Für einen gelingenden Alltag: heute - morgen – übermorgen Alltags- und Lebensbewältigung durch Hauswirtschaft

Der Welthauswirtschaftstag am 21. März stellt den häuslichen Alltag in seiner Bedeutung für das Leben der Menschen und in seinen Auswirkungen auf die Umgebung in den Mittelpunkt. Noch viel zu oft wird übersehen, dass die Bedeutung des Alltagsmanagements viel größer ist, als bisher in der Öffentlichkeit realisiert wurde. Sie ist lebensnotwendig für jeden Menschen. Wir entscheiden tagtäglich, wie wir uns versorgen und wofür wir unser Geld ausgeben. Bei genauer Betrachtung wird der Alltag durch haushälterische Entscheidungen dieser Art bestimmt. Haushalte wirtschaften, um gesellschaftliche Aufgaben, wie die Erziehung von Kindern oder die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Familien- und Haushaltsmitglieder zu gewährleisten. Das ist keine private Angelegenheit und hat Einfluss auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die Konsum- und Produktionsentscheidungen der privaten Haushalte gestalten Wirtschaftszweige, beeinflussen die Infrastruktur in der Region und haben weltweit Auswirkungen auf Lebensmittel- und Konsumgütermärkte.

Unsere Bedürfnisse werden nicht nur über die Konsumgüter- und Dienstleistungsmärkte befriedigt. Die privaten Haushalte tragen mit 153 Milliarden Stunden an Haushaltsarbeitszeit im Jahr dazu bei, dass Wohlfahrt und Lebensqualität produziert werden. Zeit und Know How sind notwendig, damit aus Lebensmitteln Mahlzeiten werden, Wäsche gewaschen wieder im Schrank liegt und Wohnqualität vorhanden ist. Der Haushalt ist ein Unternehmen, in dem viele verschiedene Dienstleistungen erbracht werden. Damit sind Kompetenzen gefordert, die ein Alltags- und Haushaltsmanagement möglich machen, das ressourcenschonend und effizient angelegt ist und dennoch den Bedürfnissen der Familien- und Haushaltsmitglieder gerecht wird.

Diese Produktionsleistungen werden umso wichtiger, je weniger finanzielle Ressourcen ein Haushalt zur Verfügung hat. Armutsstudien machen deutlich, wie wichtig der Blick auf die Kompetenzen zur Haushaltsführung ist, um prekäre Lebenssituationen zu bewältigen.

Noch viel zu oft treffen wir Konsumentscheidungen, ohne die Auswirkungen auf die Bevölkerung in der eigenen Region und die Menschen in anderen Ländern zu berücksichtigen. Wir sind lokal Handelnde vor globalem Hintergrund und erzeugen damit ein immenses Wirkungspotential, dass weltweit zu spüren ist. Um eine gerechte Verteilung der Ressourcen weltweit zu fördern, sind Kaufentscheidungen wichtig, die nicht zerstören, schädigen und ausbeuten, sondern die Förderung der Lebensbedingungen der Produzentinnen und Produzenten im Blick haben.

Damit wird es notwendig, sich intensiv um Bildungskonzeptionen zu kümmern, die diese Wissenslücken wieder schließen. Keine einfache Aufgabe in einer Gesellschaft, in der diese Kompetenzen in den letzten Jahrzehnten kaum gefördert sondern weitgehend den Initiativen der hauswirtschaftlichen Verbände überlassen wurden.

Die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh) setzt sich mit ihren Mitgliedsverbände und über ihre Mitglieder in Wissenschaft und Praxis nachdrücklich dafür ein, das auf der Basis erfolgreicher Maßnahmen weitere zeitgemäße Kompetenzvermittlungskonzepte entwickelt und in der Bildungslandschaft verankert werden.

Beispiele erfolgreicher Maßnahmen sind:

 

  • aid-Ernährungsführerschein (Deutscher LandFrauenverband)
  • Haushaltsführerschein (Deutscher Hausfrauen-Bund)
  • HOT - das HaushaltsOrganisationsTraining (Deutscher Caritasverband)
  • Konzepte und Modelle zur Armutsprävention (Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft in Kooperation mit hauswirtschaftlichen Verbänden)
  • REVIS Reform der Ernährungs- und Verbraucherbildung an Schulen (Universitäten Paderborn und Flensburg, Pädagogische Hochschule Heidelberg.

Eingebunden in das weltweite Netzwerks der International Federation for Home Economics (IFHE) nutzt die dgh über ihre Mitglieder die Möglichkeiten des internationalen Austauschs zu diesen Themen und den Beraterstatus des IFHE bei der FAO, UNESCO und UNICEF.

Als weitere Plattform für den fachlichen Diskurs und als Ideenbörse für weitere Entwicklungen sieht die dgh ihre diesjährige Jahrestagung "Armut und Armutsprävention in der Zivilgesellschaft" am 1. und 2. Oktober 2007 in Bonn. Sie knüpft an die Modellprojekte zur Armutsprävention der Gesellschaft an und führt die Armutspräventionskampagne fort.

Mit zahlreichen Veranstaltungen machen hauswirtschaftliche Verbände, Schulen mit hauswirtschaftlichen Bildungsgängen und soziale Einrichtungen mit ihren hauswirtschaftlichen Dienstleistungsbereichen auch in diesem Jahr wieder auf den Welttag der Hauswirtschaft aufmerksam. Auch in der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft wird das Thema "die Zukunft in eigener Verantwortung zu gestalten: heute – morgen und übermorgen" weiterhin eine gewichtige Rolle spielen.