Hauswirtschafter/in: Fachkraft für Versorgung und Betreuung

Verbände und Zuständige Stellen erarbeiten bundesweit Strategie zur Weiterentwicklung des Berufes!

Um die Weiterentwicklung des Erstberufes in der Hauswirtschaft gemeinsam voran zu bringen, trafen sich im Dezember die Vorstände der Bundesarbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft (BAG-HW) und der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh) mit Vertreterinnen der zuständigen Stellen für die Berufsbildung in der Hauswirtschaft zu einem Spitzengespräch. In der Weiterentwicklung der Hauswirtschafter/in besteht dringender Handlungsbedarf, für den gemeinsam Lösungen erarbeitet werden. Während einzelne Bundesländer wie Bayern im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf Landesebene neue Schwerpunkte in der Ausbildung zur Hauswirtschafter/in gesetzt haben, sind für die Bundesebene noch keine Entscheidungen getroffen. In einem ersten Austausch konnten auf der Grundlage der Ergebnisse aus den internen Strategieprozessen die wichtigsten Punkte mit Veränderungsbedarfen identifiziert werden. Für diese Punkte werden nun Handlungsstrategien entwickelt. Für Anfang März ist der nächste Termin vereinbart.

Mit dem Gespräch im Frankfurt steht nicht mehr die Frage Neuordnung ja oder nein im Zentrum sondern die Arbeit an wirksamen Schritten zur Bearbeitung der Problemlage. Sowohl die Verbände als auch die zuständigen Stellen kommen zu dem Schluss, dass das aktuelle Berufsbild der Hauswirtschafter/in, wie es in der Verordnung abgebildet ist, den Anforderungen in den hauswirtschaftlichen Einsatzgebieten entspricht. Problematisch ist, dass bislang noch nicht durchgängig entsprechend des neuen Profils ausgebildet wird. Hier besteht Handlungsbedarf. Von Seiten der zuständigen Stellen und auch zunehmend aus berufsbildenden Schulen wird die Berufsbezeichnung Hauswirtschafter/in sehr kritisch gesehen. Der Begriff Hauswirtschaft hat für Jugendliche kein positives Image. Insbesondere in der Phase der Berufsfindung stößt er eher ab, als dass er motiviert, in das Berufsfeld einzusteigen. Für diese Problematik muss eine Lösung gefunden werden. Übereinstimmend sind folgende Problempunkte identifiziert:

1. Das Profil des Berufes wird nicht kommuniziert. Die Hauswirtschafter/in ist nicht Allrounder/in mit einer Vielfalt an hauswirtschaftlichen Kompetenzen. Sie ist Fachkraft für Versorgung und Betreuung mit dem Alleinstellungsmerkmal Dienstleistungen personen- und situationsorientiert erbringen zu können. Immer wieder wird das Bild von Multitalent in Sachen Hauswirtschaft transportiert. Der Handlungsansatz des zielgerichteten Dienstleistungsmanagements kommt zu wenig zu tragen.

2. Die Kompetenzen, die die Hauswirtschafter/in für die einzelnen Einsatzgebiete mitbringt, werden nicht deutlich. Hauswirtschafter/innen können sowohl in privaten Haushalten, als auch in sozialen Einrichtungen, in haushaltsbezogenen Dienstleistungsunternehmen oder im Hotelsektor tätig werden. Auch wenn die Grundprinzipien der Dienstleistungserbringung gleich sind, fehlt die Profilbildung für die Einsatzgebiete. Es ist zu überprüfen, in wieweit durch Wahlqualifikationen im dritten Ausbildungsjahr das Kompetenzprofil geschärft werden kann. Ein Überarbeitungsbedarf wird auch in den offiziellen Erläuterungen zur Ausbildungsordnung gesehen, die in der vorliegenden Fassung aus dem Jahr 2000 stammt.

3. Sowohl in der Ausbildung als auch in den Lehrgängen wird das Profil, wie es in der Ausbildungsordnung von 1999 verankert ist, noch nicht flächendeckend umgesetzt. Der personenorientierte Dienstleistungsansatz, der dem Beruf hinterlegt ist, steht noch nicht im Mittelpunkt. Der Arbeitsschwerpunkt der Hauswirtschafter/in wird immer noch in der Produktion von Dienstleistungen gesehen. Der Service als Bindeglied zum Kunden hat in der Ausbildung noch immer eine untergeordnete Bedeutung. Der Handlungsansatz der hauswirtschaftlichen Betreuung, das zweite Standbein der Hauswirtschafter/in, wird nicht gleichrangig neben dem Versorgungsansatz vermittelt. Er ist bislang nur punktuell in der Ausbildungs- und Lehrgangspraxis angekommen.

4. Die Berufsbezeichnung Hauswirtschafter/in hat ein negatives Image bei Jugendlichen. Wichtig ist die Auseinandersetzung mit der Frage, in wieweit durch eine neue Berufsbezeichnung, das Imageproblem der hauswirtschaftlichen Berufe zu lösen ist.

Es besteht bei allen Gesprächspartnern der Wunsch nach einem gemeinsamen getragenen Ansatz, um eine Zukunftsperspektive für den Beruf der Hauswirtschafterin zu haben, die auch die zuständigen Ministerien auf Bundes- und Länderebene sowie mit die Sozialpartnern der hauswirtschaftlichen Berufe überzeugt, so dass die Ausbildung zur Hauswirtschafter/in gewählt wird und damit der Bedarf an Fach- und Führungskräften gedeckt werden kann.

Grundlage des Gesprächs waren die Ergebnisse aus dem Strategieprozess, der von BAG-HW und dgh angestoßen wurde. Bereits 2009 befasste sich die BAG HW mit der Zukunftsfähigkeit der Hauswirtschafterin nach der Neuordnung 1999. Die dgh initiiert die Taksforce Hauswirtschaftliche Berufsbildung, die im ersten Quartal 2012 die Einordnung der hauswirtschaftlichen Berufe in den Deutschen Qualifikationsrahmen vorlegen wird. Mit dem Beschluss der 87. Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) vom 24. und 25. November 2010 kam auch außerhalb der Verbände Bewegung in die Auseinandersetzung mit den hauswirtschaftlichen Berufen.