi-Methode durchgeführt, an der Experten aus Forschungs- und Beratungseinrichtungen sowie aus Unternehmen teilnehmen.
Weitere Ziele ihrer Arbeit sind die Identifikation von möglichen zukünftigen Anwendungsproblemen dieser Technologien und von Ansatzpunkten für die haushaltswissenschaftliche Forschung. Bisher wird das Thema Informations- und Kommunikationstechnologie in privaten Haushalten in der Haushaltsökonomik eher als ein Randphänomen behandelt.
Neuer Vorstand wurde gewählt
Am Abend des ersten Tages fand die Mitgliederversammlung des Jungen Forums statt, auf der ein neuer Vorstand gewählt und Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit diskutiert wurden. Nach vierjähriger Mitarbeit schied Dr. Petra Warnecke aus dem Vorstand aus. Die Mitglieder danken ihr auf diesem Wege noch einmal für ihr Engagement für das Junge Forum. Neu in den Vorstand wurde Dr. Margit Bölts gewählt. Sie wird gemeinsam mit Sabine Hadaschik und Esther Hansch in den nächsten zwei Jahren die anstehenden Aufgaben in Angriff nehmen.
Claudia Busch
Esther Hansch
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