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DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR HAUSWIRTSCHAFT e.V.

 
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Junges Forum - Beirat für Nachwuchsarbeit in der dgh

Kolloquium 2009

Junges Forum - Beirat für Nachwuchsarbeit in der dghVerbraucher - Haushalt - Familie

Am 23. und 24. Oktober kamen junge Haushaltswissenschaftler aus aller Welt in Bonn zusammen, um sich den Themenschwerpunkten Verbraucher - Haushalt - Familie zuzuwenden. Neben sieben fachwissenschaftlichen Vorträgen gab es im Rahmenprogramm Möglichkeiten, internationale Kontakte zu knüpfen und auszubauen.

Die Stärkung der Stellung von Verbrauchern und Familien in Haushalten ist ein grundlegendes Anliegen der Hauswirtschaft(-swissenschaft). Das Wohlbefinden eines jeden Menschen ist das Ergebnis von alltäglichen Praktiken im Haushalt. Diese alltäglichen Aktivitäten beruhen auf Fähigkeiten und Kompetenzen der Haushalts- und Familienmitglieder. Ihr Vorhandensein ist Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit lokaler und globaler Gemeinschaften. Die Reichweite dieser Praktiken kann demzufolge als Basis für eine nachhaltige Entwicklung auf glokalen Ebenen gesehen werden was sich in der Verwirklichung von nachhaltigen Lebensstilen im Alltag bzw. Haushalt in ökonomische, soziale und ökologische Dimensionen ermöglichen. So drehte sich ein Teil der Vorträge rund um eine nachhaltige Entwicklung.
Verschiedene Faktoren beeinflussen das Wohlbefinden der Verbraucher im Haushalt. Die Hauswirtschaft ist sich dieser multidimensionaler Phänomene und Herausforderungen des Alltags bewusst und versucht diesen inter- bzw. transdisziplinär zu begegnen. Unter Hauswirtschaft können in diesem Kontext nach dem IVHW vier grundlegende Dimensionen verstanden werden: Hauswirtschaft als akademische Disziplin, Hauswirtschaft als Schul- bzw. Lehrfach, Hauswirtschaft als Dimension zur Gestaltung und zur Beeinflussung politischer, sozialer, kultureller, ökologischer, ökonomischer und technologischer Systeme sowie Hauswirtschaft praktiziert im alltäglichen Leben jedes Individuums in Haushalten und hauswirtschaftlichen Dienstleistungsbetrieben. Im Alltagsleben umfasst Hauswirtschaft vielfältige Aspekte wie beispielsweise Ernährung und Gesundheit, Umgang mit sowie Produktion von Nahrung, Textilien und Bekleidung, Leben und Wohnen, Verbraucherfragen, Haushaltsmanagement, Haushaltstechnik.

Nach einer kurzen Einführung und Vorstellung aller Teilnehmer referierte Sylvia Lorek vom Forschungsinstitut für ein nachhaltiges Europa (Sustainable Europe Research Institute - SERI) über nachhaltigen Konsum. Im Rahmen von Umweltdebatten in nationalen, europäischen und globalen Governance-Prozessen gewinnt Nachhaltigkeit und nachhaltiger Konsum immer mehr Aufmerksamkeit. Ausgehend von einer Unterscheidung zwischen starker und schwacher Nachhaltigkeit, wies Sylvia Lorek darauf hin, dass der dominierende Ansatz als zu schwach zu erachten sei, um einen nachhaltige Wandel der Konsummuster zu erreichen. Laut Lorek ist eine breitere und strukturelle Wahrnehmung vonnöten. Diskutiert wurde ein forschungsorientierter und auf Indikatoren für nachhaltigen Konsum basierender Forschungsansatz, der den Einfluss der Globalisierung auf die Möglichkeiten für nachhaltigen Konsum und die Analyse der verschiedenen Zuständigkeiten und Interessen der verschiedenen Akteure aus den Haushalten von zwischenstaatlichen Organisationen (IGO) berücksichtigt.

Die Grundlage für den zweiten Vortrag bildete ebenfalls die globale Erderwärmung bzw. der Klimawandel. Petra Berkholz berichtete über ein Forschungsprojekt, welches an der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit britischen Kollegen durchgeführt wurde. Im Rahmen ihrer Promotion erforscht Petra Berkholz das weltweite Geschirrspülverhalten. Der Vortrag präsentierte Ergebnisse einer Studie aus dem Vereinigten Königreich. Die weltweite Nachfrage nach natürlichen und nicht erneuerbaren Ressourcen nimmt stetig zu, Stichworte dazu sind hier die globale Erwärmung und Klimawandel. In diesem Zusammenhang spielt der private Verbrauch eine zentrale Rolle, da Wasser und Energie für verschiedene Haushaltsaktivitäten benötigt werden, zum Beispiel für manuelles und automatisches Geschirrspülen. Da Forschungsergebnisse zu manuellem Geschirrspülverhalten in Europa bislang nicht auf einer repräsentativen Ebene zu finden sind, da die vorhandenen Studien auf einer zu geringen Anzahl an Teilnehmern beruhen, gibt diese Studie einen repräsentativen Blick auf das Abwaschverhalten der Verbraucher im Vereinigten Königreich. Neben den individuellen Einstellungen wurden auch die Menge an Wasser und Energie sowie Zeit für die und Qualität der Reinigung betrachtet. Darüber hinaus wurde ein Vergleich zum automatischen Geschirrspülen mit Maschinen gezogen.

Anna Kosonen berichtete von einem Forschungsprojekt im Rahmen ihrer Abschlussarbeit am Institut für Hauswirtschaftslehre und Handarbeits-wissenschaften an der Universität Helsinki. Sie betrachtet in ihrer Masterarbeit die Beziehungen zwischen einem Haushalt und seinem institutionellen und sozialen Umfeld. Die Verbesserung der Lebensqualität im Alltag soll untersucht werden. Die vorgestellte Arbeit ist Teil eines Projektes zur Alltagsbalance (finn. „Arki haltuun“). Dieses Projekt wird in Kooperation mit der finnischen Familienföderation, einer Organisation aktiv im finnischen Sozial- und Gesundheitswesen und der Universität Helsinki durchgeführt und von Pirjo Korvela geleitet. Familien und Haushalte mit sozialen Problemen werden in dem Projekt begleitet und analysiert um deren Lebensqualität zu verbessern. Die Methode der „Sequence Maps“ wird von Familien- und Sozialarbeitern angewendet und soll in dem Projekt weiterentwickelt werden, um Menschen in Problemlagen Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltages zu bieten. Im Speziellen geht es in ihrer Master-Arbeit darum, herauszufinden, in welcher Weise die soziale und institutionelle Umwelt rund um den Haushalt zur Verbesserung des Wohlbefindens seiner Mitglieder beitragen kann. Als theoretischen Ausgangspunkt wird ein Modell zu privaten Haushaltsaktivitäten zu Grunde gelegt. Dieses Modell beschreibt, wie Aktivitäten im häuslichen Alltag aufgebaut sind, so dass Unterschiede im Rahmen der Zusammenhänge innerhalb des Haushalts sowie zwischen Wohnraum und sozialen sowie gesellschaftlichen Netzwerken herauszustellen sind. Wenn diese Netzwerke sich lösen, besteht die Gefahr, dass sich auch die Alltagsstruktur dieser Familien sich aufzulösen beginnt und die Struktur geschwächt wird. Mit Hilfe qualitativer Forschungsmethoden werden Interview-Daten analysiert. Die noch ausstehenden Ergebnisse sollen neue Informationen in das Projekt einbringen um zur Weiterentwicklung der Arbeit beitragen.

Ebenfalls an der Universität Helsinki, jedoch beim Institut für Wirtschaftswissenschaften angesiedelt, referierte Stefan Wahlen über den Zusammenhang von Routinen im Alltag und nachhaltiger Entwicklung. Im Rahmen eines Teilprojektes zur Promotion beschäftigt sich Stefan Wahlen mit alltäglichen Praktiken im Haushaltskontext und deren Wechselwirkungen in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung. Es wurden Interdependenzen zwischen Mikro-Haushalts- und Makro-Gesellschafts-Ebene unterstellt, um zu erläutern, dass eine nachhaltige Entwicklung, gefördert durch Verbraucherpolitik, den routinisierten Charakter von Verbrauch anzuerkennen hat. Die Debatte über nachhaltigen Verbrauch appelliert oftmals an die Verantwortung der Konsumenten ohne zu bedenken, dass Verbrauchsprozesse nicht unbedingt durch Entscheidungsprozesse, sondern vielmehr von Routinen geprägt sind.
Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Verbraucher in ihrem alltäglichen Leben zu einem geringen Teil verantwortungsbewusst gegenüber natürlicher, sozialer und wirtschaftlicher Umwelt handeln. Daher wurde im Vortrag versucht, routinisierten Verbrauch als ein möglicher Ansatz zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung zu erläutern. Eine wichtige Rolle kommt hier der Verbraucherpolitik zu. Dort bestehen mehrere Visionen oder Leitbilderbilder des Verbrauchers. Der Modell eines mündigen Konsumenten, oder eines Bürger-Verbraucher, dominiert derzeitige Debatten, so dass dem Verbraucher zumindest in Teilen Verantwortung für das Ergebnis des Verbrauches zugeschrieben wird. Vor dem erläuterten Hintergrund sollte die Tatsache, dass Verbrauch in Routinen stattfindet, stärker berücksichtigt werden, um zu einer starken nachhaltigen Entwicklung zu kommen, wie sie von Sylvia Lorek in ihrem ersten Beitrag gefordert wurde.

An die Vorträge des ersten Tagungstages schloss sich eine Stadtführung durch die Bonner Innen- und Altstadt an. Auf den Spuren Ludwig van Beethovens konnten auch die Teilnehmer aus Bonn noch einiges Geschichtliches über die Stadt erfahren. Bei einem gemeinsamen Abendessen klang der erste Tag aus.

Die Mitgliederversammlung des JUNGEN FORUMS stellte die Eröffnung des zweiten Veranstaltungstages dar. Hier wurde ein neuer Vorstand gewählt, da Christine Volk-Uhlmann und Markus Draaken aus beruflichen Gründen nicht mehr weiter im Vorstand tätig sein konnten. Neu in den Vorstand wurden einstimmig Insa Deeken und Ina Zimmer gewählt. Die anwesenden Mitglieder wählten einstimmig Stefan Wahlen wieder zum Vorsitzenden des Jungen Forums.
Des Weiteren stand das Jahrbuch Junge Haushaltswissenschaft zur Diskussion. Ab der kommenden Ausgabe wird es in einem neuem Layout erscheinen. Die einzelnen Ausgaben des Jahrbuchs Junge Haushaltswissenschaft sind über die Geschäftsstelle der dgh zum Preis von jeweils 10 Euro zu beziehen.

Nach der Mitgliederversammlung startete die Vortragsreihe mit einem Bericht aus Asien. Sujin Lee aus Korea informierte über ein Forschungsprojekt, welches sie im Rahmen ihrer Promotion in Japan fertigstellen konnte. Zur Ermittlung von multiplen Strukturen bei der Entscheidungsfindung in Zweierbeziehungen in Korea unterschied Sujin Lee zwei Arten von Ressourcen: Zeit und Geld. Vor diesem Hintergrund wurden die Bedingungen für das Finanzmanagement, insbesondere die Entscheidungsfindungskraft bezüglich monetärer Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Lebensstandard, analysiert. Mit Hilfe von Surveydaten wurden die Bedingungen der finanziellen Verwaltung untersucht. Zur Erfassung von Effekten der multiplen Entscheidungsstruktur wurden Regressionsanalysen durchgeführt.
Die Ergebnisse der Studie stellen heraus, dass in 42,8 % der Paarbeziehungen hauptsächlich die Frau für das Finanzmanagement zuständig ist. In 42,3 % der Partnerschaften fanden Entscheidungen gemeinschaftlich statt. Es war festzustellen, dass die Zufriedenheit mit der derzeitigen Art und Weise Verantwortung zu übernehmen einen positiven Einfluss auf Zufriedenheit mit der ehelichen Beziehung mit sich bringt. Mit anderen Worten, die Paare, die auf der Ebene des Finanzmanagements zufrieden sind, sind ebenfalls mit ihren ehelichen Beziehung zufrieden. Abschließend konnte festgestellt werden, dass die Entscheidungsfindungsstruktur im Haushalt nicht einfach ist, wie die multiple Regressionsanalyse verdeutlichte.

Die Präsentation von Edward Thongai Zhou aus Südafrika behandelte Essgewohnheiten in Südafrika. In einer Fallstudie wurden Essgewohnheiten von Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren in Hoedspruit, Limpopo, untersucht. Vor dem Hintergrund unreflektierter Essgewohnheiten steigt die Fettleibigkeit unter Jugendlichen in Südafrika mit drastischer Geschwindigkeit. Das Übergewicht bei Heranwachsenden führt zu einem höheren Prozentsatz der übergewichtigen Erwachsenen, wodurch die nationalen Gesundheitsausgaben steigen. In einigen Fällen können übergewichtige Menschen wegen ihres Gewichtes bestimmte Berufe nicht ergreifen. Der Mangel an Ernährungswissen und das nicht vorhandene Wissen um einen gesunden Lebensstil fördern die Auswahl an ungesunden Lebensmitteln. Daher soll die Studie beitragen, Bildung in diesem Bereich in Südafrika verpflichtend zu etablieren, z. B. mit Entwicklung einer Ernährungspyramide, die auch die vor Ort zur Verfügung stehenden Lebensmittel, die in den meisten südafrikanischen Haushalte gegessen werden, einbezieht. Eine Umfrage unter Schülern soll darüber hinaus zur Unterstreichung der Wichtigkeit dieses Themas durchgeführt werden, welche durch teilnehmende Beobachtung unterstützt wird. Für den weiteren Verlauf der Studie sind auch Fokusgruppeninterviews geplant.

Maren Engelker berichtete von Ergebnissen, die sie im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Fachhochschule Osnabrück zusammenstellen konnte. Dort verglich sie Alternativen nachhaltigen Handelns im Bedürfnisfeld Ernährung bezüglich Suffizienz und Substanz. Wie zu Beginn des Kolloquiums, handelte auch der Abschluss von Nachhaltigkeit. Klimawandel und steigende soziale Spannungen. Dies sind nur beispielhafte Gründe, die angeführt wurden, das Alltagshandeln zu überdenken. Daher schlug Maren Engelker vor, Ressourceneinsatz zu reduzieren und Marktabhängigkeit zu reduzieren. Bedürfnisse im Zusammenhang mit Ernährung sind stark mit ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Effekten verwoben.
Die Abschlussarbeit von Maren Engelker verglich Alternativen zur Nahrungsmittelaufbewahrung und zur Nahrungsmittelzubereitung, um Handlungen
privater Haushalte im Hinblick auf die Nutzung von Technologie zu beeinflussen, da diese die Folgen mitbestimmen. Darüber hinaus soll Verbrauchern Orientierung gegeben werden, die einfach und selbsterklärend ist. Verschiedene Arten der Kühlung im Kompressionskühlschrank und des Kochens mittels Elektroherd wurden erläutert und bewertet. Der Ressourceneinsatz und die Abhängigkeit von Märkten floss in die Bewertung mit ein. Diese sind im Bereich Kühlung am niedrigsten in einem Naturkeller, welcher aus recycelten Ziegeln und Steinen gebaut ist. Für das Kochen wird ein Biomasse-Vergaser-Herd und ein Solar-Ofen empfohlen. Andere Alternativen mit Einsparpotenzial erfordern kleinere Änderungen in den Nutzungsmustern. Die Bedeutung dieser Ergebnisse stützt sich auf Möglichkeiten der strategischen Entscheidungsfindung für stark nachhaltigen Konsum als Optionen für Maßnahmen bei Ernährungsbedürfnissen. Die Arbeit unterstützt die Debatte über dieses Thema im Bereich der nachhaltigen Bildung.

Der Abschluss des zweiten Kolloquiumtages fand im Haus der Geschichte in Bonn statt. Die dortige Führung nahm das Tagungsthema auf und die Teilnehmer, sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland, wurden durch die Ausstellung mit dem Fokus auf die Schlagworte Verbrauch, Haushalt und Familie geleitet. Das 17. Kolloquium war ein voller Erfolg. Hieran möchte das JUNGE FORUM im nächsten Jahr gerne anschließen. Das nächste Kolloquium findet am letzten Wochenende im Oktober 2010 in Gießen statt.

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