"100 Jahre Meisterrecht in der Hauswirtschaft 2025" - "Junges Forum" stellt Ergebnisse von Experteninterviews mit Meisterinnen der Hauswirtschaft vor - Einblicke in Erfahrungen, Herausforderungen und die Zukunft der Hauswirtschaft

Bonn, 26. November 2025 – Das "Junge Forum", das Netzwerk aus jungen und engagierten Nachwuchskräften aus Wissenschaft und Praxis in der dgh, hat im August und September 2025 Experteninterviews mit neun jungen Meisterinnen der Hauswirtschaft durchgeführt. Die Ergebnisse des Projekts, das im Rahmen des Jubiläumsjahres "100 Jahre Meisterrecht in der Hauswirtschaft" realisiert worden ist, hat das "Junge Forum" jetzt vorgestellt.

Befragt wurden Hauswirtschaftsmeisterinnen, die in den vergangenen zehn Jahren ihren Meistertitel erworben haben. Ziel war es herauszufinden, wie diese jungen Hauswirtschaftsmeisterinnen ihr Arbeitsumfeld erleben und wie die Hauswirtschaft der Zukunft aussehen soll. Konkret ging es dabei um fünf zentrale Fragestellungen:

  1. Wie sind Sie zur Hauswirtschaft gekommen? Ihr Weg zur Ausbildung und Meisterschule?
  2. Was motiviert Sie in Ihrer täglichen, hauswirtschaftlichen Arbeit?
  3. Was sind die Herausforderungen und an welchen Stellen muss die Hauswirtschaft dazulernen?
  4. Welche Lösungsansätze sehen Sie, um den Nachwuchs (künftig) mitzunehmen? Im eigenen beruflichen Kontext sowie in der Hauswirtschaft allgemein?
  5. Welchen Rat/Tipp/Motivationsspruch würden Sie Nachwuchskräften in der Hauswirtschaft geben?

Die Ergebnisse der Experteninterviews zeigen, dass die Wege in die Hauswirtschaft so vielfältig sind, wie die Persönlichkeiten selbst. Alle interviewten Meisterinnen schätzen die Vielfalt und Sinnhaftigkeit der Hauswirtschaft sowie das Arbeiten im Team. Zugleich spüren die Befragten jedoch auch den Fachkräftemangel in ihrem Umfeld, kämpfen mit strukturellen Hürden und fordern eine flächendeckende Digitalisierung. Zudem benötige die Hauswirtschaft ein moderneres Image. Und: Der Beruf müsse durch faire Bezahlung und klare Karrierewege attraktiver werden.

Zu den Ergebnissen im Überblick:
1. Wege in die Hauswirtschaft – so vielfältig wie die Persönlichkeiten selbst
Die Auswertung der Experteninterviews hat gezeigt, dass einige der befragten Meisterinnen klassisch mit einer Ausbildung zur Köchin oder Hauswirtschafterin begonnen, andere über Umwege ihren Weg gefunden haben – durch ein Freiwilliges Soziales Jahr, ein Praktikum, frühere Tätigkeiten in der Gastronomie, Landwirtschaft oder im Bildungsbereich. Oft gaben inspirierende Begegnungen mit Personen, die das Potenzial der späteren Meisterinnen erkannten, den entscheidenden Anstoß. Der Schritt in die Meisterschule, wurde dabei häufig berufsbegleitend gewagt. Der Wunsch, sich fachlich weiterzuentwickeln, Verantwortung zu übernehmen und andere anzuleiten, war für alle Antrieb, den Meisterabschluss zu erreichen.

2. Begeisterung für Vielfalt und Sinnhaftigkeit
Für die befragten Meisterinnen bedeutet ihr Beruf, Lebensqualität zu schaffen. Dies erfolgt u.a. durch die Bereitstellung von gutem Essen, gepflegten Wohnräumen und menschlicher Nähe. Besonders die Arbeit mit Menschen, sei es in der Altenpflege, in Schulen oder Bildungseinrichtungen, gibt den Befragten Erfüllung. Viele betonen, wie motivierend das Miteinander im Team und die Arbeit mit Auszubildenden ist: Wissen weiterzugeben, Kreativität zu fördern und junge Menschen wachsen zu sehen. Auch die Abwechslung im Alltag wird als großer Pluspunkt erlebt, kein Tag gleicht dem anderen; es gibt immer neue Herausforderungen, die Gestaltungsspielraum bieten. Und: Für viele Meisterinnen ist Nachhaltigkeit weit mehr als ein Trend, sie verstehen sie als Kern ihrer täglichen Arbeit und als Haltung, die Verantwortung und Bewusstsein verbindet.

3. Handlungsbedarf, Herausforderungen und Entwicklungsfelder 
Trotz der Leidenschaft für ihren Beruf sehen die Meisterinnen deutlichen Handlungsbedarf. Noch immer hafte der Hauswirtschaft ein veraltetes Image an. Zu oft werde sie auf "Kochen, Putzen, Waschen" reduziert und damit unterschätzt, wie viel Fachwissen, Organisation und Verantwortung dahinterstecken. Auch der Fachkräftemangel ist im Umfeld der Befragten spürbar: Es fehlen motivierte Auszubildende; in vielen Einrichtungen bleibt zu wenig Zeit, junge Menschen gut anzuleiten. Hinzu kommen strukturelle Hürden, ein starker schulischer Fokus, zu wenig Praxisbezug, überholte Prüfungsinhalte und geringe personelle Ressourcen. Mehrfach wurde die geringe Bezahlung genannt, die im Vergleich zu anderen sozialen oder handwerklichen Berufen dem hohen Arbeitseinsatz nicht gerecht werde. Viele der Interviewten fordern eine Modernisierung der Strukturen: mehr Offenheit bei den Landwirtschaftskammern, stärker praxisorientierte Lehrinhalte und ein selbstbewussteres Auftreten des gesamten Berufsfeldes. Auch die Digitalisierung müsse endlich flächendeckend Einzug halten, dies reiche von digitalen Lernmethoden über moderne Kommunikationswege bis hin zu innovativen Ausbildungskonzepten.

4. Zukunft gestalten – mehr Sichtbarkeit, Modernität, Mut und faire Bezahlung
Damit die Hauswirtschaft eine starke Zukunft hat, braucht sie Sichtbarkeit, Modernität und Mut. Die Meisterinnen sind sich einig: Der Beruf muss attraktiver werden – durch faire  Bezahlung, klare Karrierewege und ein zeitgemäßes Image. Die Vielseitigkeit des Berufs sollte selbstbewusst gezeigt werden, über Social Media, Imagefilme oder öffentliche Aktionen. Zugleich sollte die Hauswirtschaft früh in der Bildung verankert sein, etwa durch praxisnahe Unterrichtsinhalte, Schulprojekte oder Schnupperangebote. 
Auch die Ausbildung sollte lebendiger gestaltet werden, mit mehr Praxis, handlungs-orientiertem Lernen und digital unterstützten Formaten wie Augmented Reality oder hybriden Lernkonzepten. Vor allem aber geht es um Selbstbewusstsein und Stolz. Wer Hauswirtschaft lebt, gestaltet Zukunft im Kleinen wie im Großen. Dieser Beruf verbindet praktische Kompetenz mit gesellschaftlicher Verantwortung und verkörpert Werte wie Nachhaltigkeit, Kreativität und Menschlichkeit, die in der modernen Arbeitswelt an Bedeutung gewinnen.

5. Selbstbewusst Chancen nutzen
Den Nachwuchskräften in der Hauswirtschaft geben die befragten Expertinnen mit auf den Weg, Weiterbildungsmöglichkeiten anzunehmen, Chancen zu nutzen und auch selbst Wissen weiterzugeben. Vor allem jedoch: Nie den Spaß an der Arbeit zu verlieren, an sich selbst zu glauben, den Mut zu haben, eigene Wege zu gehen und Hauswirtschaft als einen vielfältigen, abwechslungsreichen und sinnstiftenden Beruf mit Zukunft und guten Aufstiegschancen zu verstehen.

Detaillierte Informationen zu den neun befragten Meisterinnen der Hauswirtschaft sowie zu den einzelnen Interviewinhalten stehen bereit unter:
https://www.dghev.de/was-wir-leisten/beirat-lebenslanges-lernen-hauswirtschaft-lll-hw/100-jahre-meisterrecht-in-der-hauswirtschaft/hauswirtschaft-der-zukunft-september-2025

Informationen zum „Jungen Forum“ in der dgh finden Sie unter:
https://www.dghev.de/was-wir-leisten/junges-forum

 

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft e. V.
Geschäftsstelle
Dr. Christiane Pakula
Kaiser-Friedrich-Str. 13
53113 Bonn
Tel.: +49 228 9212592
E-Mail: dgh@dghev.de


Kontakt Junges Forum:
Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft e. V.
Kaiser-Friedrich-Str. 13
53113 Bonn
Tel.: +49 228 9212592
E-Mail: jungesforum@dghev.de

(Foto:  ® Manfred Pollert)