Die Rahmenbedingungen sozialer Einrichtungen werden immer enger und zwingen zu vielfältigen Veränderungen. Manche Einrichtungen wollen Kosten einsparen, in dem sie hauswirtschaftliche Dienstleistungen weitgehend ausgelagert erbringen lassen. Andere wiederum haben erkannt, welche Chancen und Möglichkeiten in einer Neuorientierung der Hauswirtschaft stecken: Versorgung ist das eine, Unterstützung, Förderung und Vermittlung von hauswirtschaftlichen Alltagskompetenzen und gezielte Gestaltung des Alltags der Bewohner durch hauswirtschaftliche Dienstleistungen das Andere. Diese Neuorientierung entlastet andere Arbeitsbereiche der Einrichtung und trägt gleichzeitig zum Erfolg der Einrichtung bei.
Selbstbestimmung der persönlichen Lebensführung und Teilhabe am sozialen Leben sind fachbereichsübergreifend Forderungen an soziale Einrichtungen.
Hauswirtschaftliche Dienstleistungen in den Gesamtauftrag der Einrichtung zu integrieren praktizieren viele Einrichtungen schon erfolgreich: Wohn- und Betreuungsformen für Menschen mit Demenz setzen auf Alltagsorientierung und damit auf lebenslange Gewohnheiten und Rituale aus der eigenständigen Haushaltsführung (Stichworte: Wohn- und Hausgemeinschaften für Menschen mit Demenz). Dezentralisierung und Individualisierung in der Behindertenhilfe verlangen Anleitung und Vermittlung von hauswirtschaftlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten (Stichworte: Außenwohngruppen, Verselbstständigung des Wohnens, betreutes Wohnen von psychisch Kranken). Auch Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, der Suchtkrankenhilfe, der Wohnungslosenhilfe gewinnen durch die Einbeziehung des hauswirtschaftlichen Arbeitsbereiches in den Gesamtauftrag der Einrichtung z. b. durch die alltagsnahen Trainings in Richtung einer selbstständigen Lebensführung.
Eine gedeihliche Zusammenarbeit mit anderen sozialen Berufen ist nur möglich, wenn Klarheit herrscht über das handlungsleitende Menschenbild, die fachlichen Grundlagen der Lebensgestaltung und welche Unterstützungsansätze verfolgt werden, wenn am Bewohner bzw. am Klienten orientierte und sie fördernde hauswirtschaftliche Dienstleistungen erbracht werden sollen. Um ein gleichberechtigter Gesprächspartner zu sein, muss ein Austausch darüber mit den anderen sozialen Professionen erfolgen können.
Die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh) hat in ihrer Leitlinie „Potenziale der Hauswirtschaft nutzen. Leitlinie zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit sozialer Einrichtungen“ diese Grundlagen zusammengestellt. Eine entscheidende Prämisse dieser Leitlinie lautet: Hauswirtschaft hat neben dem Versorgungsauftrag auch einen Auftrag den Alltag der Bewohner und Klienten mitzugestalten und dabei ihre Selbstbestimmung bezüglich ihrer Lebensführung und die Teilhabe am sozialen Leben zu unterstützen und zu fördern. Die Darlegung der hauswirtschaftlichen Handlungsleitsätze wird ergänzt um die Möglichkeiten, wenn Hauswirtschaft als Managementaufgabe begriffen wird. Aktuelle Handlungsfelder eines hauswirtschaftlichen Arbeitsbereiches zeigen im Anschluss mögliche Beiträge zur Zukunftsfähigkeit sozialer Einrichtungen. Diese Leitlinie will Diskussionen anregen, über den Stellenwert dieses Arbeitsbereiches in den Einrichtungen, über die Kopperation mit anderen sozialen Berufen, über Ausbildungsinhalte, pädagogische Konzepte u. v. m. Sie will ein neues Interesse für die hauswirtschaftlichen Dienstleistungen in sozialen Einrichtungen wecken.
Die Leitlinie „Potenziale der Hauswirtschaft nutzen. Leitlinie zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit sozialer Einrichtungen“ steht im Internet unter www.dghev.de als Download zur Verfügung. Sie kann aber auch in gedruckter Form für 10,- € (incl. Versandkosten) bei der Geschäftsstelle der dgh bestellt werden.
