Bericht über die Fachtagung am Freitag, 19. Februar 2010 und die anschließende Sitzung der Fachausschüsse "Hauswirtschaftliche Dienstleistungsbetriebe" und "Haushalt und Bildung" am Samstag, 20. Februar 2010
Mit sehr positiven Einschätzungen der Teilnehmenden gingen die Veranstaltungen zu Ende, mit denen die ‚Domäne Hauswirtschaft‘ sich erstmals auf breiter Basis öffentlich mit dem Europäischen und Deutschen Qualifikationsrahmen beschäftigt hat. Beide Veranstaltungen waren bestens besucht – ein Zeichen für die hohe Aktualität und das große Interesse an der Thematik. Die im November 2009 begonnene Reihe der Frankfurter Gespräche fand hiermit eine attraktive Fortsetzung.
Nachdem im Jahr 2008 der Europäische Qualifikationsrahmen (EQR) von den EU-Gremien offiziell unterzeichnet wurde, verständigten sich im Oktober 2006 das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerkonferenz darauf, gemeinsam einen Deutschen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (DQR) zu entwickeln. Der DQR enthält eine bildungsbereichsübergreifende Matrix von Qualifikationen, die auf 8 Niveaustufen fachliche (Wissen und Fertigkeiten) und personale (Sozial- und Selbstkompetenz) Kompetenzen beschreibt, wobei die Besonderheiten des deutschen Bildungssystems berücksichtigt werden sollen. An diesem Prozess sind eine Vielzahl von Akteuren aus der allgemeinen, beruflichen und Hochschulbildung, die Sozialpartner und andere Experten aus Wissenschaft und Praxis beteiligt. Zurzeit findet eine exemplarische Erprobung der DQR-Matrix in den Bereichen: Metall/Elektro, Handel, Gesundheit und dem IT-Bereich statt. Bis 2012 sollen alle ausgestellten Qualifikationsbescheinigungen, Diplome und EUROPASS-Dokumente einen klaren Hinweis auf das zutreffende Niveau des EQR enthalten.
Das von den beiden veranstaltenden Fachausschüssen entwickelte Tagungskonzept sah vor, dass in Grundsatzreferaten des Bundesinstituts für Berufsbildung und des DQR-Büros zunächst der Informationsstand zur komplexen Thematik vorgestellt wurde. Im Anschluss wurde das Konzept des DECVET erläutert. Hier geht es darum, ein Leistungspunktesystem für die berufliche Bildung in Deutschland zu entwickeln, mit dem es möglich werden soll, Lernergebnisse zu erfassen, anzurechnen und von einem Bereich beruflicher Bildung auf den anderen zu übertragen. Am Nachmittag erhielten die Teilnehmenden Gelegenheit zu Einblicken in die Erprobung des DQR in zwei sehr unterschiedlichen beruflichen Domänen, der Pflege, hier am Beispiel der Berufe der Altenpflege, und dem KfZ-Bereich. Während die Fragestellungen und Vorgehensweisen der Pflegeberufe so manche Parallelität zum hauswirtschaftlichen Berufsbereich aufwiesen, wurden auf der anderen Seite auch die deutlich unterschiedliche Fachkultur und Vorgehensweisen aus dem KfZ-Gewerbe mit großem Interesse zur Kenntnis genommen.
Die sich anschließende Diskussion spiegelte das große Interesse und die Offenheit des anwesenden Fachpublikums gegenüber den Chancen, die in der Anwendung des DQR in unserer Domäne Hauswirtschaft gesehen werden. Typische Herausforderungen, wie die Anerkennung informell erworbener Qualifikationen, die optimale Integration von Jugendlichen mit Förderbedarf, die flexiblere Ergänzung des Berufsbildes um neuartige Qualifikationen bzw. Aufgabenfelder, aber die Möglichkeit, Teile der Ausbildung im Ausland zu absolvieren, scheinen mit dem DQR auf neue, leichtere Weise lösbar.
Konkrete Perspektiven zum praktischen Umgang mit den Möglichkeiten und Chancen des EQR zeigte am 2. Tag der Fachvortrag des Schulzentrums Bremen-Neustadt auf. Diese berufliche Schule des Landes Bremen unterhält eine enge Partnerschaft zu Berufsbildungseinrichtungen in Finnland, so dass sie ihren Schülerinnen / Auszubildenden einen 6-wöchigen Auslandsaufenthalt als Teil der Ausbildung anbieten. Die erworbenen Qualifikationen werden bereits in der Systematik des EQR erfasst und in einem Europass zertifiziert.
In der gemeinsamen Sitzung der beiden veranstaltenden Fachausschüsse unter Beteiligung von führenden Vertreterinnen der zuständigen Stellen wurde schließlich eine Arbeitsgruppe gegründet und mit der Erstellung eines Vorschlages zur Umsetzung des DQR auf das hauswirtschaftliche Berufssystem binnen Jahresfrist beauftragt. In dieser Gruppe werden sich die interessierten Kräfte aus der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft, den Zuständigen Stellen, weiteren hauswirtschaftlichen Fachorganisationen und dem genannten Schulzentrum Bremen-Neustadt zusammen finden.
Zufrieden mit den umfangreichen Fachinformationen und der offenen Diskussion trennte man sich nach diesem 2. Frankfurter Gespräch mit dem Eindruck, einen chancenreichen Prozess für die Hauswirtschaft begonnen zu haben. Man darf auf die Ergebnisse gespannt sein. Folien zu den Fachvorträgen und weitere Hintergrundmaterialien zu der Tagung sind auf den Seiten der dgh unter www.dghev.de veröffentlicht.
