Was bewirken hauswirtschaftliche Dienstleistungen in sozialen Einrichtungen, die wirklich die Menschen direkt im Blick haben und nicht in erster Linie von Betriebsabläufen bestimmt sind? Eine Frage, auf die es in der Praxis inzwischen viele Antworten gibt. Ansätze wie Fingerfood, wenn der Gebrauch von Besteck nicht mehr möglich ist, das Leben in Wohngemeinschaften, in denen die Alltagsgestaltung soweit wie möglich in den Händen der Bewohner/-innen liegt oder auch Trainingsmaßnahmen zur Förderung von Alltagskompetenzen, zeigen sehr deutlich, dass mit Hauswirtschaft Selbstbestimmung und Teilhabe am sozialen Leben gefördert werden.
Die Hauswirtschaft hat hier einiges zu bieten, das z.B. in den Demenzkonzepten der Altenhilfe in vielen Einrichtungen schon gelebt wird. In der Behindertenhilfe könnten Ansätze der Vermittlung von Alltagskompetenzen besser genutzt werden, denn sie fehlen bislang in den neuen Konzepten der Individualisierung und Dezentralisierung. In den Schulen wird die Hauswirtschaft in reformierter Form wieder eingeführt, während an Hochschulen und in den hauswirtschaftlichen Berufs- und Fachverbänden neue Konzepte der Kompetenzvermittlung entwickelt werden. In der Zusammenschau von Haus- und Wohngemeinschaften, Wohntrainings, Ernährungsund Haushaltsführerscheinen wird deutlich, die Hauswirtschaft erscheint in einem neuen Ansatz. Der Fachbereich wird zur Akteurin und Gestalterin, der in der direkten Interaktion mit BewohnerInnen und SchülerInnen tätig wird mit dem Ziel, sie im Alltag zu stützen und zu fördern.
Und damit ist es an der Zeit, dass einmal aufgedeckt wird, welche fachlichen Grundlagen das hauswirtschaftliche Handeln prägen und welche fachlichen Differenzierungen zu denken sind, wenn bewohner- und klientenzentrierte fördernde Ansätze aus der Pädagogik, der Psychologie und Therapie gefordert sind. Stichworte hierzu sind: handlungsleitendes Menschenbild, Bedürfnisse und Bedarfe als Grundlagen der Lebensgestaltung, hauswirtschaftliche Handlungsansätze und Hauswirtschaft als Managementaufgabe.
Dieser Aufgabe hat sich die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft gestellt und eine Leitlinie erstellt, die die Theorie hinter einem hauswirtschaftlichen Handeln sichtbar macht, einem Handeln, das in sozialen Einrichtungen und Diensten neben dem Versorgungsauftrag seinen Auftrag auch in der Gestaltung und Förderung des Alltags gemeinsam mit den Bewohner/-innen sieht.
Entstanden ist ein Papier, dass in kompakter Form aufzeigt, wo die Hauswirtschaft ihre fachlichen Wurzeln hat und wie sie differenziert angesetzt, Selbstbestimmung und Teilhabe aus ihrem Fachbereich heraus unterstützen kann. In einem zweiten Fokus werden der Rahmen und die Eckpunkte für das Management dieses Fachbereiches aufgezeigt. Grundlage und Voraussetzung, damit die richtigen Mitarbeiter/-innen am richtigen Ort sind und die Mittelverwendung qualitätssteigernd und effizient erfolgt.
Die Leitlinie „Die Potenziale der Hauswirtschaft nützen. Leitlinie zur Sicherung der Zukunft sozialer Einrichtungen „ steht im Internet unter www.dghev.de als Download zur Verfügung. Sie kann aber auch in gedruckter Form für € 10,- incl. Versandkosten in der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft bestellt werden.
