Armutsbekämpfung durch Schuldenprävention

«Wie muss Schuldenprävention gestaltet und organisiert sein, damit sie einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten kann?» Mit dieser Frage setzten sich Fachpersonen am 9. und 10. November 2017 in Olten an der internationalen Tagung «Armutsbekämpfung und Schuldenprävention» auseinander.

In den letzten Jahren ist die Verschuldung von Privatpersonen deutlich angestiegen. Hauptgläubiger seien die Steuerämter, Krankenversicherungen und Konsumkreditbanken, so die beiden Armuts- und Verschuldungsexperten Prof. Dr. Carlo Knöpfel und Dr. Christoph Mattes der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW. Vor allem Kinder in hoch verschuldeten Familien leiden unter den Beeinträchtigungen der Verschuldung der Schweizer Privathaushalte.

Doch die Bekämpfung der Verschuldung und der daraus entstehenden Nöte ist nicht einfach. Es ist nicht damit getan, durch Finanzwissen oder Budgetformulare die Betroffenen zur Sparsamkeit zu erziehen oder zu disziplinieren. Es geht darum, armutsbetroffene Menschen für die Gefahren und Beeinträchtigungen von Verschuldung zu sensibilisieren, ihnen aber auch Alternativen zur Verschuldung im Alltag anzubieten. Erforderlich sind Angebote, die ermöglichen, auch mit wenig Geld die Probleme des Alltags zu bewältigen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Hierbei sind die Hilfswerke, private Initiativen, die öffentliche Verwaltung und die Politik gefordert, ein für armutsbetroffene Menschen geeignetes Beratungs- und Präventionsangebote zur Verfügung zu stellen und zu finanzieren.

Verschuldung verfestigt Armut, erschwert es den Betroffenen, sich von der Sozialhilfe abzulösen oder die finanziellen Verhältnisse zu verbessern. Deshalb ist es erforderlich, gesetzliche Grundlagen zur Vermeidung von Überschuldung zu schaffen. Allem voran die Möglichkeit, die Steuern direkt vom Lohn abziehen zu lassen oder die Sanierungs- und Entschuldungsverfahren zu vereinfachen.

Rund 200 Fachpersonen der Armutsbekämpfung, von Budget- oder Schuldenfachstellen, Sozialdiensten und der öffentlichen Verwaltung diskutierten das Thema «Armutsbekämpfung durch Schuldenprävention» an der Tagung in Olten. In Referaten, Workshops, Postern und auf einem «Markt der Möglichkeiten» wurde der aktuelle theoretische Diskurs beleuchtet und vorhandene Angebote der Schuldenberatung und -prävention aufgezeigt.

Die Hochschule für Soziale Arbeit FHNW führte die Tagung zusammen mit 13 Kooperationspartnerinnen und -partnern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch:
− ASB Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldnerberatungsstellen in Österreich
− Budgetberatung Schweiz
− Bundesamt für Sozialversicherungen BSV
− Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung Deutschland
− Caritas Schweiz
− Dachverband Schuldenberatung Schweiz
− Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft, Fachausschuss Beratung
− Elternbildung Schweiz
− FemmesTISCHE Schweiz
− Präventionsnetzwerk Finanzkompetenz Deutschland
− Pro Juventute Schweiz
− Schweizerische Gesundheitsstiftung RADIX
− Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe

SKOS Link: www.forum-schulden.ch/programm

Weitere Auskünfte
Dr. Christoph Mattes Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW
Hochschule für Soziale Arbeit
Thiersteinerallee 57 4053 Basel
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