Mein Weg in die dgh startete inoffiziell in meiner frühen Jugend. Offiziell führte er einige Zeit später ans Ziel.
Im Jahr 1941 erblickte ich das Licht der Welt auf einem Bauernhof im Westallgäu. Drei Jahre danach legte meine Mutter die Meisterprüfung in ländlicher Hauswirtschaft ab und bildete dann Jahr für Jahr Mädchen in diesem Fach aus. Sofern ich in meiner Kindheit nicht im Außenbetrieb benötigt wurde, z.B. zum Hüten von Kühen, hielt ich mich gerne in der Küche auf. Hier bekam ich die damals sehr breit und tief gegliederte Hauswirtschaft eines Selbstversorgerhaushaltes mit, allerdings nicht als Zuschauer, sondern als aktiv mitarbeitendes Rädchen. Meine Mutter dachte nämlich immer inklusiv und handelte entsprechend didaktisch.
Als ich mit elf Jahren an das Humanistische Gymnasium mit Internat in Kempten kam und danach meine Studien in Agrarwissenschaften in Deutschland und Frankreich sowie in Economics und Statistics in den USA absolvierte, hatte es den Anschein, dass ich die enge Verbindung mit der Hauswirtschaft für immer hinter mir lasse.
Mitte der 1970er Jahre vollzog sich die Wende. Damals habilitierte ich mich in Agrarmarktforschung an der TUM, sine spe auf eine unbefristete Stelle am Standort Weihenstephan. Eine solche Stelle gab es jedoch im Fach Wirtschaftslehre des Haushalts im neuen Studiengang Ökotrophologie.
Bei oberflächlicher Betrachtung war die Wirtschaftslehre des Haushalts weit entfernt von meinen damaligen Interessen. Bei gründlicher Betrachtung war es aber ein coming home. Der Gegenstand dieses Faches war mir aus eigener und früher Erfahrung bestens vertraut.
Mit freudigem Schwung habe ich deshalb auf dieser Stelle das methodische Rüstzeug, das ich mir in den USA angeeignet hatte, auf empirische Arbeiten zu Problemen der Hauswirtschaft angewandt. Dank meiner damaligen Kollegin Sigrid Weggemann igelte ich mich nicht in meiner Arbeit ein, sondern suchte und fand Anschluss in den Institutionen, die sich mit der Hauswirtschaft befassten. Gerne erinnere ich mich an die freundliche Aufnahme in der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft und die intensive Arbeit in den verschiedenen Gremien (FA Strukturwandel des Haushalts und Schriftleitung HuW). Bedingt durch meine Studien hatte ich sehr schnell Kontakt z.B. mit dem Volkswirt Erich Egner, der Statistikerin Helga Schmucker und der Leiterin der Bundesforschungsanstalt für Hauswirtschaft in Hohenheim Elfriede Stübler. Kontakte knüpfte ich auch zum Ernährungsministerium in München und in Bonn. Von dort kamen die ersten Gelder zur Optimierung der Ernährung. Interessanterweise lag die Vergabe der Mittel in München in Händen der MRin Erna Straub, die im Jahr 1944 als junge Hauswirtschaftsrätin den Lehrbetrieb meiner Mutter eingerichtet hatte. Obwohl sie den geplanten Optimierungsrechnungen misstrauisch gegenüberstand, willigte sie ein mit der Begründung, dass der Sohn einer tüchtigen Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft nicht völlig daneben liegen kann. Meine Herkunft hatte allerdings weniger Einfluss auf die Beherrschung wissenschaftlicher Methoden als auf die Bodennähe der Probleme, mit denen sich zahlreiche Doktorand/inn/en in meinem Umfeld mit großer Begeisterung auseinandersetzten. Erwähnt seien die positiven und vor allem normativen Arbeiten in den Bereichen Ernährung, Finanzierung (insbesondere von selbstgenutztem Wohneigentum), Mobilität sowie Konsum und Nachhaltigkeit.
Prof. (em.) Dr. Georg Karg Ph.D.
Ehrenmitglied in der dgh

