Die Lebensgestaltung im Alltag, die Sicherung der täglichen Daseinsvorsorge und Alltagskompetenzvermittlung sind zur Lösung der sozialen Aufgaben unserer Gesellschaft wichtig. Der Versorgungsauftrag der Hauswirtschaft wird durch Betreuung, Begleitung und Assistenz ergänzt und so zu einem Mitgestaltungsauftrag verändert. Die Sicherung der individuellen Daseinsvorsorge im Sinne einer Selbstbestimmung und Beteiligung der Betroffenen wird so gewährleistet.
Wie Hauswirtschaft und Haushaltswissenschaft sich diesen Anforderungen stellen können und wie die Potentiale der Hauswirtschaft mit Blick auf vielfältige Veränderungen in den sozialen Dienstleistungen stärker einzusetzen sind, diskutierten die 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Fach- und Jahrestagung "Mitwirken statt nur versorgen – Hauswirtschaft gestaltet Lebensräume" der dgh am 13. und 14. Oktober 2006 in Magdeburg.
Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende der dgh, Frau Prof. Dr. Alrun Niehage und Grußworten des Prorektors Herrn Prof. Dr. Lüttmann von der Hochschule Anhalt in Bernburg, führte Prof. Dr. Margarete Sobotka als Mitglied des Fachausschusses Hauswirtschaftliche Dienstleistungsbetriebe der dgh, der die Fachtagung federführend konzipiert hatte, in die Veranstaltung ein.
Sie erläuterte, dass der Mitwirkungsauftrag an die Hauswirtschaft erfordert, aktiv Antworten auf die sich ergebenden Anforderungen zu finden. Hauswirtschaft wird oft als Routinetätigkeit gesehen, die nachrangig hinter den Aufgaben der Pflege und der Pädagogik steht. Hauswirtschaftliches Handeln bedeutet Handeln in der Verantwortung, Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Unterstützungsbedarf zu fördern. Gerade die Frage nach der Lebensqualität im Alter, insbesondere von demenzkranken Menschen und Menschen mit Behinderung, aber auch das Problem der Fehlernährung in der jüngeren Generation zeigen, dass Alltagsgestaltung immer auch Haushaltsgestaltung ist und sein muss. Dabei setzt Selbstbestimmung das Vorhandensein von Freiräumen zur Mitgestaltung voraus.
Für prekäre Lebenslagen zeigt sich vermehrt, dass der Sozialstaat eine umfassende Schutzverantwortung nicht mehr im gewohnten Umfang wahrnimmt, sondern sich diese zu einer Gewährleistung der Grundversorgung wandelt. Welche Bedeutung dieser Wandel der Rahmenbedingungen für die Gesellschaft hat, erläuterte im Anschluss der Verfassungsrechtler Prof. Dr. Gerhard Igl von der Christian-Albrechts-Universität Kiel. In seinem Vortrag „Sinneswandel im Sozialstaat – Wirkungen auf die Gesellschaft und die sozialen Schutzsysteme“ geht er der Frage nach, was der (ursprüngliche) Sinn des Sozialstaates ist und wie sich die Wandlung beschreiben lässt. Sozialstaat bedeutete vor allem, ein individuelles Gefühl jeden Bürgers, Sicherheit zu haben, das als Grundbedürfnis zukunftsgerichtet ist. Besonders in prekären Lebenssituationen, bei Krankheit oder im Alter funktionierte das Prinzip der Solidarität und somit die Hilfe des Sozialstaates. Sicherheit war das Ziel, Solidarität das Instrument, mit dem das Ziel durch die Gemeinsamkeit aller Bürger zu erreichen war, weil der Einzelne Sicherheit nicht für sich selbst produzieren konnte.
Grunddilemma des Sozialstaates war und ist jedoch, dass er individuell empfunden und kollektiv organisiert wird. Dies bedeutet immer: Kompromisse einzugehen, allgemeine (wirtschaftliche) Verhältnisse als Maßstab zu sehen und individuelle Erwartungen zurück zu stellen. Es ergab sich eine klare Verantwortungsteilung: der Staat unterstützte, wo der Einzelne nicht (mehr) alleine zu Recht kam. Gleichbehandlung war dabei Chiffre des Sozialstaates.
Ein Wandel vollzieht sich, weil der Sozialstaat nicht mehr an den Grundwerten Sicherheit, Solidarität und Gleichbehandlung, sondern überwiegend an dem Geld bemessen wird, das bei Arbeitslosigkeit und im Alter zu erwarten ist. Hartz IV bzw. SGB II ist die heutige Chiffre des Sozialstaates. Der Sinneswandel vollzieht sich nach Meinung von Prof. Dr. Igl auch, weil zwischen der gefühlten und bisher erlebten Sicherheit und der wirklichen, der rechtlichen und tatsächlich möglichen Sicherheit im Sozialstaat eine enorme Diskrepanz besteht. Die Vorstellung des Sozialstaates war „auf Sand gegründet“, denn die Normen und Ziele des Sozialstaates waren keine auf festem Boden gegründeten Normen und auch die Weiterentwicklung des Sozialstaates ist eine Illusion.
Dennoch hat der "Sozialstaat alter Prägung" nicht abgedankt, wie es von vielen gesehen wird. Die sozialstaatliche Verantwortung besteht in Deutschland weiterhin. Sie wird aufgrund der Rahmenbedingungen nur anders gesehen. Die arbeitnehmerzentrierten sozialen Sicherungssysteme sind durch die Veränderungen in der Arbeitswelt, die Abkehr von arbeitslebenslangen Biografien vor Probleme gestellt, deren Lösungen in ein bestehendes System eingebracht werden müssen. Und genau hier liegt das Dilemma: ein soziales Sicherungssystem kann nicht von heute auf morgen neu erschaffen werden. Nach Igls Einschätzung bedarf es einer neuen sozialstaatlichen Aufgabenverteilung, um den gewandelten Sozialstaat zu erhalten. Die Maxime der Achtung und Wahrung der Menschenwürde muss im Vordergrund sozialstaatlicher Bemühen stehen. Hier schlägt er den Bogen zur "Wissenschaft von der Hauswirtschaft", die diese Maxime runtergebrochen auf die hauswirtschaftlichen Dienstleistungen bestmöglich umsetzen kann.
Seiner Meinung nach wird Haushaltswissenschaft als Wissenschaft jedoch zu wenig (bzw. kaum) wahrgenommen und auch der sozialstaatliche Bezug scheint nicht deutlich genug gegeben zu sein. Seine Botschaft ist daher klar: eine sozialstaatliche Anerkennung wird die Hauswirtschaft unter den gegenwärtigen Umständen nicht erreichen. Diese Einschätzung leitet sich aus seinen sozialstaatlichen Analysen ab. Eine zweite Botschaft, die seine persönliche Meinung widerspiegelt, lautet: die interdisziplinäre Definition und Entwicklung von Qualitätsniveaus und –standards der Versorgung und Betreuung in sozialen Einrichtungen, wie sie in einem Projekt der BUKO-QS unter Mitwirkung der dgh vorgenommen wurde, kann dazu beitragen, dass die Hauswirtschaft in Zukunft ihren berechtigten Platz einnimmt. Er ermutigt dazu, die Anstrengungen für die allgemeine Anerkennung des Berufsfeldes und der Wissenschaft aufzunehmen, denn Hauswirtschaft und Haushaltswissenschaft besitzen die notwendigen Kenntnisse und Erkenntnisse, wenn die Alltagsgestaltung des Einzelnen von Dritten abhängig wird. Ausdrücklich fordert Igl abschließend auf, fachliche Zielsetzungen zu vertreten und umzusetzen und sich das Haft des Handelns nicht von Kostenträgern, staatlichen Instanzen oder sonstigen Verbänden aus der Hand nehmen zu lassen. Es gelte, die Verantwortung auf fachlicher Basis wahrzunehmen.
Dass die dgh diese Verantwortung wahrnehmen und die Potentiale der Hauswirtschaft nutzen will, zeigten im Anschluss Dipl. oec. troph. Martina Feulner und Prof. Dr. Margarete Sobotka mit der Präsentation der "Leitlinie zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit sozialer Einrichtungen". Ziel dieser Leitlinie ist es, dem Arbeitsfeld Hauswirtschaft ein fachwissenschaftliches Fundament bereit zu stellen, welches als Orientierungs- und Entscheidungshilfe die zukünftigen Entwicklungen im sozialen Bereich, insbesondere in 2 sozialen Einrichtungen, begleitet und unterstützt. Die Förderung von Selbstbestimmung und Teilhabe als Ziel hauswirtschaftlichen Handelns sowie die Ablösung des Versorgungsauftrags der Hauswirtschaft durch einen Mitgestaltungsauftrag sind grundlegende Prämissen dieser Leitlinie. Weiterhin wird angenommen, dass Fach- und Führungskräfte die Chancen der derzeitigen gesellschaftlichen Veränderungen erkennen und aktiv darauf antworten, so dass auch Trägervertreter, Verantwortliche und Entscheidungsträger die Potentiale der Hauswirtschaft erkennen und zum Wohle ihrer Einrichtungen selbst vermehrt einsetzen. Darüber hinaus soll die Leitlinie zur Intensivierung der Diskussion über den Wert der Hauswirtschaft beitragen.
Ausgearbeitet wurde diese Leitlinie vom Fachausschuss Hauswirtschaftliche Dienstleistungsbetriebe der dgh. Dieser stellt mit Blick auf aktuelle Trends und Entwicklungen die Möglichkeiten dar, die Hauswirtschaft sozialen Einrichtungen bietet. Die alltäglichen Dienstleistungen, die die Hauswirtschaft erbringt (Verpflegung, Reinigung, Wäschepflege) sind in den verschiedenen Feldern Alten-, Behinderten-, Jugendhilfe etc. unterschiedlich ausgeprägt und werden beispielhaft in ihrer Bedeutung dargestellt. Zugrunde liegt den Überlegungen ein handlungsgeleitetes Menschenbild, dass Körper (physiologischen Bedürfnisse), Geist (persönliche Entwicklung und Entfaltung als Lebensziel) und Seele (Beziehungen, Kontakte, Anerkennung, Kommunikation, Gemeinschaft) vereint und somit als Ziel hauswirtschaftlichen Handelns in erster Linie die Ermöglichung einer eigenständigen und selbstbestimmten Haushaltsführung und nicht primär die Erbringung einer optimalen hauswirtschaftlichen Tätigkeit sieht.
Insgesamt gliedert sich die Leitlinie in drei Teile: Im ersten Teil werden allgemein die Aufgaben hauswirtschaftlicher Dienstleistungen beschrieben, verstanden als Förderung, Assistenz und Vermittlung von Alltagskompetenzen. Hierin wird der oben beschriebene neue Zugang zu und die neue Zielsetzung von hauswirtschaftlichen Dienstleistungen deutlich.
Konzepte personenorientierter Dienstleistungen und Organisationsformen für hauswirtschaftliche Leistungsbereiche werden im zweiten Teil erläutert. Es folgt die Forderung, dass Hauswirtschaft gezielt ihre Marktposition entwickeln und dabei zu einer zentralen Managementaufgabe von Fach- und Führungskräften werden muss. Der dritte Teil beschreibt aktuelle hauswirtschaftliche Handlungsfelder und stellt somit die Potentiale heraus, die Hauswirtschaft sozialen Einrichtungen bietet. In einem letzten Schritt wird die Leitlinie mit den Erkenntnissen aus der Tagung überarbeitet und wird dann bis zum Ende Jahres auf der Homepage der dgh für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.
Wie diese Potentiale bereits jetzt genutzt werden, ist am Nachmittag in fünf verschiedenen Foren erörtert worden. Hauswirtschaftliche Projekte, Konzepte und Handlungsansätze zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit sozialer Einrichtungen waren Gegenstand des Dialogs zwischen Theorie und Praxis.
Forum A "Institutionelles Wohnen im Wandel – Herausforderungen für die Hauswirtschaft" ging nach einem Impulsbeitrag von Dr. Angelika Sennlaub, in dem sie die wandelnden Aufgaben der stationären Versorgung von alten Menschen in Deutschland skizzierte, der Frage nach, was hauswirtschaftliche Fachverbände tun sollten bzw. "die Hauswirtschaft" tun kann, um ihre Kompetenzen im Lebensraum Hausgemeinschaft stärker einzubringen. Im Forum B „Qualifikationen und Koalitionen – Gestaltung von Berufsbildern“ referierte zunächst Prof. Dr. Dr. Barbara Fegebank zur Frage der Qualifikation und den Qualifikationsanforderungen in der Hauswirtschaft. Frau Dr. Ursula Peters-Wellmer stellte sodann den Modellversuch BFS (Berufsfachschule für Pflegehilfe) in Niedersachsen vor. Beide Impulsreferate dienten als Grundlage und Anregung für die folgende Diskussion. „Kundenorientierung und Prozessoptimierung vereinbarend gestalten“ war Thema eines dritten Forums, in dem nach einem Impulsbeitrag von Prof. Dr. Detlef Hebel die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die zunehmende Bedeutung von Kunden-, Nutzerund Klientenorientierung für hauswirtschaftliche Dienstleistungsbetriebe diskutierten. 3 Herr Prof. Dr. M.-B. Piorkowsky stellte im Forum D "Selbstorganisation im Alltag unterstützen. Hauswirtschaftliche Dienstleistungen als Koproduktion" die ökonomische Theorie der Koproduktion vor und erörterte mit den Teilnehmenden den Beratungs- und Handlungsbedarf, der sich aus dieser Theorie und ihren Dimensionen ergibt.
Im Forum E "Wie intelligent darf es sein? – Umgang mit technischen Möglichkeiten aus Entwickler- und Nutzersicht" lieferten die Beiträge von Dr. Elvira Baier ("Geht die technische Entwicklung am Nutzer vorbei?"), Dipl. oec. troph. Wolfgang Schmidberger ("Defintion und Verwendung intelligenter Technik im Großhaushalt") und Dipl. oec. troph. Christine Maginot-Rhode ("Was tut die Industrie für den Nutzer?") aus verschiedenen Perspektiven Impulse zur anschließenden Diskussion.
Zum Abschluss des ersten Fachtagungstages zeigte der Markt der Möglichkeiten den anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern "Hauswirtschaft in Aktion". Best-PracticeBeispiele aus Wissenschaft, Praxis und Wirtschaft boten neben der Präsentation der Mitgliedsverbände, Beiräte und Fachausschüsse der dgh die Gelegenheit zum fachlichen Meinungs- und Gedankenaustausch.
Am Anfang des zweiten Tagungstages standen zwei Praxisbeispiele. Helmut WallrafenDreisow, Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH, stellte dar, wie es in seiner Arbeit gelungen ist, Hauswirtschaft und Pflege in einem Managementkonzept zu integrieren. Sowohl bei den pflegerischen als auch den hauswirtschaftlichen Dienstleistungen steht das Individuum im Mittelpunkt und Beziehungspflege ist wichtigstes Kriterium für die Arbeit der Mitarbeiter und Beschäftigten. Alle Angestellten durchlaufen daher ein sogenanntes "Beziehungspflegekonzept", wodurch die Philosophie des Unternehmens transportiert und somit das Bewusstsein und Verständnis des Personals für die Mitgestaltung der Bewohner am Alltagsleben in der Einrichtung hergestellt wird.
Die Wohngruppen in der Einrichtung nehmen bis zu 10 pflegebedürftige Personen auf. Lebensmittelpunkt der Bewohnerinnen und Bewohner ist eine offene Wohnküche, die die Teilhabe am Alltag bei gleichzeitig weitgehend individuellem Leben und Wohnen ermöglicht. Die Zielvorgabe ist die Verbesserung der Lebensqualität der zu betreuenden Personen. Das Konzept, das Wohnen und Leben in den Mittelpunkt zu stellen, bedarf weniger Pflegefachkräfte, aber mehr Fachkräfte. Die Qualität der Betreuung muss anders verteilt werden. Auch un- bzw. angelernte Kräfte können in diesem Bereich eingesetzt werden. Durch das beschriebene Beziehungspflegekonzept sind sie qualifiziert, diese Aufgaben zu übernehmen. Eine Alltagsmanagerin/Präsenzkraft/Alltagsbetreuerin (eine einheitliche Begriffsdefinition ist noch nicht gegeben) gibt Hilfestellungen im Alltag, verrichtet hauswirtschaftliche Tätigkeiten und begleitet die Entwicklung der Gruppe. Gerade in Wohn- bzw. Hausgemeinschaften werden professionelle Kräfte benötigt, die den Alltag managen. Haushalts- und Alltagskompetenzen (auch im haustechnischen Bereich) werden in Zukunft jenseits der Pflege stärker nachgefragt werden. Daher lautet auch Wallrafen-Dreisows abschließende Botschaft ans Plenum und insbesondere an die dgh, die vorhandenen Potentiale weiter zu nutzen, auszubauen und vor allem in der Gesellschaft, bei den sozialen Einrichtungen, bei Verbänden und in der Politik verstärkt zu kommunizieren und zu transportieren.
Anschließend stellte Monika Böttjer das Konzept der Bremer Dienstleistungs-Service GmbH vor. Seit 1990 gibt es in den Einrichtungen dieses Trägers ein neues Schulungskonzept, das auf einem grundlegenden Perspektivwechsel basiert, wonach hauswirtschaftliche Dienstleistungen als Kompetenzpartnerschaft in der Altenhilfe gesehen werden. „Wohnen steht vor pflegen“, so lässt sich das Motto dieser Einrichtungen beschreiben. Die Alltagsgestaltung steht im Vordergrund wobei die Hauswirtschaft der Hauptdienstleister in der Altenpflege ist. Das Konzept sieht vor, dass kleine Wohnküchen die zentrale Essensversorgung ersetzen und die Bewohnerinnen und Bewohner so aktiv in die Mahlzeitenzubereitung eingebunden werden (können), dass 4 hauswirtschaftliche Tätigkeiten in den Hausgemeinschaften gemeinsam mit den Bewohnern stattfinden und dass die dezentrale hauswirtschaftliche Versorgung somit im Mittelpunkt der Tagesstrukturierung steht. Die hauswirtschaftlichen Kräfte sind als Fachkraft für Versorgung, Wohnqualität und Alltagsleben in ihren Tätigkeiten erfahrungsgeleitet, selbstorganisiert und multiaktiv. Pflegeleistungen werden von einem ambulanten Pflegedienst zugekauft.
Das Schulungskonzept für die hauswirtschaftlichen Leitungen enthält vier Module, deren Inhalte die neue Rolle der Beschäftigten, die Gestaltung der wohnlichen Atmosphäre, Strategien zur Einbindung der Bewohner und die Schulung der Kommunikationsfähigkeit sind. Festzuhalten bleibt insbesondere, dass eine Kompetenzpartnerschaft von Hauswirtschaft und Pflege einer klaren Aufgabenzuordnung bedarf. In der anschließenden Diskussion wurde dazu noch herausgestellt, dass solche Konzepte in den Personalschlüsseln der Einrichtungen einer Gleichberechtigung hauswirtschaftlicher Fachkräfte zu Pflegefachkräften bedürfen.
Herr Prof. Dr. Dietmar Bräuning stellte in seinem Vortrag "Management von Patientenhotels – eine versorgungswirtschaftliche Herausforderung" die Chancen und Perspektiven für hauswirtschaftliche Dienstleistungen in Patientenhotels heraus. Ein Patientenhotel ist qua Definition „ein Unterkunfts- und Verpflegungsbetrieb mit medizinischer Basisversorgung für Patientinnen und Patienten vor oder nach einer medizinischen (ambulanten/stationären) Versorgungsleistung im eigentlichen Krankenhaus“. Es stellt somit eine alternative kosteneffiziente und qualitativ hochwertige Versorgungsform dar, in der die medizinischen Leistungen von den Hotelleistungen einer Krankenversorgung getrennt sind.
Die Herausforderungen eines Patientenhotels sollte die Hauswirtschaft nach Bräunings Ansicht als Chance begreifen, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln, um sich neu am Markt zu positionieren. Hierzu braucht Hauswirtschaft eine Management-, Markt und Wettbewerbsorientierung, mit der sowohl eine Optimierung der Versorgung als auch die Professionalisierung der hauswirtschaftlichen Leiterinnen bzw. Leiter verbunden ist. Der abschließende Dialog zwischen Prof. Dr. Margot Steinel, Hochschule Anhalt Bernburg und der Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin Claudia Mattes ging der Frage nach "Wie kann die Haushaltswissenschaft der Hauswirtschaft dienen?". Angesprochen wurden Themen aus dem strategischen und operativen Management in hauswirtschaftlichen Dienstleistungsbetrieben. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Haushaltwissenschaft gefordert ist, praxistaugliche Instrumente zu entwickeln, sie zu veröffentlichen und mit der Praxis zu diskutieren, um der Hauswirtschaft so methodische Instrumente zur Verfügung zu stellen. Diese können helfen, eine positive strategische Positionierung zu bewirken, durch Musterleitbilder und -leitfäden die täglichen Arbeiten zu optimieren um so auch im operativen Management (z.B. Marketingkonzept entwickeln, Kostencontrolling) erfolgreich arbeiten zu können.
In den Schlussworten zur Veranstaltung machte Prof. Dr. Alrun Niehage deutlich, dass die dgh gefordert ist, sich stärker nach außen zu öffnen und ihre Ziele zu verdeutlichen. Die Suche nach Verbündeten und die Vernetzung mit anderen Multiplikatoren werde dabei hilfreich sein. Mit der Einladung zur Jahrestagung 2007, die Anfang Oktober in Bonn stattfindet, beendete sie die Fach- und Jahrestagung 2006.
